Abonnement Smart Investor Weekly Interview
Mediadaten Smart Investor Vision Hintergrund
Impressum Analyse   IR-Center Heft Inhalt
Hintergrund 26.09.2003, 09:42  
Sentimentanalyse mit Hilfe des sentix -  - von Manfred Hübner (www.sentix.de)

„When everyone thinks alike, everyone is likely to be wrong“ (“Wenn jeder das gleiche denkt, liegt wahrscheinlich jeder falsch”) Humphrey B. Neill, The Art of Contrary Thinking, 1954

Wer kennt sie nicht, die Börsenweisheiten „Greife nie in ein fallendes Messer“, „Kaufen wenn die Kanonen donnern“, „Handele gegen die Masse“ – oft zitiert und selten beachtet. Warum fällt es den Menschen so schwer, sich nicht von seinen Emotionen leiten zu lassen? Die verhaltensorientierte Kapitalmarktforschung (Behavioral Finance) hat in den letzten Jahren eine große Anzahl von verhaltensbasierten Anomalien in den Entscheidungsprozessen von Finanzmarktteilnehmern dokumentiert. Wir wissen, daß unsere Entscheidungen an den Finanzmärkten von Emotionen, übersteigertem Vertrauen in die eigenen Prognosefähigkeiten (oder die anderer Leute) und der ständigen Überflutung mit Informationen durch die Medien in einer Weise verzerrt werden, daß ein nachhaltiger Markterfolg fast unmöglich wird. Nur zwei Wege scheinen eine Lösung dieses Dilemmas zu versprechen: (1) systematisches Handeln auf Basis unemotionaler Computersignale oder (2) Reduzierung der emotionalen Anfälligkeit durch Anwendung von „konträrem Denken“ – also letztlich die Emanzipierung des Anlegers von der Medienpropaganda und die Stärkung eines eigenen kritischen Geistes. Um aus der Vielzahl der Informationen diejenigen herauszufiltern, die für die künftige Kapitalmarktentwicklung relevant sind, ist es wichtig, die allgemeinen Überzeugungen sowie die daraus abgeleiteten und bereits umgesetzten Entscheidungen zu kennen. Nur so ist eine Szenarioanalyse und die Entwicklung konträrer Ansichten möglich.

sentix macht Börsenstimmungen transparent
Aber wie kann man Stimmungen an der Börse transparent machen? Woher weiß man, welche Überzeugungen „die Masse“ hat? Wann ist der eigene Standpunkt gegensätzlich zu den vorherrschenden Strömungen – und wann ist man selbst Bestandteil der Masse? Bei der Beantwortung dieser Fragen ist der sentix eine wichtige Hilfe.

Der sentix umfaßt eine ganze Familie sogenannter Sentimentindices. Wöchentlich werden mehr als 800 private und fast 200 institutionelle Anleger nach ihrer kurz- (ein Monat) und mittelfristigen Einschätzung (sechs Monate) der wichtigsten Finanzmärkte befragt. Jeder, auch Sie, kann unter www.sentix.de an dieser Befragung teilnehmen. Neben wöchentlichen Einschätzungen zum Dax oder EuroSTOXX 50 werden u.a. auch die Erwartungen zu den Rentenmärkten oder bestimmten Währungsrelationen (z.B. Euro-US-$) ermittelt. Im vierwöchentlichen Turnus erhalten die sentix-Teilnehmer darüber hinaus Zugriff auf das Sentiment einzelner Branchen, diverser Rohstoffmärkte oder aber der Investitionsgrade der Anleger. Allein aus diesen Daten kann bereits ein klares Stimmungsbild gezeichnet werden. Die Daten geben dabei nicht nur Aufschluß über den Grad an Optimismus oder Pessimismus der Anleger, sondern auch über das Ausmaß der empfundenen Unsicherheit. Ergänzt werden diese Markteinschätzungen durch Sonderumfragen, welche die Einstellung der Marktteilnehmer zu besonderen, die Märkte aktuell oder potentiell bewegenden Themen aufzeigen soll.

Auf der Suche nach der „contrary opinion“
Anhand einiger Beispiele soll im Folgenden die Anwendung der sentix-Daten sowie die Umsetzung der Ergebnisse in einen, mit der Behavioral Finance verträglichen, von konträrem Denken geprägten Anlagestil aufgezeigt werden.

 


Chart 1 zeigt den Verlauf des kurzfristigen Sentiments zum Dax-Index sowie den Kursverlauf des deutschen Aktienmarktes. Die rote Kurve zeigt den Grad an Optimismus[1] an. An diesem Chart wird die zyklische Schwankung der Marktstimmung in Abhängigkeit von der Kursentwicklung deutlich. Steigende Kurse führen zu einer Stimmungsverbesserung, fallende zu einer Stimmungsverschlechterung. Durch Beobachtung der kurzfristigen Marktstimmung ist es dem Anleger möglich zu überprüfen, inwieweit die eigene optimistische oder pessimistische Haltung durch die anderen Marktteilnehmer geteilt wird („Gehe ich mit der Herde?“). Falls die Stimmung Extremwerte erreicht, ist Vorsicht angebracht, da zu viele Marktteilnehmer auf der „gleichen Seite“ stehen und es an weiteren Käufen bzw. Verkäufen mangeln könnte, um den Markt noch weiter in die jeweilige Marktrichtung zu drücken. Ist der Anleger aufgrund eigener Analyse der Ansicht, die Kurse müßten fallen, und ist gleichzeitig hoher Optimismus an der Börse festzustellen, liegt ein sogenanntes Setup für ein „Contrarian Investment“ vor: Ein antizyklisch vorgenommener Verkauf sollte überdurchschnittlich gute Chancen besitzen.

 

 

Weiter zu Teil 2 dieses Beitrags.

 

 



[1] Das aktuelle Sentiment wird ermittelt durch folgende Formel: Index= Bullische Votings – Bearische Votings / (Anzahl der abgegebenen Stimmen)


 

Artikeln, Empfehlungen und Tabellen liegen Quellen zugrunde, welche die Redaktion für verläßlich hält. Eine Garantie für die Richtigkeit der Angaben kann allerdings nicht übernommen werden. Bei unaufgefordert eingesandten Beiträgen behält sich die Redaktion Kürzungen oder Nichtveröffentlichung vor.
© Smart Investor Media GmbH 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010

ANZEIGE