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Hintergrund 26.09.2003, 09:37  
Sentimentanalyse mit Hilfe des sentix -  - Teil 2 / Fortsetzung

von Manfred Hübner (www.sentix.de)

Auch die neutralen Votes sind wichtig!
Ein weiteres Hilfsmittel, welches dem Anleger durch die sentix-Umfrage bereitgestellt wird, sind die Charts zur Prognose-Unsicherheit der Anleger (siehe Chart 2). Diese wird ermittelt, indem der Prozentsatz der neutralen Votings an der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen berechnet wird. Die Erfahrung zeigt, daß Marktteilnehmer, die keine klare Meinung haben, eine neutrale Einschätzung vergeben. Echte „Neutralität“ im Sinne eines auf Sicht von einem oder sechs Monaten seitwärts tendierenden Marktes wird nur selten geäußert. Dieses Verhalten ist konsistent mit dem Overconfidence-Bias, also der Selbstüberschätzung der eigenen Prognosefähigkeiten. Obwohl die Teilnehmer der sentix-Umfrage auch die Antwortmöglichkeit „keine Meinung“ haben, wird hiervon anscheinend nur dann Gebrauch gemacht, wenn die Teilnehmer den zu beurteilenden Markt grundsätzlich nicht beachten. Eine größere Anzahl von echter Meinungslosigkeit findet sich nur bei Märkten, die wenig im Focus stehen, wie zum Beispiel der Nikkei-Index oder das Währungspaar US-$-Yen. Folglich ist eine niedrige Zahl neutraler Votings ein Hinweis darauf, daß die Anleger besonders großes Zutrauen in ihre Einschätzung haben. Dies wird vor allem dann der Fall sein, wenn es offensichtliche Gründe gibt, diese Meinung zu vertreten. Ein Investment entsprechend der eigenen Meinung ist naheliegend. Eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit für eine Trendwende ist demnach dann gegeben, wenn sehr optimistische oder sehr pessimistische Stimmung und eine niedrige Prognoseunsicherheit zusammenfallen. Eine solche eindrucksvolle Datenlage gab es zuletzt am 09. März 2003 (siehe auch www.sentix.de/analysen/Analyse20030307.htm).

Es sei an dieser Stelle angemerkt, daß die Signale aus der Sentimentanalyse weniger konkrete Ein- und Ausstiegssignale liefern, als vielmehr Anregungen geben, eigene konträre Gedankengänge anzustoßen. In Verbindung mit einer markttechnischen Analyse entwickelt die Sentimentanalyse ihre volle Effektivität.



 

 

Die sentix-Daten liefern aber noch weitere nützliche Informationen. So zeigt der Chart 3 die Differenz im mittelfristigen EuroSTOXX-Sentiment von privaten zu institutionellen Anlegern. Auffallend ist der weitgehende Gleichlauf dieser Kurven und die Bestätigung von Marktwendepunkten durch entsprechende Wendepunkte im relativen Sentiment. Untersuchungen der sentix-Daten legen die Vermutung nahe, daß institutionelle Anleger tendenziell bei ihrer mittelfristigen Einschätzung zu einer antizyklischen Beurteilung neigen, während die Privatinvestoren eher prozyklisch agieren und von der Kursentwicklung beeindruckt sind. Auf kurze Sicht ist kein signifikanter Unterschied beider Anlegergruppen erkennbar, hier zeigen beide ein prozyklisches Verhalten, welches im oben beschriebenen Sinne konträre Vorgehensweisen nahelegt. Auf mittlere Sicht scheinen die institutionellen Anleger Marktwendepunkte besser zu treffen, vor allem dann, wenn die Masse der Privatinvestoren dies nicht erwartet.

Positionierung und Stimmungen sind nicht das Gleiche

Abgerundet wird das Angebot an Sentimentinformationen durch Angaben zu den Aktieninvestitionsgraden der verschiedenen Anlegergruppen (Chart 4). Diese Information ist sehr wertvoll, da Auskünfte vor allem zur Investitionspolitik der Institutionellen nur schwierig bzw. mit größeren zeitlichen Verschiebungen erhältlich sind. Die Investitionsgrade stellen eine Ergänzung bzw. Bestätigung der Sentimentinformationen dar und zeigen an, ob die Markteinschätzungen auch in den Portfolios umgesetzt wurden.

Die sentix-Daten zur Brancheneinschätzung haben ebenfalls großen Informationsgehalt auf künftiges Anlageverhalten, wie zum Beispiel in der Telekomanalyse vom Juli letzten Jahres nachzulesen ist (siehe www.sentix.de/branchen.php).


Konjunktursignale werden (noch) ignoriert
Und wie sieht es aktuell aus? Die sentix-Daten zur Konjunktur sowie zu den Aktien- und Renteninvestitionsgraden zeigen, daß die erneut aufkommenden Konjunkturzweifel weder am Aktienmarkt (durch entsprechende Verkäufe), noch am Rentenmarkt (durch Kauf langlaufender Anleihen) berücksichtigt sind. Spätestens wenn sich ab Anfang Juni die Frühindikatoren nicht wesentlich verbessern, dürften am Aktienmarkt wieder die Minuszeichen dominieren. Neue Renditetiefs sollten ebenfalls nicht überraschen.

Die Berücksichtigung von Sentimentinformationen, wie sie beispielhaft im Rahmen des sentix bereitgestellt werden, erlauben „smarte“ Anlageentscheidungen, auch oder gerade gegen die vorherrschende Meinung. Im Rahmen regelmäßiger Kommentierungen im Smart Investor freue ich mich, Ihnen künftig Anregungen für Ihre Anlageentscheidungen liefern zu können.

 

 

Artikeln, Empfehlungen und Tabellen liegen Quellen zugrunde, welche die Redaktion für verläßlich hält. Eine Garantie für die Richtigkeit der Angaben kann allerdings nicht übernommen werden. Bei unaufgefordert eingesandten Beiträgen behält sich die Redaktion Kürzungen oder Nichtveröffentlichung vor.
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