| Interview |
17.01.2012, 17:10 |
| "Ich denke nicht, dass das Zufall ist" - Interview G. Edward Griffin
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Smart Investor im Gespräch mit dem US-Bestsellerautor G. Edward Griffin, der vor allem durch sein Buch „Die Kreatur von Jekyll Island“ bekannt wurde. Dort zeichnet er die Gründungsgeschichte der US-Notenbank FED mit kriminalistischem Spürsinn nach.
Smart Investor: Herr Griffin, die
„Kreatur von Jekyll Island“, also die FED, existiert noch immer. Was muss
geschehen, damit sie verschwindet?
Griffin: Sie ist sogar noch
gewachsen. Heute dominiert sie nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern die
ganze Welt. Sie erzeugt Geld aus dem Nichts, das sie sogar nach Europa pumpt.
Für die amerikanische Öffentlichkeit, die das alles bezahlen muss, sind die
Konsequenzen absolut zerstörerisch.
Smart Investor: Was davon ist
Zufall, was Kollateralschaden und was ist der Plan?
Griffin: Ich denke nicht, dass das,
was wir heute sehen, ein Ergebnis des ursprünglichen Plans ist. Der
ursprüngliche Plan war wohl viel kleiner. Nur ein Mittel, damit die Banken die
amerikanische Wirtschaft kontrollieren konnten und natürlich auch die Politik.
Smart Investor: Wie ist das
eigentlich mit der Eigentümerschaft der FED?
Griffin: Das Thema der
Eigentümerschaft ist nicht so bedeutend, wie es vielleicht scheint. Zwar
impliziert Eigentümerschaft Kontrolle. Aber es gibt andere Arten der Kontrolle,
ohne Eigentümer zu sein. Das Wichtige ist die Kontrolle.
Smart Investor: Es gibt jetzt
Initiativen in den USA, die FED abzuschaffen. Was halten Sie davon?
Griffin: „Die FED abschaffen“ hat
verschiedene Bedeutungen: Wenn Leute wie ich das sagen, dann meinen wir es auch
so. Andere wollen lediglich die Überführung der FED in die Hände des
Finanzministeriums. Das würde natürlich nichts ändern, denn es würde weiter
Geld aus dem Nichts geschaffen.
Smart Investor: Für uns verstärkt
sich der Eindruck, dass zwischen Politik und Banken eine Symbiose zulasten des
Bürgers und Steuerzahlers entstanden ist?
Griffin: Genau so ist es, eine
Partnerschaft.
Smart Investor: In Deutschland haben
wir z.B. im Hinblick auf die Euro-Rettung das merkwürdige Phänomen, dass 90%
der Politiker beschließen, was – überspitzt gesagt – 90% der Bevölkerung
ablehnen. Wen repräsentieren diese Leute eigentlich noch?
Griffin: Das passiert gerade überall
auf der Welt. Die sogenannten demokratischen Regierungen repräsentieren nicht
das Volk. Sie vertreten andere Interessen, und es wird zunehmend klar, dass
dies die Interessen der Finanzwirtschaft sind. Zwar regulieren die Regierungen
die Banken, aber es sind die Banken, die das Geld für die Regierungen
beschaffen. Wer das Geld beschafft, hat letztlich die Kontrolle über die
Politiker.
Smart Investor: Bei der Gründung der
FED gab es ja noch offene Opposition, die sich für das Volk einsetzte. Haben
heutige Politiker den Bezug zum Volk verloren?
Griffin: Das ist wahr, eine sehr
gute Beobachtung. Eine exzellente Beobachtung.
Smart Investor: Noch eine
Beobachtung: Die meisten Menschen verstehen das Wesen des Geldes gar nicht. Das
kann doch kein Zufall sein?
Griffin: [Lacht] Ich denke nicht,
dass das ein Zufall ist. Es wird nicht in der Schule gelehrt. Sie sehen auch
niemanden im Fernsehen über die Grundzüge des Geldwesens reden. Man kann sogar
ein erfolgreicher Banker sein, wenn man zwar die Mechanik des Geschäfts
versteht, aber nicht die Philosophie dahinter.
Smart Investor: Ist das eine allgemeine
Tendenz, dass wir immer abhängiger von Systemen werden, deren Philosophie wir
nicht verstehen (sollen)?
Griffin: Ich denke auch hier nicht,
dass das ein Zufall ist. Es ist eine Mischung: Etwas Zufall, etwas bewusste
Planung, wobei die Planung wohl stärker geworden ist. Der Gegensatz besteht
zwischen denen, die das Sagen haben, und dem Rest. Sie halten es für ihre
Verpflichtung und ihr Privileg zu regieren – natürlich zum Nutzen aller.
Smart Investor: Das ist was sie
sagen oder was sie denken?
Griffin: Ich vermute, am Anfang
dachten sie sogar so, aber dann erkannten sie irgendwann, dass das gar nicht
der Fall ist. Aber sie sagen es noch immer. Für sie würde Wandel den Verlust
ihrer Führungsrolle und ihres Lebensstils bedeuten. Also spielen sie einfach
weiter.
Smart Investor: Was sind das für
Leute, die die Fäden ziehen?
Griffin: Meine eigene, ganz
unwissenschaftliche Theorie darüber: Es gibt eine Art „Raubtierklasse“
innerhalb der Menschen, und zwar in allen Gesellschaften, Kulturen, Rassen und
zu allen Zeiten. Ich würde den Anteil auf 3 bis 5% schätzen. Obwohl wir alle
diese Raubtierinstinkte haben, sind sie bei diesen Menschen stärker ausgeprägt.
Sie werden von der Macht angezogen wie Motten vom Licht. Als Teil der
herrschenden Klasse haben sie die Möglichkeit, ihr Wesen auszuleben und
respektiert zu werden, andernfalls müssten sie Kriminelle werden.
Smart Investor: Da klingt so, als
sei das unabänderlich?
Griffin: Hätten wir noch das, was
wir in Amerika eine verfassungsmäßige Regierung nennen, dann hätten Politiker
gar nicht so viel Macht. Die „Raubtierklasse“ würde von der Politik dann nicht
mehr so angezogen werden und müsste sich anderswo entfalten.
Smart Investor: Als Kriminelle?
Griffin: Ja, oder in Banken, im
Militär, in den Gewerkschaften, kurz: wo immer es die Möglichkeit gibt, Macht
auszuüben, am besten unter dem Deckmantel, Gutes zu tun.
Smart Investor: Täuscht uns
eigentlich der Eindruck, dass viele „Lösungen“ der Schuldenkrise die Dinge nur
schlimmer machen?
Griffin: Der Zweck der FED besteht
nicht in der Stabilisierung der Wirtschaft oder darin, den einfachen Leuten zu
helfen. Der Zweck der FED besteht darin, ihren Herren zu dienen und zum Vorteil
ihrer Mitglieder zu handeln. Sie ist ein Bankenkartell.
Smart Investor: Seit dem Ausbruch
der Schuldenkrise wird regelmäßig Marktversagen beklagt. Zu Recht?
Griffin: Sie beschuldigen die
Märkte, das freie Unternehmertum und den Kapitalismus. Was sie nicht sagen ist,
dass freies Unternehmertum und Kapitalismus schon seit Jahrzehnten nicht mehr existieren.
Wir leben eigentlich in einem System der Regulierung, des Eingriffs und der
Kumpanei zwischen Regierung und Großunternehmen. Das ist das System, das
gescheitert ist. Was aber gesagt wird: Schaut, der Markt ist gescheitert,
deshalb brauchen wir mehr Einfluss und Kontrolle durch die Regierung. Indem
Worte mit falschen Definitionen verwendet werden, werden wir zu falschen
Schlussfolgerungen verleitet. Das ist der Trick.
Smart Investor: Auch die neue
Oppositionsbewegung „Occupy“ fordert mehr Staat. Ist das überhaupt eine echte
Opposition?
Griffin: Einige von uns, die etwas
misstrauischer sind, fragen sich genau das. Das ist ein altes Spiel: Die Banken
wissen, dass große Animositäten gegen sie bestehen, und es wäre aus ihrer Sicht
konsequent, die Führung ihrer eigenen Opposition zu übernehmen. Diese
Bewegungen auf der ganzen Welt verlangen mehr Regulierung und Kontrolle durch
die bekannte Partnerschaft aus Regierung und Banken, die die Probleme ja
überhaupt erst verursacht hat. Selbst wenn die Banken nichts damit zu tun
hätten, müssten sie „Occupy“ lieben. Aber sie wären dumm, falls sie wirklich
nichts damit zu tun haben.
Smart Investor: Auch dass „Occupy“
breiten Raum in den Massenmedien bekommt, während eine Bewegung, die freies
Wettbewerbsgeld fordert, „übersehen“ wird, ist doch kein Zufall?
Griffin: Nein, das ist kein
Zufall [lacht]. Natürlich muss man so etwas wahrnehmen, selbst wenn man dann
schreibt, dass die Ideen völlig verrückt sind.
Smart Investor: Wenn also
Information nicht die Aufgabe der Massenmedien ist, was ist es dann? Kontrolle?
Griffin: Sehen wir auf das
Offensichtliche: Das Gehirn ist leicht zu kontrollieren. Und je intelligenter
es ist, desto leichter ist es, weil es mehr Programmierungen aufnehmen kann.
Werbung ist ein perfektes Beispiel für kontinuierliches, professionelles Mind
Control. In den Bereichen Wirtschaft und Politik findet diese Programmierung
auf dem höchstmöglichen Niveau statt. Der Umstand, dass viele das nicht
bemerken und es sich auch gar nicht vorstellen können, ist ein Hinweis darauf,
wie effizient hier gearbeitet wird.
Smart Investor: Wenn es um Kontrolle
geht, dürfte das freie Internet ein Fehler gewesen sein?
Griffin: Mein Gefühl ist, dass sie
es nicht wirklich haben kommen sehen. Aber jetzt, wo sie es sehen, lassen sie
nichts unversucht, das Internet zu kontrollieren. Es ist eines ihrer
wichtigsten Projekte. Sie haben es schon geschafft, die Menschen davon zu
überzeugen, dass wenn sie Kinderpornographie, Terrorismus und all die anderen schlimmen
Dinge verhindern wollen, es einer stärkeren Kontrolle durch die Regierung
bedarf. Da haben wir es wieder: Durch falsche Informationen und vor allem
Angstkampagnen sollen die Leute gar nicht mehr zur Ruhe und schon gar nicht zum
Nachdenken kommen. Am Ende verlangen selbst wohlmeinende Menschen das genaue
Gegenteil von dem, was in ihrem eigenen besten Interesse wäre. Hegel’sche
Dialektik. Es ist einfach, eine Kampagne zu starten, wenn man der
Öffentlichkeit Fakten vorenthält.
Smart Investor: Wie sähe eine Lösung
aus?
Griffin: Die Lösung ist einfach,
aber nicht leicht: Werdet das Problem los! Und das Problem ist das
Papiergeldsystem. Kehrt zu gesundem Geld zurück! Der schwierige Teil ist, wie
kommt man dorthin? Als erstes gehört die gesamte Gesetzgebung abgeschafft, die
das Fiat-Money-System unterstützt. Die Leute brauchen alternatives Geld. Wenn
der einfache Bürger einmal vom Wert konkurrierender Währungen überzeugt ist,
dann werden die reinen Papierwährungen nach und nach verschwinden. Einfach weil
sie niemand mehr haben will.
Smart Investor: Da wird es aber
Widerstand geben, der Euro ist hierzulande „Staatsreligion“. Die Opposition
will die Regierung in ihrem Euro-Eifer sogar noch überholen …
Griffin: Das ist doch nicht
ernsthaft eine Opposition, oder?! Aber in Amerika ist es die gleiche
Geschichte. Es nennt sich Republikaner und Demokraten, aber es sind nur zwei
Abteilungen der gleichen Partei. Die heute wichtigsten Themen, nationale
Souveränität und das Papiergeldsystem, finden Sie nicht einmal auf den
Wahlkampfplattformen der beiden großen Parteien. Sie sind tabu.
Smart Investor: Das ist, zufällig
versteht sich, bei uns genauso.
Griffin: Das ist der rote Faden: Es
ist kein Zufall.
Smart Investor: Reden wir über die
Interventionen in das Leben der Bürger. Die Wohlfahrtssysteme verschlingen
mittlerweile den größten Teil der Steuereinnahmen, dennoch lesen wir über
wachsende Armut. Da stimmt doch was nicht?
Griffin: Je mehr die Regierung ihr Wohlfahrtsprogramm
ausweitet, umso mehr Armut erzeugt sie. Wenn die Leute nicht durch harte Arbeit
vorankommen, dann hören sie auf, hart zu arbeiten, und die Leistung geht
zurück. Wenn die Leute Transfers erhalten, ohne dafür zu arbeiten, dann gibt es
keinen Anreiz zu arbeiten. Der arbeitende Teil der Bevölkerung verringert sich
und die Armut breitet sich solange aus, bis keiner mehr arbeiten will. Dann
wird es zu einem totalitären Staat kommen, der die Leute zur Arbeit zwingen
kann.
Smart Investor: Sie haben sich auch
mit dem Thema Krebs beschäftigt. Wie kam es dazu?
Griffin: Ein enger Freund von mir
war Arzt. Er begann, eine nicht genehmigte Therapie bei Krebs anzuwenden, die
sehr erfolgreich war. Aber das medizinische Establishment nahm ihm schließlich
die Lizenz. Seine Substanz rettete zwar Leben, aber sie entstammte nicht dem
Arsenal der Pharmaindustrie. Es ist die gleiche Geschichte wie mit den Banken,
nur dass wir jetzt über ein Pharma-Kartell sprechen. All die Gesetze sind so
gemacht, dass sie dieses Kartell unterstützen. Das „Problem“ mit Substanzen aus
der Natur: Sie sind billig und man kann sie nicht patentieren.
Smart Investor: Man schaltet also –
zum Wohle des Kunden/Patienten versteht sich – bewusst neuen Wettbewerb aus?
Griffin: Genau. Ein Kartell
funktioniert sogar besser als ein Monopol, weil es den Eindruck von Wettbewerb
erzeugt. Alle großen Industrien sind heute Kartelle.
Smart Investor: Staatliche
Eingriffe, falsche Anreize, Kartellbildung – es scheint, das Thema verfolgt
uns?
Griffin: Exakt. Das ist die Natur
des Kollektivismus. Und das ist das System der Welt, in der wir heute leben.
Leute benutzen dafür auch andere Worte wie Sozialismus, Kommunismus oder
Faschismus. Diese Worte haben viele emotionale Bedeutungen. Sie alle basieren
aber auf dem gleichen Prinzip: Die Gruppe ist wichtiger als der Einzelne.
Smart Investor: Was finden die Leute
daran denn attraktiv?
Griffin: Die Attraktion besteht
darin, dass es leicht ist, den Leuten die Vorteile einer politischen Aktion
aufzuzeigen. Was daran nicht stimmt? Die Leute fragen sich nicht, von wem und
unter welchen Bedingungen das Geld dafür herkommt.
Smart Investor: Von den anderen?
Griffin: Genau, in einem solchen
System stiehlt jeder von jedem. Aber wir bemerken das nicht, weil es die Politiker
nicht so beschreiben. Deshalb verkauft es sich so gut, weil immer nur über die
Vorteile gesprochen wird, aber nie über die Kosten bzw. Konsequenzen.
Idealistische, aber naive, vor allem junge Menschen fallen darauf immer wieder
herein.
Smart Investor: Was also fehlt, ist
eine Opposition, die sich um das Individuum kümmert?
Griffin: Es gibt eine Organisation,
die ich 2002 gegründet habe: www.freedomforceinternational.org. Wir sind starke
Befürworter einer konstruktiven Opposition, und die nennt sich Individualismus.
Das Projekt ist immer noch sehr klein, aber es wächst. Wir haben heute
Mitglieder in 58 Ländern.
Smart Investor: Und Sie versuchen
das System von innen heraus zu verändern?
Griffin: Ja. Es gibt keinen anderen
Weg. Wir gründen aber keine Partei, sondern erwarten, dass unsere Mitglieder in
allen möglichen Parteien aktiv werden. Das ist wichtig, denn alle Parteien sind
heute kollektivistisch. Unser Motto: Kämpfe nicht gegen das Rathaus, sondern
werde das Rathaus!
Smart Investor: Vielen Dank für das
interessante Gespräch.
Interview: Ralph Malisch
G. Edward Griffin (1931, verheiratet)
ist ein US-amerikanischer Dokumentarfilmer und Bestseller-Autor, der
insbesondere durch seine Kritik an der US-Notenbank FED bekannt wurde. Griffin
beschäftigte sich im Laufe seiner Karriere mit vielfältigen Fragestellungen der
Gesellschaft, der politischen Strukturen und des Gesundheitswesens. Im
Mittelpunkt seines Interesses und seines Engagements steht dabei stets das
Individuum. Kollektivistischen Ideen und Volksbeglückern jeder Art hat er stets
eine Absage erteilt.
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