| Smart Investor Weekly |
13.07.2010, 17:30 |
| WM-Nachlese - Was Fußball mit Börse gemein hat
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Die WM ist abgeschlossen, Spanien hat sich gegen holländische Treter durchgesetzt und den Titel gesichert – herzlichen Glückwunsch dazu! Uns allerdings interessiert, ob wir Parallelen zwischen dem WM-Geschehen und den Börsen/Märkten ziehen können. Lesen Sie selbst, worauf wir so gestoßen sind…
Europa topp
Drei
europäische Nationalmannschaften im Halbfinale, das war deutlich. Zwei davon
waren die wirtschaftlichen
„Musterknaben“ Deutschland und Holland, lediglich der spätere Weltmeister,
Spanien, ist alles andere als ein
gutes Vorbild und seit rund zwei Jahren aus seinem Wirtschaftswundertraum
ziemlich böse abgestürzt. Allerdings sollten wir bedenken, dass die Krise in
Spanien (noch) keine Krise der Staatsfinanzen ist, sondern „nur“ eine der
völlig überschuldeten Privatleute. Gönnen wir ihnen daher die Weltmeisterschaft
und die anschließende große Sause – es dürfte für lange Zeit die letzte gewesen
sein. Ansonsten gibt das Ergebnis der WM eigentlich ein ziemlich akkurates Bild
der jeweiligen Marktsituation wieder.
Die Griechen und Portugiesen sind sang- und klanglos früh ausgeschieden,
die Iren durften erst gar nicht mitspielen – wegen grober französischer
Unsportlichkeit. Die Grande Nation war dann auch sogleich damit beschäftigt
ihren ehemals guten Ruf vollständig zu ruinieren und trat weder auf noch
außerhalb des Platzes als Team auf. Aber das hat sie mit der aktuellen
politischen Mannschaft Frankreichs gemein. Vielleicht war es jedoch auch
einfach das schlechte Gewissen, was sie zu diesen Verhalten bewog. Auf einen
Austritt Frankreichs aus dem Euroraum sollte man jetzt aber noch nicht
spekulieren…
Afrika schafft’s nie…?!
In der WM spiegelt sich auch die große Tragik Afrikas wider: selbst bei
bestem Willen und besten Vorraussetzungen, irgendwie reicht es nie, dass der
Kontinent wirklich den Aufbruch schafft. In diesem Fall war der Grund die „Hand
des Teufels“, Luis Suarez aus Uruguay. Dieser verhinderte ein verdientes
Weiterkommen der letzten verbliebenen Afrikaner aus Ghana per Hand und im
anschließenden Elfmeterschießen blieb den Ghanaern nur der undankbare Platz des
zweiten Siegers. Überhaupt die Südamerikaner: stark haben sie gespielt und gerade
das wirtschaftlich wieder erstarkte Brasilien sah 45 Minuten gegen Holland wie
der zukünftige Weltmeister aus – dann aber stieg ihnen wohl der Fußballrausch
zu Kopf. Argentinien hingegen zeigte, dass es nicht genug ist die besten
Einzelspieler in den Reihen zu haben. Sie müssen auch als Team funktionieren
und vor allem muss es einen Trainer geben, der von Taktik, Strategie und
ähnlichem eine Ahnung hat. Allein „die Hand Gottes“ zu sein langt halt nicht –
selbiges gilt auch für die Börsen, wie dutzende Beispiele jederzeit belegen. Denken
Sie nur an den Hedgefonds LTCM, der von vier Ökonomienobelpreisträgern
gemanaged und dabei so perfekt gegen die Wand gefahren wurde, dass er das
Weltfinanzsystem bereits damals beinahe mitgenommen hätte. Oder um ein anderes
Bild zu bemühen: Ein Investor, ausgestattet mit den besten Informationen und
sehr viel Kapital, wird sein Vermögen dennoch verspekulieren, wenn er an der
Börse nicht Plan und Umsicht agiert.
Sonstige Phänomene
Als
erstes wäre hier natürlich die Vuvuzela zu nennen. Jene Plastiktröte, die nun
gar nichts mit Uwe Seeler gemeinsam hat, lässt den erfahrenen Börsianer sofort
an das Rauschen des Marktes denken: wie jenes Rauschen die Anleger vom
richtigen Handeln ablenkt, so irritierte dieses Geräuschinstrument mehr als nur
einen Fußballer. Ein weiteres Phänomen war der Ball: „Julunabi“ (oder so
ähnlich) – launisch wie eine Diva oder noch besser: wie die Märkte. Mal flog er
in schnurgerader Linie auf den jeweiligen Keeper zu, nur um dann in letzter
Sekunde doch noch abzudrehen oder er entschied sich von Anfang an hin- und
herzuflattern, nur um dann doch genau dazu landen, wohin der Schütze von Anfang
an gezielt hatte. Das Ende vom Lied war jedenfalls, dass gerade die
unerfahrenen Schlussmänner wie Fliegenfänger aussahen…und welcher Anleger
(gerade die Neulinge auf dem Parkett) hat es noch nicht erlebt, wenn der Markt
mal wieder seinen eigenen Kopf hat und sich ein bombensicherer Trade in ein
Anlagegrab verwandelt?
Fernab
des ganzen Fußballtrubels darf sich Fifa-Chef Sepp Blatter, wie einst die Gnome
aus Zürich, über einen Gewinn von rund einer Milliarde Schweizer Franken
freuen, steuerfrei versteht sich. …
Am bemerkenswertesten jedoch war der Oktopus Paul: er hatte sein Fangarme ständig
in Bewegung und überall im Spiel, kannte bereits im Voraus den Ausgang der
jeweiligen Spiele und ließ sich dafür auch noch satt entlohnen – das Fußballpendant
zu Goldman & Sachs sozusagen.
Zu den Märkten
Die Sache dem
Tintenfisch sollte uns schon zu denken geben. Bei dieser WM gab es keine
einzige Fehlprognose von ihm und damit dürfte er auch die erfahrensten
Fußball-Kenner und -Kommentatoren in Sachen Treffsicherheit überholt haben. Es
genügt eben nicht, wenn man sich alle Faktoren vor Augen führt und dann einfach
nur plump die Anzahl der Argumente zusammenzählt. Märkte – und wohl auch der
Fußball – haben eine innere Logik, der
sich mit grauer Mathematik nicht beikommen lässt.
Zuletzt beispielsweise haben sich wieder einige vormals bullishe Börsianer ins
Lager der Bären geschlagen. Die Gründe dafür hatten wir im Vorfeld schon
behandelt. Einmal ein von vielen Seiten befürchteter nochmaliger
Deflationsschock und weiterhin die sich in einigen wichtigen Märkten
abzeichnenden charttechnischen Umkehrformationen (z.B. SKS beim S&P500; wir
berichteten darüber letzte Woche). Allerdings hatten wir explizit darauf
hingewiesen, dass charttechnische Durchbrüche auch sehr schnell revidiert
werden können. In diesem Falle spricht man von „falschen Durchbrüchen“, welche
ein sehr bullishes Signal darstellen. Und genau damit haben wir es vermutlich
jetzt zu tun (siehe Abb.).

Und zum Thema Deflationsschock lässt sich folgendes sagen: prinzipiell halten
wir einen solchen für möglich, wenn die Staaten (vor allem in Europa)
tatsächlich einen rigiden Sparkurs einschlagen und dabei auch bleiben werden.
Wie gesagt: möglich wäre es, aber ist es auch wahrscheinlich? Unsere Antwort
darauf kennen Sie bereits, und sie lässt sich mit drei Buchstaben umreißen:
CuB. Der von uns seit weit mehr als einem Jahr propagiert Crack-up-Boom-Theorie
fußt ja gerade darauf, dass die Regierenden nicht dem Niedergang ihrer
Volkswirtschaften tatenlos zusehen werden. Und damit forcieren sie einen
neuerlichen Boom (dieser läuft bereits), allerdings den letzten in diesem
Finanzsystem.
Wir sind gespannt wie und wann sich die zuletzt zu Bären mutierten ehemaligen
Bullen wieder meinungsmäßig drehen werden. Alleine daraus lassen sich dann
bestimmt wieder einige Schlüsse für den weiteren Ablauf des CuB ziehen.
Apropos CuB
Wir stellen immer häufiger fest, dass einige andere Börsenbriefautoren unsere
CuB-Theorie aufgreifen. Allerdings stellen wir auch fest, dass 1. nahezu keiner
davon verstanden hat, worum es wirklich geht, und dass 2. in einer unter
journalistischen Gesichtpunkten unsauberen, um nicht zu sagen unseriösen Art
zitiert wird. Aber dazu im nächsten Heft mehr. Falls Ihnen also irgendwo mal
ein solcher Schreiberling unterkommt, daher folgende zwei Bitten: 1. Geben Sie
uns bitte einen Hinweis, 2. setzen Sie bitte nicht unsere CuB-Theorie gleich
mit dem, was Sie sonst so darüber lesen. Uns ist nur ein einziger Kommentator
bekannt, der zugleich verstanden hat und auch noch richtig und ehrlich zitiert,
nämlich Martin Siegel, der hin und wieder Kolumnen zum Thema Gold verfasst.
Musterdepot
Keine Veränderungen.
Hinweis in eigener Sache
Am 1./2. Oktober 2010 findet wieder der große Kongress zur Österreichischen
Schule (GO AHEAD! business summit '10) unter Mitwirkung von Smart Investor in
Wien statt. Als Abonnent von SI können Sie zu einem vergünstigten Vorzugspreis
teilnehmen. Wer zudem noch bis 31. Juli bucht, kann auch noch einen
Frühbucherrabatt in Anspruch nehmen. Alle wichtigen Infos dazu finden Sie hier:
www.go-ahead.at/go-ahead-business-summit
Fazit
Die WM ist vorbei und hat der Bevölkerung
in allen Teilen der Welt viel Ablenkung beschert (und bestimmt auch vielen
Freude bereitet). Der CuB jedoch ist nicht vorbei – wir dürfen gespannt sein,
was passiert, wenn die Menschen langsam realisieren, was mit ihrem Geld
passiert.
Ralf Flierl, Fabian Grummes
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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan
von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.
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