Die wunderbare Welt der Metalle

Eigentlich gibt es im Periodensystem gar keinen Platz für die seltenen Erden. Ursprünglich hielt man die Stoffe allesamt für ein Element. Deshalb wurde der Großteil von ihnen als Gruppe der Lanthanoiden zusammengefasst.

Eigentlich ist die Bezeichnung „Seltene Erden“ für eine bestimmte Gruppe von Elementen irreführend. Denn zum einen sind diese nicht sonderlich selten – das seltenste, Thulium, gibt es immer noch häufiger als Gold. Zum anderen handelt es sich dabei um Metalle und nicht um Erden. Jedoch fand man zuerst die Oxide (früher als „Erden“ bezeichnet) der Metalle in seltenen Mineralien, und so erklärt sich der Name.

Zahllose Anwendungs-möglichkeiten
Insgesamt umfasst die Gruppe der seltenen Erden 17 Metalle[1]. Viele dieser Stoffe sind für die Hightech-Gesellschaft des 21. Jahrhunderts unerlässlich. Sie finden ihre Anwendung in Zielvisieren von Kriegsgerät, in Mikrowellensteuerungen, dienen als Steuerstäbe in Kernreaktoren, sorgen in unseren Handys für klaren Empfang, machen große Flachbildschirme erst möglich, und in jedem Elektroauto fahren rund 25 kg von ihnen mit. Das gilt auch für andere Metalle, die nicht zur Gruppe der seltenen Erden gehören. Allerdings fällt es schwer, sie chemisch einzugrenzen, da sie den unterschiedlichsten Gruppen von Metallen angehören. Da allerdings auch ohne Tantal, Hafnium, Indium oder Gallium viele Technologien des 21. Jahrhunderts nicht funktionieren würden und diese Metalle in rund 80% aller Industrien Anwendungen finden, wurden sie von Vermarktern „strategische Metalle“ getauft, andere sprechen auch von „Hightech-Metallen“.

Drohende Knappheit 2030?
Einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zufolge werden sich bis zum Jahr 2030 nur bei einigen wenigen Metallen massive Angebotsengpässe einstellen.[2] Zwar dürfte die Nachfrage nach beispielsweise Gallium, Indium oder Scandium deutlich steigen, teilweise um den Faktor vier und mehr. Allerdings sollte dieser gestiegenen Nachfrage durch eine Produktionssteigerung in den meisten Fällen begegnet werden können. Auch Platin (vgl. Edelmetallrubrik S. 58) oder Tantal dürften dann erheblich stärker nachgefragt werden. Jedoch gilt auch hier, dass diese Nachfrage auf dem ein oder anderen Weg befriedigt werden können wird. Eine dramatisch verschärfte Situation zeichnet sich derzeit eigentlich nur bei den seltenen Erden Neodym, Dysprosium, Terbium und Praseodym ab.


Eigentlich gibt es im Perioden-system gar keinen Platz für die Seltenen Erden.

Ursprünglich hielt man die Stoffe allesamt für ein Element. Deshalb wurde der Großteil von ihnen in der Gruppe der Lanthanoiden zusammen-gefasst.

Konzentrierte Lagerstätten
Da diese Rohstoffe immer begehrter werden, stellt es ein zunehmendes Problem dar, dass sie nicht gleichmäßig über die Interessentenländer verteilt sind, sondern nur wenige, oft sogar nur ein einziges Land der bedeutendste Produzent ist. So ist beispielsweise der Kongo der Hauptlieferant für Kobalterz. Aus diesem wird das zur Handyherstellung unerlässliche Tantal gewonnen. Entsprechend waren während der Bürgerkriegszeit die Lagerstätten heiß umkämpft und dienten zeitgleich zur weiteren Finanzierung des Krieges. Gallium wäre ein weiteres Beispiel. Hier stammen rund zwei Drittel der im Jahr 2008 produzierten 152 Tonnen aus Japan.
Besonders dramatisch gestaltet sich die Situation allerdings bei den seltenen Erden. China ist hier der unangefochtene Champion: Die Volksrepublik verfügt mit der in der inneren Mongolei liegenden Baiyun Obo Mine über die einzige momentan nennenswerte Förderstätte weltweit. 95% aller derzeit geförderten seltenen Erden stammen von dort. Insgesamt lagern mehr als 50% der globalen Reserven im Reich der Mitte. Kein Wunder, dass der visionäre Begründer des modernen Chinas, Deng Xiaoping, das Potenzial erkannte und mit dem Spruch „Der Nahe Osten hat Öl, China hat Seltene Erden“ auch klar formulierte.
(Bildquelle: Encyclopaedia Britannica)

Drohender Protektionismus
Entsprechend macht sich China auch langsam daran, sein derzeitiges Monopol an Seltenen Erden auszunutzen, bzw. sachte darauf hinzuweisen, dass es China ist, welches in diesem Markt die Preise diktieren kann. Hierin ist auch einer der Gründe zu finden, weshalb in vielen Online- und Printpublikationen in den vergangenen Monaten immer wieder das Thema Seltene Erden auf die Agenda kam. China erhöht einerseits immer wieder und mit schöner Regelmäßigkeit die Ausfuhrzölle auf die seltenen Erden, und zum anderen wurde erst kürzlich und ebenfalls zum wiederholten Mal das Maximum der erlaubten Ausfuhr gesenkt. Kein Wunder, dass Investoren genauso wie Regierungen (wenn auch aus ganz verschiedenen Gründen) sehr aufmerksam wurden und sich vor allem auf Regierungs- und Produzentenseite eine gewisse Nervosität breit machte. Allerdings sollte man hierbei die Kirche im Dorf lassen. Zu Recht wendet Roman Hinz, Geschäftsführer der Firma MetalSafe Invest Ltd. in Hamburg, ein, dass zwar die erlaubte Ausfuhrmenge sinkt, dieses Maximum aber bisher auch noch nie ausgeschöpft wurde.

Roman Hinz, Geschäftsführer Metalsafe

Niedrig und Hoch
Auch aus anderer Sicht muss die chinesische Monopolstellung relativiert werden: Denn die Seltenen Erden werden abermals in zwei Klassen unterteilt. Es wird nämlich auch von leichten und schweren Seltenen Erden gesprochen – abhängig von ihrer Atomanzahl. Die schweren Seltenen Erden beginnen mit der Atomzahl 64, auch Ytterbium (Atomzahl 39) wird dazu gezählt. Die schweren Seltenen Erden sind deutlich teurer, und es sind vor allem diese, die in Hochtechnologieprodukten ihre Anwendung finden. Und gerade den Markt der schweren Selten Erden dominiert China weit weniger stark.

Ersatzstoffe?
In dem Augenblick, in dem bestimmte Stoffe immer teurer werden oder sich der Zugriff auf sie einschränkt, wird nach Substituten gesucht. Dies ist im Falle dieser Metalle teilweise sehr schwierig. So wären beispielsweise Umwelttechnologien ohne seltene Erden deutlich teurer: Die in Windrädern enthaltenen Magneten erbrächten ohne Neodym nur ein Viertel ihrer Leistung. Entsprechend weniger Strom würden sie dann auch produzieren. Insgesamt lässt sich dieses Beispiel auf die meisten Anwendungen ausweiten. Wenn es überhaupt Ersatz für Seltene Erden bzw. strategische Metalle gibt, dann sind die Substituten deutlich ineffizienter.

Natürlich wird mit steigenden Preisen auch der Recyclingbereich immer attraktiver. Und in vielen Fällen kann dadurch auch tatsächlich ein Angebotsengpass behoben werden. So stammt beispielsweise bereits jetzt ein Großteil des in Japan produzierten Galliums aus dem Recycling. Bedauerlicherweise jedoch sind in vielen Anwendungen die Mengen an den begehrten Metallen derart gering, dass sich das Recyling entweder gar nicht lohnt oder aber erst zu deutlich höheren Preisen. Andererseits hat dies wiederum auch sein Gutes. Da die Mengen teilweise so gering sind, fallen die Preissteigerungen der Metalle kaum ins Gewicht und verteuern das Endprodukt somit kaum. Die Produzenten haben somit nicht allzu schnell das Bedürfnis, sich nach günstigerem Ersatz umzusehen, und die Preise bleiben weiter hoch.

Wie lässt sich von steigenden Preisen profitieren?
Das ist natürlich immer die Kernfrage. Seltene Erden und die strategischen Metalle werden nicht an der Börse gehandelt. Es gibt also keinen Spotmarkt, und die Preisgestaltung ist dementsprechend intransparent. Für Alexander Hofmann von der Schweizerischen Metallhandels AG ist dies jedoch nicht zwingend ein Nachteil, da in die börsennotierten Metalle oft spekulatives Geld fließt und zu enormen Preisverzerrungen, wie beispielsweise im Sommer 2008 bei Silber, führen kann. Bis vor Kurzem war es Investoren auch kaum möglich, die Metalle physisch zu erwerben. Zum einen können Seltene Erden nicht einfach so gelagert werden, da sie sehr schnell oxidieren. Im schlimmsten Fall bzw. bei den reaktionsfreudigsten Metallen kann dies bedeuten, dass sie sich innerhalb weniger Jahre buchstäblich in Luft auflösen. Eine Lagerung muss also entsprechend sorgfältig angegangen werden, bspw. indem die Stoffe unter dem Edelgas Argon gelagert werden. Zum anderen wurde der Handel immer direkt zwischen dem Produzenten und dem Verbraucher abgewickelt, so dass man als Nicht-Produzent die Metalle kaum kaufen konnte. Allerdings haben sich inzwischen mit der bereits erwähnten Hamburger Gesellschaft MetalSafe und der Schweizerischen Metallhandels AG in jüngster Zeit zwei Handelshäuser darauf spezialisiert, ihren Kunden den Kauf der Seltenen Erden bzw. weiterer Metalle zu ermöglichen. Ebenfalls könnte man Aktien von Dacha Capital erwerben. Das Unternehmen kauft Seltene Erden auf und lagert sie in London ein. Hier gilt es allerdings, die Nettovermögenswerte im Auge zu haben, damit man das Papier nicht zu teuer erwirbt.

Schwierige Aktienauswahl
Ist es zu kompliziert, die physische Ware selbst zu kaufen, kann man in der Regel auf die Produzenten zurückgreifen. Leider gestaltet sich dies im Falle der Seltenen Erden schwierig. Denn die Hauptlagerstätten befinden sich in (chinesischer) Staatshand, und es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass sie diese alsbald verlassen werden. Ansonsten sind es die großen Unternehmen wie BHP Billiton oder Rio Tinto, die die Seltenen Erden produzieren. Allerdings machen diese im Portfolio der Schwergewichte einen so geringen Anteil aus, dass auch dramatische Preisanstiege hier kaum Auswirkungen auf den Aktienkurs haben werden. Alle übrigen Unternehmen, die sich auf den Bereich der Seltenen Erden spezialisieren wollen, haben den Explorerstatus noch nicht verlassen. Und gerade die Exploration ist ein teureres und sehr riskantes Geschäft. Gerade weil die Seltenen Erden in den letzten Monaten in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt sind, gilt es hier besonders vorsichtig zu sein. Viele windige Geschäftemacher versuchen schnell etwas Geld einzusammeln, ohne auch nur über eine einzige interessante Lagerstätte zu erfügen. Meistens haben diese „Unternehmen“ klangvolle Namen und werden in einschlägigen (Internet-)Foren und Publikationen gepusht. Dennoch gibt es natürlich ein paar Werte, die man sich näher anschauen kann.

Australien holt auf
Zunächst einmal wäre da Lynas Corp. Der australische Explorer verfügt über ein fähiges Management und besitzt nach eigenen Angaben mit der westaustralischen Mount Weld eine der weltgrößten Lagerstätten für Seltene Erden. Mt. Weld verfügt nicht nur über hochgradige leichte Seltene Erden, auch Europium ist in diesem Vorkommen in ausbeutbaren Mengen vorhanden. Das Management plant die Produktion nach Malaysia auszulagern. Der Auf- und Ausbau der Anlagen ist bereits voll finanziert. Nach derzeitigem Stand plant das Unternehmen im dritten Quartal 2011 mit der Produktion zu beginnen.
Als weiterer interessanter Wert könnte sich Greenland Minerals & Energy entpuppen. Das ebenfalls in Australien beheimatete Unternehmen verfügt mit Kvanefjeld über ein viel versprechendes Uran/Seltene-Erden-Vorkommen in Grönland. Erst kürzlich wurde eine Kapitalerhöhung, an der ausschließlich institutionelle Anleger beteiligt waren, durchgeführt. Die liquiden Mittel belaufen sich auf 9 Mio. AUD. Darüber hinaus wurde dem Unternehmen eine Kreditlinie in Höhe von 15 Mio. USD von einem US-amerikanischen Finanzinstitut eingeräumt. Der Kreditrahmen soll jedoch frühestens 2011 in Anspruch genommen werden. Die bankfähige Machbarkeitsstudie wird aller Voraussicht nach 2012 abgeschlossen sein. Das einzige wirkliche Hindernis scheint im Augenblick die Betriebsgenehmigung von Seiten der Behörden zu sein. Hier wird im Laufe des Septembers eine erste Stellungnahme erwartetet.
Der dritte Australier im Bunde ist Arafura Resources. Ähnlich dem Vorkommen in Grönland scheinen auch bei der Nolans Mine, die im Northern Territory liegt, die schweren Seltenen Erden den Hauptanteil auszumachen. Im März 2010 wurde eine Kapitalerhöhung in Höhe von 19,5 Mio. AUD vorgenommen. Hier ist der Produktionsstart für das Jahr 2013 anvisiert. Interessanterweise haben sich die Chinesen sowohl von Lynas als auch von Arafura Aktienpakete gesichert. Dies zeigt, dass die Chinesen nicht willens sind, ihre marktbeherrschende Stellung in diesem Rohstoffsegment einfach so aus der Hand zu geben. Es deutet aber auch darauf hin, dass die beiden Unternehmen, vor allem Lynas, ein gewisses Potenzial besitzen.

Die kanadische Neo Material Technologies besitzt mit der Zibo Mine in China eine Lagerstätte, in der bereits Seltene Erden gefördert werden. Das Unternehmen ist allerdings mehr Verarbeiter als Produzent. Denn das Herzstück des Konzerns, der 1.300 Mitarbeiter in zehn Länder beschäftigt, ist eine Neodym-Magnetpulver-Fabrik in der nordchinesischen Hafenstadt Tianjin. Dieses Pulver wird auf Trägermaterialien gedampft – die so entstehenden Magnete sind genauso leistungsfähig wie ihre Eisenpendants, haben aber nur ein Drittel des Gewichts.
Ebenfalls in Kanada beheimatet ist die Great Western Minerals Group. Das Unternehmen exploriert Liegenschaften in den USA, Kanada und Südafrika. Daneben besitzt das Unternehmen mit Great Western Technologies Inc. in Troy (Michigan, USA) und Less Common Metals in Birkenhead (UK) zwei 100%ige Töchter, die sich auf die Verarbeitung von seltenen Metallen, insbesondere eben der seltenen Erden, spezialisiert haben

Weitere Investitionsmöglichkeiten
Da die Finanzindustrie bisher auf den Seltene-Erden-Zug noch nicht wirklich aufspringen wollte, ist das Angebot naturgemäß eher beschränkt. Der Stabilitas Gold+Special Situations hat die Seltenen Erden grundsätzlich im Fokus, auch wenn er derzeit keine entsprechenden Aktien im Portfolio hält.
Die Royal Bank of Scotland hat einen ETC (Exchange Traded Commodity) aufgelegt, der zwar keine seltenen Erden enthält, aber seltene Metalle im Allgemeinen: der Rare & Strategic Metals Basket ETC. Der Korb enthält Iridium, Rhodium und Ruthenium sowie eine Investition in Uran über die Uranium Participation Corporation. Dieses Unternehmen ist eine reine Investment-Holding, die Uranoxide und -hexafluoride kauft und lagert.

Fazit
Seltene Erden und Hightech-Metalle sind sicherlich ein Thema, das die Welt noch für längere Zeit beschäftigen wird. Für den durchschnittlichen Investor ist es jedoch nicht ganz einfach, hier geeignete Anlagemöglichkeiten zu finden. Dennoch können sowohl die Aktien als auch physische Investments eine interessante Beimischung für das Depot sein. Der Schwerpunkt eines Depots sollte hier allerdings nicht gelegt werden.

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[1] Und zwar sind dies (aufsteigend nach der chemischen Ordnungszahl): Scandium, Yttrium, Lanthan sowie die Gruppe der Lanthanoide: Cer, Praseodym, Neodym, Promethium, Samarium, Europium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Holmium, Erbium, Thulium, Ytterbium und Lutetium.

[2] Vgl. BGR: Commodity Top News Nr. 33/2009