Smart Investor Weekly 5/2010: Orwellscher Neusprech – allerorten

Während die USA das Rekordbudget mit Rekordschulden finanzieren…
Gestern präsentierte Barack Obama seinen Budgetplan für 2011. 3,8 Bio. USD wird der Haushalt umfassen und soll mit einer Neuverschuldung von geplanten 1,6 Billion zu 42% schuldenfinanziert sein. Trotzdem wird natürlich ganz kräftig „gespart“ – zum Beispiel wurde die geplante Mondladung gestrichen. Macht ja auch Sinn, schließlich lassen sich die neugedruckten Dollarscheinchen locker bis zum Mond stapeln und dann kann man selbigen ganz bequem zu Fuß besuchen. Bei der Verkündung des Haushalts sprach der US-Präsident davon, dass man den Kindern der USA keine unverantwortlich hohen Schulden aufbürden dürfe, zeitgleich aber müsse man durch die richtigen Investitionen die wirtschaftliche Zukunft erhalten. Wohl war, aber wie heißt es doch so schön? An ihren Taten werdet ihr sie erkennen. Und leider handelt der US-Präsident nicht nach seinen wohlfeilen Worten. Ob das Defizit jemals wieder unter die Billionengrenze fällt, ist mehr als zweifelhaft und auch nur unter den allergünstigsten (und extrem unwahrscheinlichen) Bedingungen denkbar. Denn das würde ja bedeuten: echtes Wirtschaftswachstum, ein echter Rückgang der Arbeitslosenzahlen und damit ein realer Anstieg der Steuereinahmen und ein realer Rückgang der staatlichen Belastungen. Aber dazu wird es wohl nicht kommen, denn reales Wirtschaftswachstum wird durch Arbeit und Sparsamkeit geschaffen, nicht durch Kredit und Konsum. Und wer glaubt, dass Wohlstand durch Rettungspakete für korrupte Bänker entsteht oder indem man inkompetente Autobauer und ihre nicht konkurrenzfähigen Autos stützt (GM &Co.), der wird vermutlich recht bald mit der harten Realität des Marktes konfrontiert. Aber wer weiß, vielleicht haben sich, seitdem man durch die Ausweitung von Kampfzonen den Friedensnobelpreis erhält, auch grundlegende ökonomische Prinzipien gewandelt.

…betätigt sich die Regierung der BRD als Hehler

Von Prinzipen, insbesondere denen der Rechtsstaatlichkeit, hat sich die deutsche Bundesregierung inzwischen wohl verabschiedet. Auch wenn in dem Blätterwald der deutschen Blabla-Mainstreammedien nach wie vor über Ankauf der „Steuerhinterzieherdatei“ aus der Schweiz diskutiert wird, dürften Angie und Wolfie die Sache intern schon längst beschlossen haben. Dass der Ankauf von gestohlenen Daten in den Bereich der Hehlerei fällt, stört dabei wenig. Schließlich ist der Deal zu gut: eine Rendite in Höhe von 4.000% – von so etwas träumt jeder Börsianer – 100 Mio. EUR für den klammen Finanzminister. Und dann darf die Regierung auch noch auf eine breite Zustimmung aus der Bevölkerung hoffen, schließlich ist „Steuergerechtigkeit“ ein Schlagwort, mit dem sich immer punkten lässt. So sieht also die neue Verbrechensbekämpfung aus: Anreize setzen Verbrechen zu begehen, selbst ebenfalls kriminell werden und dadurch andere Kriminelle fassen. Sicherlich einen vielversprechende Methode, zumindest wenn man sich auf dem Niveau einer Bananenrepublik bewegt. Rechtsstaatlichkeit allerdings sieht anders aus. Und was den lukrativen Deal betrifft: 100 Mio. EUR Einnahmen sind gerade einmal 0,1% der staatlichen Neuverschuldung für 2010 und noch viel weniger, wenn man die möglichen Ausfälle mit einberechnet, die durch die noch zu schaffende „Bad Bank“ für die Schrottpapiere der Hypo Real Estate in Höhe von 210 Mrd. EUR entstehen könnten.

Löcher in der Matrix
Diese beiden Fälle verdeutlichen, wie sehr sich in unserer Welt inzwischen die Schere zwischen dem, was wahr ist, und dem, was von den Regierungen allerorts verkündet wird, geöffnet hat. Es sind auch nur zwei von unendlichen Beispielen dafür, wie Ablenkungsmanöver greifen, wie Dinge vertuscht und wie die Wahrheit kaschiert wird. Allerdings wird diese „Matrix“ in zunehmendem Maße löchrig. Und da wir nicht immer nur kritisieren wollen, sondern auch aktiv etwas verändern wollen, befasst sich das aktuelle Heft (2/2010) sehr intensiv mit diesem Phänomen. Im Mittelpunkt steht hierbei Ron Paul. Der US-Politiker kämpft seit Jahrzehnten auf bewundernswerte Weise für die Freiheit und die Vernunft. Nicht zu letzt dank seiner Prinzipientreue und Standhaftigkeit hat er in den USA (aber nicht nur dort) eine äußerst engagierte Grasswurzelbewegung angestoßen. Zusätzlich zu dem Leitartikel der Februarausgabe bietet Smart Investor auf seiner Homepage eine Linksammlung (https://www.smartinvestor.de/ronpaul/) mit weiterführenden Informationen über diesen außergewöhnlichen Mann an.

Zu den Märkten und zum Musterdepot
Es ist schon sehr interessant festzustellen, wie der jüngste Rückgang an den Börsen schon wieder für sehr viel Unsicherheit unter den Anlegern gesorgt hat. Prinzipiell bestätigt uns das in unserer Markteinschätzung. Nämlich dass die aktuelle Korrektur erstens nicht mehr sehr weit nach unten führen und zweitens nicht mehr sehr lang dauern wird. Entsprechend Abb. 1 im aktuellen Heft auf S. 53 gehen wir noch von etwa 4 bis 6 labilen Wochen aus bevor der Crack-up-Boom (mehr hierzu unter: www.smartinvestor.de/cub) in die nächste Runde geht. Das DAX-Short-Zertifikat (WKN: CG0 21U) bleibt weiter im Depot, allerdings kann es nun jede Woche zum Glattstellen kommen.

Der Euro ist auf seinem Rutsch (gg. USD) mittlerweile in charttechnisches Terrain eingedrungen, welches ganz klare Widerstände vermuten lässt. Es würde uns daher nicht wundern, wenn der Euro hier seinen Verfall erst einmal stoppen und zu einer Gegenbewegung ansetzen wird (Abb. 1). Mit unserem Euro-Short-Zertifikat (WKN: TB7 N6H) liegen wir bisher sehr gut, haben wir es doch in der Nähe des Euro-Hochs erworben. Wären wir eher trading-mäßig angehaucht, so würden wir diese Position aufgrund der von uns erwarteten Gegenbewegung vermutlich nun glattstellen. Allerdings sehen wir unter längerfristigen Gesichtspunkten die Euro-Schwäche noch nicht beendet, weshalb wir das Zertifikat weiter im Depot belassen.

Den aktuellen Stand unseres Musterdepots samt der Entwicklung der einzelnen Titel entnehmen Sie bitte dem Heft auf S. 73. Wie Sie dort sehen können, haben wir den DAX in den ersten drei Wochen des Jahres schon wieder um mehr als 5 Prozentpunkte outperformt. Dies ist vor allem auch unseren „Stabilisatoren“ aus dem Derivate-Bereich zu verdanken. Wie Sie aber auch weiter ersehen können, ist unsere Cash-Quote mit 31% durchaus recht hoch. Entsprechend unserer Ankündigung, diese in den ersten Wochen des neuen Jahres reduzieren zu wollen, werden wir heute den ersten Titel in 2010 aufnehmen bzw. seine Aufnahme ankündigen. Wir legen ab dem morgigen Mittwoch ein Kauflimit bei 56,10 EUR für 250 Stück der Fielmann-Aktie (WKN: 577220; akt. Kurs.: 57,00 EUR) – dies entspricht einem Depotanteil von rund 5%. Fielmann ist sowohl ein eigentümergeführtes Unternehmen als auch ein Konsumtitel, und wird daher in den Artikeln auf S. 8 und 10 im aktuellen Heft beschrieben. Die Aktie ist vor wenigen Tagen auf ein neues Allzeithoch ausgebrochen, was uns folgendes sagt: Diese Aktie bzw. das Unternehmen dahinter ist kerngesund und zeigt relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt.

Fazit
Der letzte Kursrutsch an den Börsen mag bedrohlich wirken. Ganz so schlimm sehen wir ihn aber nicht. Wir denken, dass die vehementen Eingriffe des Staates schon bald für eine Fortsetzung des CuB sorgen werden. Dass der Wahn- und Irrsinn, der in der Politik feststellbar ist, dabei immer mehr zunehmen wird, versteht sich dabei von selbst. Der Staat wird sich immer mehr zum Totengräber der freien Märkte machen. Und am Schluss dürfte ein System stehen, welches dem von George Orwell in seinem berühmten Roman „1984“ beschriebenen Szenario nicht mehr sehr unähnlich sein dürfte. Das Stichwort hierzu lautet „Matrix“. Mehr dazu im Heft.


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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.