Smart Investor Weekly 6/2010: Anreize – was die Politik noch nie verstand

Ein schlechtes Beispiel macht Schule
Auch europäische Nachbarländer sind inzwischen an den Datensätzen interessiert. Es ist schon auffällig wie schnell ein schlechtes Beispiel Schule macht und das Unrechtsbewusstsein in sogenannten Rechtsstaaten erodiert. Aber wer sich mit der Anreizsystematik der Österreichischen Schule auseinandergesetzt hat, der findet dies keineswegs erstaunlich. Er findet es ebenfalls nicht erstaunlich, dass nun immer mehr Datensätze zum Kauf angeboten werden. Verbrechen lohnt sich eben plötzlich – für 2,5 Mio. EUR muss eine alte Oma ziemlich lange stricken. Da ist es doch viel attraktiver, schnell mal seinen Arbeitgeber zu bestehlen und Vertrauenspositionen auszunutzen. Es ist ein ähnliches Prinzip, welches die Banken, die nun bei jeder sich bietenden Gelegenheit ausgebuht werden, dazu verleitet hat, ihre Risiken ins Unermessliche aufzublähen. Die Finanzinstitute wussten, dass sie im Zweifelsfall gerettet werden würden, entsprechend verhielten sie sich. Genauso wie der potentielle Datendieb, der nun weiß, er wird für sein Verbrechen nicht bestraft, sondern belohnt. Nicht dass wir uns hier falsch verstehen: Steuerhinterziehung ist ein Verbrechen, aber Kriminalität mit Kriminalität bekämpfen zu wollen, mag ja Otto Normalbürger vernünftig erscheinen – dem Rechtsstaat kann es dauerhaft nur schaden.
Dass dieses System grundsätzlich nicht verstanden wird, belegen so ziemlich alle politischen Ereignisse der jüngeren Zeit: sei es die Rettung Griechenlands, die doch jeden zukünftigen EU- und/oder Euro-Beitrittskandidaten dazu ermutigen muss, seine Statistiken so dreist wie möglich zu fälschen oder die politische Weichenstellung der „A-Home-of-your-own“-Gesetzgebung in den USA, die dann doch erst zu der eigentlich Immobilenkrise führte. Natürlich ist die Idee schön, dass jeder sein Eigenheim besitzen solle, aber er muss es sich erst leisten können…

Wolfgang Schäuble hat immerhin Erfahrung
Interessant ist aber auch zu sehen was dann passiert, wenn die Weichenstellung im Sinne der Anreize in eine katastrophale Richtung führt. Dann zerrt man – allen voran die Massenmedien und die politische Klasse – nämlich plötzlich eine Gruppe, die schnell als die Schuldigen ausgemacht wurden, am Nasenring durch die Arena und Volkes Zorn kann sich an dieser abreagieren. Heute sind es die „Reichen“, gestern waren es die Manager und die Banker. Wer mag es wohl morgen sein? Einer sicherlich nicht: der Finanzminister (und mit ihm der Rest der Regierung), der sich nun als Hehler betätigt. Denn die Folgen dieser verfehlten Anreizpolitik werden andere erst sehr viel später ausbaden müssen – im Zweifelsfall die Bürger, wenn der Staat immer weniger Rücksicht auf die eigenen Gesetzte nimmt
Dass sich allerdings gerade Wolfgang Schäuble nun als der große Geldzurückholer und Kämpfer gegen das Schwarzgeld geriert, entbehrt sicherlich nicht einer gewissen Ironie. Schließlich war er es, der in den neunziger Jahren von dem Waffenhändler Karlheinz Schreiber 100.000 DM annahm, die dann über Umwege auf den Schwarzgeldkonten der CDU landeten.

Zu den Märkten
Man hört immer öfters, dass viele Marktteilnehmer den Börsen für 2010 nicht mehr viel zutrauen. Und in der Tat: die steilen Aufwärtstrends der letzten 12 Monate sind mehrheitlich gebrochen worden. Charttechnisch ist die Lage als durchaus labil zu bezeichnen. Allerdings läuft die Entwicklung an den Börsen bislang nahezu exakt so wie von uns in unserem Kapitalmarktsausblick prognostiziert, weshalb wir uns auch die die damals angedeutete Vorgehensweise halten werden. Und das bedeutet: wir werden versuchen, in die Schwäche des ersten Quartals hinein sukzessive unseren Investitionsgrad auszubauen, wenn möglich auf 100%, oder gar etwas mehr (in dem Falle, dass wir mit Derivaten etwas hebeln).

Das weitere Abwärtspotential des DAX schätzen wir auf etwa 5 bis 15% in den kommenden Wochen ein. Sollten wir mit dieser Annahme recht behalten, so könnte diese Entwicklung auch recht schnell von statten gehen, weshalb wir uns mit Kauflimits positionieren wollen. Dabei werden wir diese recht unterschiedlich hinsichtlich der Aggressivität gestalten, gemeint ist: unterschiedlich weit weg vom aktuellen Kurs. Wir gehen an dieser Stelle explizit nicht auf die jeweiligen Firmen ein. Hierzu finden Sie im Heft 1/2010 auf S. 68 unsere Watchlist, in welcher Sie auch den Hinweis finden, in welchem Heft wir zuletzt darüber berichtet hatten.

Noch ein Hinweis:
Diese Empfehlungen sind für Abonnenten des Magazins gedacht. Nur diese können via Heft regelmäßig unsere Einschätzungen zu diesen Werten nachlesen. Nur-Weekly-Lesern müssen wir daher dringend davon abraten, diese Titel zu erwerben.
Immer wieder geben Abonnenten ihren Unmut darüber zum Ausdruck, dass jeder Online-Leser (der kein Abonnent ist) unser Musterdepot nachvollziehen könnte. Wir können diesen Unmut verstehen und weisen schon einmal darauf hin, dass sich im Zuge eines baldigen Homepage-Relaunches einiges ändern wird. Denn zukünftig ist geplant, die Aktienbesprechungen für das Musterdepot nur noch ein einem Passwort-geschützten Bereich (erhalten nur die Heft-Bezieher) vorzunehmen.

Die Kauflimits
Kauflimit für 40.000 Stück Indofood (891724) bei 0,24 EUR (akt.: 0,266 EUR)
Kauflimit für 400 Stück BayWa (519400) bei 26,40 EUR (akt.: 28,50 EUR)
Kauflimit für 250 Stück Fielmann (577220) bei 56,50 EUR (akt.: 57,40 EUR),

unser letzte Woche aufgegebenes Limit für Fielmann wurde um ganze 5 Cent verfehlt, Wir setzten es damit um 0,40 EUR nach oben.

Kauflimit für 400 Stück Vale (A0RN7M) bei 17,60 EUR (akt.: 18,16 EUR)
Kauflimit für 600 Stück Grifols (A0B6Z3) bei 10,20 EUR (akt.: 10,40 EUR)
Kauflimit für 500 Stück CTS Eventim (547030) bei 26,40 EUR (akt.: 28,50 EUR)

Alle Limits gelten ab dem morgigen Mittwoch. Unser Musterdepot umfasst derzeit knapp 300.000 EUR. Wer diese Käufe nachbilden will, sollte dies entsprechend verhältnismäßig zu seiner eigenen Depotgröße tun. Die Depotanteile unserer potenziellen Käufe liegen zwischen 2 und 4%.

Unser DAX-Short-Zertifikat (2.000 Stück) mit der Kennummer CG021U stellen wir mit einem Limit von 9,60 EUR zum Verkauf (entspricht etwa einem DAX von 5.350 Punkten). Unser Short-Zertifikat auf den Euro (TB7N6H) stellen wir zur morgigen Eröffnung um 9.00 Uhr glatt. Nachdem der Euro seit unserer letzten Erwähnung vor einer Woche einen weiteren Rutsch gemacht hat (entgegen unserer kurzfristigen Annahme) und damit unser Gewinn auf dieser Position weiter angestiegen ist, haben wir uns aufgrund charttechnischer Umstände entschlossen, nun doch auszusteigen.

Fazit

Die Anreizsetzung unserer Politik läuft schon seit geraumer Zeit völlig falsch. Man denke hierbei nur an die unsägliche Diskussion um die Mehrwertsteuer für Hotels. Der Datenkauf und das medienwirksame Brimborium, das nun darum gemacht wird, führen uns zwangsläufig immer mehr in Richtung eines Denunziantentums und eines unrechtmäßig agierenden Staates. Dass das nicht der richtige Weg sein kann, versteht sich von selbst. Leider wird er vermutlich dennoch von unseren Politikern weiter beschritten werden.


Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte:
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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.