Smart Investor Weekly 12/2011: Über weißen und schwarzen Rauch – Japan, Libyen, Brüssel

Im Zeichen der Katastrophe
Was sich in Japan abspielt, ist traurig und erschreckend. Welches Ausmaß die Katastrophe am Ende erreichen wird, lässt sich gegenwärtig kaum sagen. Nicht zuletzt, weil die Öffentlichkeit immer nur häppchenweise mit Informationen versorgt wird. Diese erhält sie scheinbar auch nur dann, wenn es sich ohnehin nicht mehr verheimlichen lässt. Ob eine Kernschmelze nicht vielleicht doch eingesetzt hat, werden die betroffenen Menschen erst viel später, wenn überhaupt, erfahren. Das Erdbeben und der darauffolgende Tsunami waren sicherlich nicht von Menschenhand gemacht, aber hätte nicht mit ihnen gerechnet werden müssen? Ist das Verhalten von Tepco, dem Kraftwerksbetreiber, nicht ähnlich dem der US-Banken, die glaubten, dass Menschen ohne Arbeitsplatz, ohne Einkommen und ohne Vermögen gute Schuldner seien? Schließlich baute Tepco einen Kernkraftwerkskomplex von sechs Reaktoren an einer Tsunami-gefährdeten Stelle. Und gab es nicht immer wieder Berichte über mangelnde Sicherheitsstandards? Erst nach dem Unglück verwies die japanische Atombehörde darauf, dass Tepco wohl in 33 Fällen die Sicherheitsuntersuchungen gefälscht habe. Wie im Falle der „Subprimekrise“ wird auch in Japan am Ende die Allgemeinheit für die Fehler einiger weniger bezahlen müssen. Auch wenn die Bilder aus japan erschreckend und verstörrend sind und wir jedes Mitgefühl mit den Opfern haben, so gilt es doch gerade jetzt kühlen Kopf zu bewahren. Aus unserer Sicht jedoch wird durch die Katastrophen in Japan der Crack-up-Boom (CuB) nicht aufgehalten werden. Wenn überhaupt, dann wird er verzögert, um dann allerdings umso heftiger zurückzukommen. Die Bank von Japan wird schließlich alles tun, um die ökonomischen so wie finanziellen Folgen aufzufangen. Und dies bedeutet mehr und noch mehr Liquidität bereitstellen. Treibstoff also für den CuB.

Wüste Gewalt

In Nordafrika zeigt sich hingegen als Begleiterscheinung die Fratze der willkürlichen Gewalt. Wir wollen hier nicht missverstanden werden: Gaddafi ist sicherlich ein grausamer Diktator, der sein Volk (so man bei den nordarabischen Stämmen überhaupt von einem Volk sprechen kann) auf übelste Art und Weise ausplündert, unterdrückt und missbraucht (auch wenn die Libyer den höchsten Lebensstandard aller Afrikaner besaßen). Nur: Das tun all die anderen Diktatoren im dortigen Raum ebenfalls. Warum wird die leidende Bevölkerung im Jemen nicht unterstützt? Warum greift niemand in Syrien ein? Warum wird die völkerrechtswidrige Besetzung Bahrains durch die grausamsten aller nordafrikanischen/arabischen Despoten, der wahhabitischen Saud-Familie, nicht ebenfalls mittels Waffengewalt zurückgeschlagen? Und befreit irgendwer die armen Saudis selbst, die dank dieser kriminellen, korrupten und intoleranten Herrscherclique nach wie vor im Mittelalter leben müssen? Die Antwort hierauf ist denkbar einfach: Es geht keineswegs um die Freiheit der jeweiligen Bevölkerung, sondern vielmehr um das schwarze Gold: Erdöl. Syrien und der Jemen haben keines, also sind sie uninteressant. Saudi-Arabien und Bahrain stehen auf der Seite des Westens, also werden die dortigen Regime toleriert. Da rund 85% des libyschen Erdöls nach Europa verkauft werden, ist es verständlich, dass es besonders die Europäer sind, die sich in dem Konflikt engagieren. Außerdem war es in der Geschichte oft genug so, dass Regierungen von innenpolitischen Problemen mittels eines außenpolitischen Konflikts abzulenken suchten. Insofern ist leicht nachzuvollziehen, weshalb es gerade der Brite Cameron und der Möchtegern-Napoleon Sarkozy sind, die sich als besonders kriegslüstern gebärden. Angesichts von wenigstens 120 Mio. USD pro Kriegstag ist es jedoch schon erstaunlich, dass ausgerechnet diese beiden Bankrotteure so heftig die (Kriegs-)trommel rührten. Aber wer eine Notenpresse sein Eigen nennt, der muss sich um so etwas wie ein Haushaltsdefizit nicht sorgen.

Grenzenlose Liquidität

„Aber Moment!“ werden Sie sagen: Freund Sarkozy besitzt doch gar keine Notenpresse mehr, schließlich haben alle Mitglieder der Eurozone ihre finanzpolitische Souveränität abgegeben. Stimmt, aber dafür gibt es im Euroraum etwas noch besseres und damit wären wir in Brüssel. Dort nämlich wurde kürzlich (wieder einmal) der Rettungsschirm ausgeweitet. 620 Mrd. EUR an jederzeit abrufbarem Kapital stehen nun bereit, um klammen Europäern auszuhelfen. Moment! Jederzeit abrufbares Kapital? Bisher waren das doch immer nur Garantien…genau, aber einfach Kapital via einem Anlagevehikel (!) – darum handelt es sich laut Brüssel bei diesem Fonds nämlich – bereitzustellen, ist doch viel besser. Damit ist jedenfalls die Transferunion endgültig Wirklichkeit geworden. In Zukunft wird also jeder bankrotte Staat der Eurozone darauf vertrauen dürfen, dass er frisches Geld aus dem Rettungsfonds erhält. Warum also sich noch groß um so etwas wie ein ausgeglichenes Budget kümmern? Der Sparsame und ordentlich Wirtschaftende würde sich ja damit einem nicht geringen Nachteil aussetzen. Denn zum einen schöpfen seine Nachbarn aus dem Vollen, während er sich freiwillig einschränkt und zum anderen muss er ja – gerade weil er noch solvent ist – den Rettungsfonds finanzieren. Womit auch klar sein dürfte, wer in diesem Fall dafür gerade steht. Richtig – wir! Die dämlichen Deutschen. Kein Wunder also, dass Herr Sarkozy aus Freude hierüber das Bedürfnis hatte, ein richtiges „Feuerwerk“ zu entzünden. Und damit zu den Märkten.

Märkte
Wir denken, dass es sich bei den derzeitigen Marktbewegungen nur um eine scharfe Korrektur im Bullenmarkt handelt. Wir werden zwar nicht unbedingt in den nächsten Wochen neue Hochs sehen, die jüngsten Tiefs sollten aber auch nicht mehr unterboten werden.

Wir haben mit unserem Crack-up-Boom-Szenario einen klaren Standpunkt bezogen. Gerade deshalb muss es uns auch gestattet sein, diesen immer wieder zu überprüfen und gegebenenfalls auch zu korrigieren. Dafür aber bedarf es ein bisschen Zeit. Deshalb haben wir uns im aktuellen Heft (Ausgabe 4/2011) auch nicht ausführlich zu Japan geäußert, sondern uns mit dem Thema Metalle auseinander gesetzt. Das Erdbeben fand am Tag des Redaktionsschlusses statt.

Charttechnisch sieht es derzeit nicht nach einem Trendwechsel aus. Auch in unserem breitaufgestellten Musterdepot sind die Charts der Unternehmen intakt. Insofern sehen wir uns in unserer Einschätzung bestätigt und bleiben wir unserem CuB-Szenario nach wie vor treu.

Musterdepot

Bereits im letzten Weekly hatten wir ja angekündigt, uns von Süss Microtech (WKN: 722670) sowie Panoramic (WKN: A0Q29H) trennen zu wollen. Außerdem werden wir den Uranexplorer Strateco (WKN: A0CAKR) verkaufen. Nicht weil wir plötzlich festgestellt hätten, dass Uran-Investments unmoralisch sind oder weil wir glauben, dass die Welt in Zukunft an Uran keinen Bedarf hat. Vielmehr benötigt ein Explorer Phantasie und die scheint uns im Augenblick im Uran-Sektor nicht vorhanden. Wir werden aber keinen der Werte billigst abgeben, sondern wir verkaufen nur mit strengem Limit:

Panaramic WKN: A0Q29H Limit: 1,65 EUR
Strateco WKN: 722670 Limit: 0,58 EUR
Süss Microtech WKN: A0CAKR Limit: 11,65 EUR

Darüber hinaus hatten wir in der vergangen Weeklyausgabe (11/2011) zwei Kauflimits ausgegeben, und zwar für QSC (WKN: 513700) und Schaltbau (WKN: 717030). Die Kauforder für QSC stornieren wir, das Kauflimit für Schaltbau hingegen ziehen wir auf 59 EUR nach, da wir hoffen hier doch noch zum Zuge zu kommen. Somit würden wir hier ungefähr 2,8% des Depotvolumens investieren.

Schaltbau (WKN: 717030) Limit: 59,00 EUR Depotvolumen: 2,8%

Im vergangen Weekly hatten wir vergessen die WKNs sowie das Depotvolumen anzugeben. Wir bitten diesen Fauxpas zu entschuldigen.

Österreicher in Hamburg

Am 14. un

d 15. Mai 2011 findet das Marc-Banco Anlegerseminar „Die System-Krise als Chance“ in Hamburg statt. Vortragende werden unter anderem sein: der bekannte Euro-Kritiker Prof. Wilhelm Hankel, der Goldexperte Dr. Bruno Bandulet und der Anlagestratege Philipp Vorndran der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch. Leser des Smart Investor können zu einem ermäßigten Preis an der Veranstaltung teilnehmen.

Rückblick: Die „Invest“
Wie im vergangen Jahr auch waren wir mit einer großen Mannschaft (zumindest am Freitag und Samstag) vor Ort. Wir haben uns sehr über die zahlreichen Besuche unserer Leser gefreut und noch mehr natürlich über das nahezu ausschließlich positive Feedback. Auch unser Metall-Symposium mit Hunter Dickinson war ein voller Erfolg. Die Vorträge waren sehr gut besucht. Im Anschluss kam es zu ausgiebigen Fragenrunden und Diskussionen, die auch für uns sehr anregend und bereichernd waren.

Fazit

Der Bullenmarkt ist noch lange nicht an sein Ende gelangt. Mehr Liquidität und damit auch mehr Schulden werden die Preise für Aktien (und alle übrigen Sachwerte) immer weiter treiben. Wir werden allerdings immer wachsam bleiben und, sollte sich unsere allgemeine Markteinschätzung ändern, dies auch kundtun. Dazu besteht derzeit aber kein Grund.

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Eine mit “*“ gekennzeichnete Aktie wird zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag