Smart Investor Weekly 8/2011: Jahrmarkt der Eitelkeiten

Immerhin hat er eine der wenigen Doktorarbeiten geschrieben, die sogar außerhalb des Wissenschaftsbetriebs intensiv studiert werden. Dass er auf diese Weise seine besonders eifrigen Gegner nötigt, sich mit seinen Thesen auseinanderzusetzen, ist ein raffinierter Schachzug.

Plagiatsjäger

Doch Spaß beiseite, genau das ist der Hebel: Sind es wirklich seine Thesen?! Unter http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki hat sich im Internet innerhalb kürzester Zeit eine emsige Gemeinschaft von Plagiatsjägern versammelt, die ehrenamtlich ein Werk sezieren, das sie unter normalen Umständen kaum in die Hand genommen oder bekommen hätten. So richtig die Aufklärung in der Sache ist, wichtig ist sie nicht. Denn wenn wir oben vom Hebel sprachen, dann gibt es natürlich auch einen Grund, warum dieser Hebel mit der wohlbekannten Scheinheiligkeit der moralisch Empörten angesetzt wird:

Feuer frei!

Es ist die Person zu Guttenberg selbst: Charismatisch, eloquent, charmant und zu allem Überfluss auch noch jung und reich. Ein Mann, der wie ein Mann aussieht, verheiratet mit einer Frau, die wie eine Frau aussieht und wohlgeratene Kinder haben sie auch noch. Während all das vollkommen quer zum Zeitgeist liegt, wirkte es bei „K.T.“ nicht einmal antiquiert. Im Gegenteil: Kaum, von wem auch immer, auf die politische Bühne katapultiert, setzte sich zu Guttenberg souverän an die Spitze der Beliebtheitsskala deutscher Politiker – was angesichts der Alternativen allerdings auch nicht so schwer war. Das war für den politisch korrekten, gendergemainstreamten deutschen Neo- und Ökosozialismus jedoch zu viel des Guten. Neben denen, die „die Guttenbergs“ zu den neuen Kennedys hochschrieben, gab es auch ein Heer verkniffener Neider – bei weitem nicht nur beim politischen Gegner. Selbst das Sendeformat seiner Frau wurde genutzt, um Munition zu sammeln, gemeint war immer „K.T.“ selbst.

„A Hund is a scho“

Nun soll zu Guttenberg hier in der Sache nicht reingewaschen aber auch nicht vorverurteilt werden. Und es soll bitte auch nicht so getan werden, als sei Politik ansonsten eine Versammlung von Heiligen. Wer „K.T.“ schon mal gesehen oder gar live eine seiner Reden gehört hat, dem war sofort klar, dass er fast schon zwangsläufig einmal Kanzler werden müsste, falls er nicht vorher zu Fall gebracht würde oder durch eigene Fehler stolperte. Jetzt ist also der Ernstfall eingetreten und je nach Umfrageinstitut und Auftraggeber nimmt das Wahlvolk das entweder mäßig übel oder ziemlich gelassen. Eindeutig ist der Befund bislang jedenfalls nicht. Er scheint aber zu bestätigen, dass die Menschen Politikern einiges an Tricksereien zumindest solange augenzwinkernd durchgehen lassen, solange sie dadurch nicht selbst negativ betroffen sind – „A Hund is a scho, da Gutti“.

Die Dr.KTzG-Aktie

Analysieren wir spaßeshalber die Dr.KTzG-Aktie (vgl. Chart) einmal mit dem Instrumentarium der Technischen Analyse, dann ergibt sich folgendes Bild:
Bis zur Plagiatsaffäre war es die Aktie mit der größten relativen Stärke unter allen Politiker-Papieren. Sie befand sich unangefochten an der Spitze und konnte nicht einmal durch die Baisse der schwarz-gelben Partei-Indizes in Mitleidenschaft gezogen werden. Aufgrund der Affäre kam es dann aber zu einem deutlichen Rückschlag, ein Sturz ins Bodenlose war das allerdings nicht. Der gestrige Spin-off der verlustreichen Dr.-Einheit könnte die Verhältnisse klären und der KTzG-Aktie zu neuem Auftrieb verhelfen – zumal sie sich noch immer unter den relativ stärksten Titeln befindet, also eine „Buy-on-Dip“-Chance in einem etablierten Aufwärtstrend darstellen könnte. Neue Höchstkurse (Kanzlerschaft) sind nicht ausgeschlossen, allerdings sollte man einen Stopp-Loss knapp unter das aktuelle Niveau legen, falls sich die Affäre ausweitet.

Aktienmarkt

Durch die sich ausweitenden Unruhen in Nordafrika und der arabischen Welt, geriet der heimische Aktienmarkt unter Druck. Sorge macht vor allem die Lage in Libyen, das einer der wichtigsten Erdöllieferanten gerade auch für Deutschland ist. Die Lage dort ist aktuell unübersichtlich, da nur wenige Nachrichten aus dem Land herauskommen. Der bizarre Herrscher Gaddafi hat offenbar sogar die Luftwaffe gegen Demonstranten eingesetzt. Nach Spekulationen des britischen Außenministers William Hague soll Gaddafi bereits auf der Flucht nach Venezuela sein. Stimmt das, wäre Venezuela bald das Land mit der höchsten Diktatorendichte pro Einwohner. Hätte sich der stets phantasievoll gekleidete Exzentriker in der Vergangenheit nicht gar so garstig gegenüber der Schweiz verhalten, hätte er heute keinen so weiten Weg ins Exil.
Für den Crack-up-Boom sind derartige Marktschwankungen allerdings von untergeordneter Bedeutung, da ein ölpreisinduzierter, also exogener Preisauftrieb den Notenbanken noch weniger Spielraum einräumt als ein hausgemachter. Alles was durch eine Straffung der Geldpolitik erreicht würde, wäre eine Schwächung des Wachstums.

Ausgabe 3/2011 „Discount-Zinsen“

In Smart Investor Ausgabe 3 beschäftigen wir uns mit den Zinsen und gehen der provokativen Frage nach, ob die Discount-Zinsen der vergangenen Jahre nur angezählt oder schon K.O. sind. Ferner werden wir auch die verschiedenen Anleihegattungen einer eingehenderen Betrachtung unterziehen. Schon jetzt darf verraten werden, dass es hier durchaus interessante Nischen gibt, während sich Sicherheit nicht unbedingt dort findet, wo die Mehrheit sie vermutet. Außerdem finden Sie in der neuen Ausgabe zwei kostenlose Eintrittskarten für die größte deutsche Anlegermesse „Invest“ in Stuttgart. Smart Investor ist dort mit einem Stand vertreten. Wir würden uns freuen, Sie entweder an unserem Stand oder aber auf unserem dortigen Symposium zum Thema Metalle am Samstag, den 19.03.2011, um 14:00 im Raum C7.1. begrüßen zu dürfen.

Hinweis in eigener Sache

Am 18. und 19. März 2011 findet im Holiday Inn in München-Unterhaching der 1. Perspektive-Zukunftskongreß 2011 statt. Unter dem Motto aktiv in die Zukunft werden mögliche Szenarien und die bestmögliche Vorbereitung auf selbige vorgestellt und diskutiert. Neben Smart Investor Chefredakteur Ralf Flierl spricht unter anderem Jürgen Spahl, parteiloser Bürgermeister von Rednitzhembach, einer der wenigen schuldenfreien Gemeinden Deutschlands. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit jeweils einen Einzeltag zu buchen.

Fazit

Ein vehementer Sturz aus dem Nichts wie gestern beim DAX kann schon mal einfach so passieren. Das kann sogar in den besten Familien vorkommen, wie eben bei den zu Guttenbergs. Allerdings sind Trends in der Regel sehr viel zäher und langlebiger als sich dies die meisten Menschen vorstellen können. Während wir bei K.T. jedoch nicht unbedingt auf seine weitere politisches Zukunft wetten würden, fällt uns dies für die Börse einfach: Der Bullenmarkt bei den Aktien ist noch lange nicht zu Ende!

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag