Smart Investor Weekly 19/2011: Oh Schreck! – Die Griechen wollen weg!?

Ein möglicher Austritt?
Bevor nun alle Stammtische der Geberländer sich jubelnd in den Armen liegen und ob dem Ausschneiden der „verlotterten“ Griechen Triumphgesänge anstimmen, sei schnell auf die Euphorie-Bremse getreten: Ein Austritt Griechenlands aus dem Euroraum? Vergessen Sie es! Der Euro ist schließlich ebenso alternativlos wie die Rettung einzelner Mitgliedsstaaten. Weder wird es (vorläufig zumindest) einen Schuldenschnitt geben noch werden die Griechen aus dem Euroraum ausscheiden. Vielmehr weiß die griechische Regierung die europäische Klaviatur zu spielen. Hier ein bißchen drohen, dort sich ein bisschen zieren, ansonsten mit leeren Worthülsen guten Willen behaupten (gerne helfen auch die Kumpels bei Goldman dabei, die Zahlen schön zu frisieren) und schwuppdiwupp fließt neues Geld zum Olymp hinauf – im jüngsten Fall immerhin rund 60 Mrd. EUR. Dies ist laut Reuters das Ergebnis des jüngsten Geheimtreffens der Eurogruppe am vergangenen Freitag unter dem Vorsitz des Obereuropäers Jean-Claude Juncker. Aber mehr zu dem Thema lesen Sie im kommenden Heft…

…apropos Lesen
Da ist uns doch im letzten Weekly ein kleiner Buchstabenfehler mit großer Wirkung unterlaufen: Statt über die tatsächliche (oder vielleicht doch nur inszenierte?) Tötung Osama bin Ladens, schrieben wir im Absatz „The sky is the limit“ über den Tod des US-Präsidenten Obamas. Jedoch passieren solche Fehler auch anderen, was unser Gewissen zumindest ein bisschen beruhigt (gefunden bei Rott & Meyer):

Allerdings könnte man bei nochmaligem Lesen auf den Gedanken kommen, dass Regierungssprecher Steffen Seibert gar kein Fehler, sondern nur eine „Freud’sche“ Fehlleistung unterlief. Denn inhaltlich ist der Satz ja durchaus richtig. Die Kriege der USA kosten (hundert)tausende Menschen das Leben, auch wenn sie vielleicht nicht primär von dem Friedensnobelpreisträger angezettelt wurden, sondern von seinen Vorgängern. Und irgendwie ist es auch nicht ganz „koscher“ zu behaupten, dass eine Seebestattung die islamisch korrekte Version ist, eine Leiche zu „entsorgen“. Aber wie dem auch sei, nachdem nun der Emmanuel Goldstein der USA hoch offiziell getötet wurde, stellt sich eine spannende Frage: Wer nimmt seinen Platz ein? Pakistan böte sich natürlich an, schließlich war es dieser enge Verbündete, der dem bösen Bomberbuben Unterschlupf gewährte. Außerdem stehen die amerikanischen Truppen in Afghanistan schon im wahrsten Sinne des Wortes Gewehr bei Fuß. Wer hier nun Verschwörungstheorien wittert, dem sei gesagt, die einzig offensichtlichen Verschwörungen sind in der Regel die offiziellen Versionen bestimmter Ereignisse. Diese lassen sich meistens falsifizieren – wie die tatsächlichen Abläufe gewesen sein könnten, ist Spekulation anhand mehr oder weniger aussagekräftiger Indizien.

Noch mehr Manipulation
Übrigens werden nicht nur Informationen manipuliert. Auch die Märkte trifft es immer wieder. Gerade die Edelmetallmärkte sind ein beliebtes Ziel. Darüber haben wir schon häufiger geschrieben und in der kommenden Ausgabe (6/2011) finden Sie zu diesem Thema ein Interview mit dem Vorsitzenden des Gold-Anti-Trust-Action-Comitee (GATA) Bill Murphy. Wie solche Eingriff ablaufen können, ließ sich sehr gut an den Ereignissen im Silbermarkt vergangene Woche beobachten: Man suche sich eine psychologisch günstige Kursstelle (beispielsweise das alte Allzeit-Hoch bei 50 USD), bringe via Mediengetrommel die Kleinanleger noch dazu, zu möglichst hohen Kursen zu kaufen und treibe dann den Kurs schlagartig nach unten – beispielsweise mit einer Margin-Erhöhung (vgl. Smart Investor 2/2011). Wobei es allerdings im Fall des Silbers insgesamt (und bisher) derer fünf gewesen sind.

Allerdings soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass Silber auch reif für eine Korrektur gewesen ist. Rund 80% Kursanstieg in der Spitze seit Jahresanfang war einfach zu viel. Wir hatten an dieser Stelle bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass der kleine Bruder des Goldes sehr launisch ist und Korrekturen besonders schnell und heftig ausfallen können. Aus unserer Sicht wäre es (auch angesichts der Saisonalität) nicht unwahrscheinlich, wenn die Korrektur in Form einer ABC-Korrektur ausfällt, d.h. Silber erholt sich in den nächsten Tagen weiter und dann gibt einen nochmaligen Rücksetzer.

Allerdings ist der Bullenmarkt im Silber (oder den anderen Edelmetallen bzw. Rohstoffen) damit lange noch nicht vorbei, vom Platzen einer Blase zu schreiben verbietet sich ohnehin. Solange jeder Bankrotteur gerettet wird, bleiben die fundamentalen Voraussetzungen für den Fortgang der Hausse intakt.

Wenn über die Edelmetallmärkte gesprochen wird, dann spricht man auch immer über den Dollar. Hier liegen wir mit unserer Ansicht seit geraumer Zeit falsch. Wir sind allerdings nach wie vor der Auffassung, dass der Euro gegenüber dem Dollar in absehbarer Zeit abwerten dürfte. Nicht zuletzt aufgrund der katastrophalen Verfassung in der Haushalte der Südländer des Euroraums sind. Unsere Meinung hat daneben auch Sentiment-technische Gründe – nahezu niemand ist auch nur neutral für den Dollar gestimmt, fast jeder Analyst sieht im Greenback einen klaren Verkauf. Für Antizykliker wie uns ein weiteres Zeichen standhaft zu bleiben. Da der Einbruch an den Rohstoffmärkten mit einer deutlichen Aufwertung des Dollar einherging, könnte die Trendwende hier bereits eingeläutet sein.

Advanced Inflight zum Zweiten
Manche Leser hatten sich letzte Woche gefragt, warum wir die Sprache wieder auf Advanced Inflight Alliance (kurz AIA; WKN: 126 218) brachten, wo wir doch diesen Titel gar nicht mehr im Musterdepot halten. Der Grund liegt darin, dass wir dieses Unternehmen für nach wie vor ausgezeichnet aufgestellt halten, nur eben unter falscher Führung. Das hatten wir im Frühjahr letzten Jahres so gesehen und daraufhin die Aktie aus dem Musterdepot entfernt. Heute nach fast genau einem Jahr müssen wir uns bezüglich des Managements bestätigt sehen.

Erstens wandert just mit der neuen Führungsmannschaft einer der wichtigsten Kunden, nämlich die Lufthansa samt Swiss und Austrian Airlines, zur Konkurrenz ab. Das Verhandlungsgeschick von Dr. Berndt kann so toll also nicht sein, schließlich hatte der frühere Vorstand Otto Dauer die Lufthansa bei jeder neuen Vertragsverhandlung als Kunden halten können. Aber nicht nur das: auch was die Kommunikation mit den Aktionären anbelangt, zeigt sich Dr. Berndt als inkompetent. Denn erst einen Monat nachdem der Konkurrent Spafax am 5. April 2011 auf seiner Website den Gewinn des Neukunden Lufthansa bekannt gab und erst einige Stunden nachdem wir dies in der letzten Woche in unserem Weekly geschrieben hatten, kam AIA selbst mit einem Aktionärsbrief heraus (am 3.5.) und räumte den Verlust dieses Kunden ein. Reichlich spät. Aber es kommt noch dicker. Einen Tag vorher (am 2.5.) ging der Vorstand auf der „Entry & General Standard Konferenz 2011“ auf diesen Kundenverlust ein – wohlgemerkt vor einem kleinen Kreis von Analysten – und spielte dabei diese Entwicklung herunter. Eigentlich gehört es sich aber, alle Aktionäre gleichzeitig und vor allem zeitnah über wichtige Entwicklungen im Unternehmen zu informieren. Wäre das Ganze eine adhoc-pflichtige Unternehmensentwicklung, dann wäre das Verhalten des Vorstands ungesetzlich. Ist sie tatsächlich nicht adhoc-pflichtig (was wahrscheinlich der Fall ist), dann ist das Verhalten des Vorstands zumindest als stillos gegenüber den Aktionären und kommunikationstechnisch völlig falsch zu bezeichnen. Und auch dass der Verlust der Lufthansa vom jetzigen Vorstand als nicht sehr wichtig erachtet wird, muss doch mit einem Fragezeichen versehen werden. Immerhin will die englische Spafax sogar ein Büro in Frankfurt eröffnen, um vor Ort einen besseren Service bieten zu können. So etwas tut man nicht, wenn ein Auftrag klein oder niedrig-margig ist, so wie dies von Dr. Berndt in Analysten-Gesprächen behauptet worden ist.

Alles in allem bleiben wir dabei: Das jetzige AIA-Management ist in jeder Hinsicht inkompetent. Wenn sich hier Veränderungen ergeben, denken wir auch wieder über eine Aufnahme der Aktie ins Musterdepot nach.

Von Neukäufen im Musterdepot sehen wir diesmal ab. Vermutlich werden wir kommende Woche wieder zuschlagen.

Letzte Chance
Am kommenden Wochenende, den 14 und 15. Mai, findet in Hamburg das Marc-Banco-Seminar des Instituts für Austrian Asset Management (IfAAM) statt. Gerade angesichts der derzeitige Ereignisse um Griechenland eine sehr lohnenswerte Veranstaltung – die hochkarätige Besetzung spricht für sich: Die Goldexperten Bruno Bandulet und Ronald Stoeferle, der Anlagestratege Philipp Vorndran und der bekannte Eurokritiker Prof. Wilhelm Hankel gehören u.a. zum Kreis der Vortragenden. Smart Investor Chefredakteur Ralf Flierl wird ebenfalls vor Ort sein und den Teilnehmer Rede und Antwort stehen. Noch können Sie sich für dieses außergewöhnliche Seminar anmelden. Abonnenten des Smart Investor können zu günstigeren Konditionen an der Veranstaltung teilnehmen.

Fazit
Zwar lassen sich manche Dinge für eine gewisse Zeit manipulieren oder vertuschen, aber am Ende setzt sich immer die Wahrheit oder der Markt durch. In unserem Fall bedeutet dies, die liquiditätsgetriebene Hausse der Aktien- und Rohstoffmärkte läuft weiter.

Ralf Flierl, Fabian Grummes

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