Smart Investor Weekly 22/2011: Ein ungleiches Paar – Panik und Ethik

Während im benachbarten Ausland relativ unaufgeregt über die EHEC-Bakterien berichtet wird, hatte man angesichts der Schlagzeilen, die einen bei der Rückkehr empfingen, den Eindruck, dass grob geschätzt die Hälfte der Bevölkerung bereits ausgerottet sei – also die Hälfte von dem, was Schweinegrippe und Feinstaub seinerzeit übrig ließen. Inzwischen gilt selbst klimafreundlich heranwachsender Salat als tödliche Bedrohung, und Ketchup fährt gegenüber Frischtomaten einen klaren Punktsieg ein.

Keine Schuldenpanik
Je lieber und häufiger Mainstream und Boulevard die Panikkarte ziehen, desto mehr stumpfen wir natürlich ab. Vielleicht ein gewünschter Effekt der Desensibilierung für das, was noch kommen mag. Diese geschürten Paniken sind meist ebenso diffus wie bedrohlich (Terror, Atom, Bakterien, …). Aber: Sie fallen regelmäßig nach kurzer Zeit in sich zusammen und erzeugen bei den 99,99…% Überlebenden das gute Gefühl: „Hurra, wir leben noch!“ Auffällig dagegen, dass es einen Themenkomplex gibt, zu dem keinerlei Panik geschürt wird, im Gegenteil: Währung, Verschuldung und Wirtschaft werden beständig und in geradezu beängstigender Weise gesund gebetet. Dabei ist gerade im Bereich der (Staats-)Überschuldung mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Währung und deren Kaufkraft das Schüren von Panik ohnehin vollkommen unnötig. Ein schlichter Blick auf die desolate Lage und die ebenso kopf- wie hilflose Flickschusterei des EU-Apparats und seiner Ableger im Lande, sollten für schlaflose Nächte völlig ausreichen. Und: Dieses Thema will und will einfach nicht in sich zusammenfallen.

Wie in der DDR
Das Klima der „beschönigenden Lüge“, das in Fragen von Verschuldungskrise und Euro herrscht, dürfte Frau Kanzlerin ja noch bestens aus der Heimat bekannt sein. Die DDR galt bis zu ihrem Zusammenbruch als die siebtgrößte Volkswirtschaft. Von den Funktionsträgern dürfen wir in einem solchen Umfeld nicht erwarten, dass sie sich aus der Deckung trauen und „reinen Wein“ einschenken. Erst wer Position und Funktion aufgegeben hat, kann Tacheles reden. Alleine die Häufung von Rücktritten von Spitzen des Systems ist ein für Alphatierchen recht bemerkenswertes Phänomen. Die zum Teil hochgradig fadenscheinigen Begründungen unterstreichen diesen Eindruck. Erst danach, befreit vom Amt, fallen dann schon mal ein paar wohltuend offene Worte. Etwa ließ sich der frisch gebackene Bundesbankpräsident a.D., Axel Weber anlässlich einer Vorlesung in Chicago jüngst mit deutlicher Kritik an den sogenannten „Rettungspaketen“ vernehmen. Auch der ehemalige Thyssen-Chef Dieter Spethmann, ebenfalls alles andere als ein Leichtgewicht, machte die Tage eine schonungslose Rechnung zum Euro auf: Dessen Kosten für Deutschland beliefen sich bislang(!) auf 2,5 Billionen (=2.500 Milliarden) Euro. Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident, äußert sich ja schon seit einiger Zeit sehr Euro-kritisch und muss sich deshalb vom Establishment als rechter Rabauke rüffeln lassen. Die distanziert ätzenden Auftritte von Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt zu praktisch allen Bereichen aktueller Politik sind schließlich legendär.

Dass sich aber kaum einer der Aktiven – von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen – traut den Mund aufzumachen, zeigt den bedauernswerten Zustand des Gemeinwesens: Schlimm genug, dass sich die Regierung vom EU-Apparat in vermutlich hochgradig vertrags- und rechtswidrige Aktionen treiben lässt; Parlament, Bundespräsident, Medien und Verfassungsgericht – also alle Sicherungen der Gewaltentrennung und -teilung – erwiesen sich in Fragen der sogenannten Euro-Rettung als Totalausfälle bei der Bewahrung von Recht und Freiheit in unserem Land. Von wirtschaftlicher Vernunft wollen wir gar nicht erst reden.

Neue Gremien braucht das Land
In dieser verzweifelten Lage erscheint nun ein neues Gremium, die „Ethikkommission“. Ins Leben gerufen angesichts der japanischen Atom-Katastrophe und der quälenden Sorge vieler Bürger, wie wohl deutsche Kernkraftwerke auf einen Tsunami reagieren würden. Und so befragte die Kanzlerin die Kommissare der Ethik wie folgt:

„Wie kann ich den Ausstieg mit Augenmaß so vollziehen, dass der Übergang in das Zeitalter der erneuerbaren Energien ein praktikabler, ein vernünftiger ist. Und wie kann ich vermeiden, dass zum Beispiel durch den Import von Kernenergie nach Deutschland Risiken eingegangen werden, die vielleicht höher zu bewerten sind als die Risiken bei der Produktion von Kernenergie-Strom im Lande?“

Wenig repräsentativ
Früher zupfte man halt an Gänseblümchen: „Liebt mich, liebt mich nicht, liebt mich …“ und davor befragte man das Orakel von Delphi, heute also die „Ethikkommission“. Die Ethikkommissare, das sind zum Beispiel Politiker, die ihre besten Tage hinter sich haben, Vertreter des Klerus, der Gewerkschaften und sonst noch so allerlei Experten für Fragen der Energieerzeugung durch Kernspaltung, wie etwa Soziologen. Ob sich die Bevölkerung, die zu rd. 40 % „ohne Bekenntnis“ und in noch weit geringerem Maße gewerkschaftlich organisiert ist, überhaupt für die Meinung von Staatskirchen oder Gewerkschaften – selbst zu Themen wo diese kompetent wären – interessiert, darf bezweifelt werden. Vermutlich hätte man für das Votum auch einen Kleinbus x-beliebiger Menschen von der Straße zusammenfangen können, das Ergebnis wäre zumindest nicht weniger repräsentativ.

Ach ja, fast hätten wir es vergessen. Der IWF bekommt voraussichtlich einen neuen Chef, der zeitgeistig korrekt eine Chefin sein wird – Christine Lagarde. Mehr noch als das Geschlecht entspricht der Umstand dem Zeitgeist, dass die sich in Sachen Griechenlandrettung selbstbewusst zu Rechts- und Vertragsbruch Bekennende nicht etwa vor den Kadi, sondern eben auf den Chefsessel gezerrt werden soll. Vielleicht sollten da die hohen Kommissare der Ethik auch nochmal einen Blick drauf werfen?!

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Fazit
Wenn Panik und Nervosität um sich greifen, dann gilt es ganz besonders ruhig Blut zu bewahren. In unserem Fall heißt dies, sich einerseits nicht anstecken zu lassen und andererseits wachsam zu bleiben und sich auf die kommenden Dinge vorzubereiten. Fakt ist, dass der CuB noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht hat.

Ralf Flierl, Fabian Grummes, Ralph Malisch

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