Smart Investor Weekly 28/2011: Manchmal kommt es anders – als man denkt

Am gestrigen Montag trafen sich die „vier apokalyptischen Reiter“ (Jose Manuel Barroso, Jean-Claude Trichet, Jean-Claude Juncker und der unnachahmliche Herman van Rompuy – wer letzteren nicht kennt, dem sei die ausgezeichnete Charakterisierung durch Nigel Farage, dem Vorsitzenden der einzigen Oppositionspartei im EU-Parlament, ans Herz gelegt). Ganz EU-demokratisch (also ohne jede demokratische Legitimation) wurde hier das weitere Vorgehen beschlossen, welches dann im Anschluss von den versammelten Finanzministern abgenickt wurde. Dabei ging es angeblich in keiner Weise um Italien, dessen Anleihekurse zuvor deutlich abgesackt waren (mehr hierzu weiter unten), sondern nur um die Frage, wie man mit Griechenland weiter zu verfahren habe (Adieu, griechische Souveränität!). Da aber Herr Juncker mit von der Partie gewesen ist, darf man getrost von einer Lüge ausgehen – schließlich lügt Herr Junckers gern und oft, solange es dem hehren Ziel dient (vgl. Smart Investor Weekly 20/2011).

Durchhalteparolen und Planwirtschaft

Wie dem auch sei, das Treffen endete mit den altbekannten Durchhalteparolen und dem Versprechen für die bankrotten Länder dank längerer Laufzeiten und niedrigerer Zinsen weiter Zeit zu kaufen. Zu Italien äußerte sich dann doch noch jemand – die frischgebackene IWF-Chefin Christine Lagarde: „Italien hat ganz klar im Moment mit Problemen zu tun, die im Wesentlichen von den Märkten befeuert wurden“ Parbleu, Christine!? So funktionieren Märkte: ein Teilnehmer hat nicht ordentlich gewirtschaftet und der Markt stellt daraufhin den Bankrott in Aussicht – freie Marktwirtschaft eben! In den Augen einer planwirtschaftlich-sozialistisch denkenden Technokratin wie Madame Lagarde ist solch ein Prinzip natürlich Teufelszeug.

Das Pippi-Langstrumpf-Prinzip
Die gesamte Eurogruppe kam derweil mit einer ganz „ausgezeichneten“ Idee um die Ecke: Wir verbieten einfach die Bewertung von bankrotten Staaten durch die bösen und politisch motivierten Ratingagenturen jenseits des großen Teichs. Diese gehen nun endlich mit der zuvor geforderten Schärfe vor und sagen was Sache ist – Staaten wie Griechenland oder Portugal sind schlicht, einfach und ergreifend pleite – und schon ist es ebenfalls nicht recht (auch wenn die Ratingagenturen zugegebenermaßen auf einem Auge blind sind, denn UK und die USA sind genauso bankrott wie Griechenland). Wie so etwas überhaupt funktionieren soll, schließlich ist es den meisten institutionellen Anlegern verboten, Anleihen ohne Rating zu kaufen bzw. zu halten, interessiert in diesem Zusammenhang wohl ebenso wenig. Insgesamt fühlt man sich an spielende Kinder erinnert: Wenn ich es nicht sehe, ist es auch nicht da. Schön, wenn man wie Pippi Langstrumpf in Taka-Tuka-Land lebt und sich die Welt machen kann, wie sie einem gefällt. Der aufgeklärte Marktbetrachter jedoch muss dabei auch an ein Zitat der großen Philosophin Ayn Rand denken: „Man kann die Realität ignorieren, aber man kann nicht die Konsequenzen der ignorierten Realität ignorieren.“ Und damit zu den Märkten.

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Euro
Die italienische Krise hat zu einigen Verwerfungen an den Märkten geführt. Natürlich kam der Euro unter Druck. Denn – so die Befürchtung – der bald auf das vermutlich Doppelte ausgeweitete Rettungsschirm sorgt für eine weitere Flutung der Märkte mit Euros (soweit die Finanzierungen aus der Druckerpresse herrühren, wovon man zum Großteil ausgehen kann). Und wenn mehr Euros in Umlauf kommen, dann fällt eben der Außenwert des Euro. Natürlich spielen auch die Amerikaner ein ähnliches (und sogar noch unverblümteres) Spiel. Aber die Tatsache, dass der Euro zuletzt auch gegenüber dem Dollar deutlich nachgab, zeigt doch, dass der Einheitswährung scheinbar noch kränker ist als die laufend inflationierte Weltleitwährung. Auf diese Entwicklung zielt übrigens der Euro-Put in unserem Musterdepot.

Zinsen
Noch dramatischer ist jedoch die Entwicklung bei den Zinsen. Notierten die Renditen der italienischen Staatsanleihen bis vor einigen Jahren bei durchschnittlich rund 0,5 und bis vor wenigen Wochen bei rund 1,5 Prozentpunkten über denen der deutschen Anleihen, so hat sich dieses Bild seit Freitag letzter Woche komplett gewandelt. Mittlerweile sind 3 und mehr Prozentpunkte Aufschlag zu verzeichnen. Dies hat einerseits mit dem deutlichen Rückgang der Italo-Bonds zu tun, aber andererseits auch mit einem dramatischen Anstieg unseres BUND-Future.

Man muss sich dabei wirklich fragen, was derzeit in den Köpfen der Investoren vorgehen mag. Wer wird denn die Italiener sowie auch schon die Griechen und Iren und Portugiesen finanzieren? Wer wird denn für die nun geleisteten Garantien irgendwann in Anspruch genommen werden? Natürlich die (noch nicht bankrotten) Nordländer, allen voran Deutschland. Das heißt: Die Angst der Investoren vor einem Bankrott Italiens trieb sie zuletzt zu Minirenditen von um die 2,50% in die Anleihen desjenigen Staates, der am Ende dieses wahninnigen „Spiels“ ebenfalls mit in den Bankrott gezogen werden wird. Schon kurios, das Ganze.

Unten und oben
Immer wieder wird uns die Frage gestellt, wann und ob wir denn angesichts all dieser Schreckensmeldungen von der Euro-Front von unserem bullishen Szenario (CuB) abrücken wollen bzw. werden. Leider (oder zum Glück) können bzw. müssen wir uns abermals nicht revidieren. Der Crack-up-Boom ist intakt und dürfte noch über ein bis zwei Jahre weiterlaufen. Demnach dürfte der jüngste Schock nur ein weiterer Ausrutscher auf dem Weg nach oben sein.

Im Juni-Report eines bekannten Fondsmanagers konnte man lesen, dass die Gefahren an den Aktienbörsen nun größer werden und man daher Aktien tendenziell untergewichten solle. Denn es gelte die Grundthese: Aktien kauft man am besten unten und verkauft sie oben. Naja, wenn das so einfach wäre, wäre es ja einfach, möchten wir da anfügen.

Die Frage ist doch vielmehr: wo ist unten, und wo ist oben? Dass ein DAX bei rund 7.100 Punkten nicht unten ist, darüber brauchen wir nicht streiten. Aus heutiger Sicht wissen wir, dass ein DAX unter 4.000 Punkten im Jahre 2009 als „unten“ zu bezeichnen gewesen wäre (damals hatten wir auch die CuB-These aufgestellt). Aber die Tatsache, dass der DAX heute 3.000 Punkte höher notiert, bedeutet damit noch lange nicht, dass er nun „oben“ ist. Genau deshalb haben wir die Crack-up-Boom These entwickelt (bzw. aus den Schriften von Ludwig von Mises weiter fortentwickelt), um einen Anhaltspunkt dafür zu bekommen, wann die Börsen oben sind. Und unserer Ansicht nach sind sie es eben noch nicht. Mehr zur Theorie dann aber im Heft.

Musterdepot
Keine Änderungen.

Fazit
Es bleibt also dabei: Jeder Bankrott wird verhindert und euphemistisch als Rettung verkauft. Neue Kredite, garantiert durch den immer kleiner werdenden Kreis der noch nicht bankrotten Staaten, verschaffen Atempausen und Zeit, aber keine Lösung. Unter diesen Bedingungen ist uns um unser Crack-up-Boom Szenario gar nicht bange.

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag