Smart Investor Weekly 42/2011: Griechen-Bonds – für ganz Mutige

Am kommenden Wochenende wird sich Europas Finanz- und Politelite in Brüssel treffen, um einige wegweisende Entscheidungen zutreffen. Es geht dabei um alles mögliche, z.B. um eine künftige gemeinsame europäische Wirtschaftspolitik, um das Vorgehen hinsichtlich des Rettungsschirmes oder inwieweit man die Banken an die Kandare nehmen wird. Kurzum: es geht um die Ausdehnung des ohnehin schon erdrückenden Interventionismus. Man könnte hierzu nun lange Abhandlungen schreiben, warum sich unsere Politiker damit immer weiter in einen Morast aus Regeln, Gängelungen, Strafen, Hilfen und Eingriffen verlieren. Wir belassen es aber hiermit und wenden uns vielmehr einem interessanten Teilaspekt des Ganzen zu, welcher zudem aus Investorensicht noch sehr lukrativ werden könnte: die Rede ist – Sie ahnen es schon – wieder mal von Griechenland.

Droht die Griechenpleite?

Verfolgt man die Medien in den letzten Wochen, wie sie namhafte Politiker wie unseren Schäuble oder Luxemburgs Juncker zitieren, so könnte man durchaus auf die Idee kommen, dass Griechenland demnächst in die Pleite entlassen wird. Auch die Märkte nehmen diese Entwicklung bereits vorweg. So liegen die CDS-Kurse, also die Prämien für eine Versicherung für den Fall einer Pleite Griechenlands, schwindelerregend hoch – im Prinzip deuten sie an, dass mit 100%iger Wahrscheinlichkeit mit der Insolvenz innerhalb von fünf Jahren gerechnet werden muss. Und auch die Kurse der ausstehenden Griechenlandanleihen notieren je nach Laufzeit zwischen 40 und 50, d.h. die sich daraus ergebenden Jahresrenditen liegen in der Regel im dreistelligen Bereich. Also alles klar, möchte man meinen.

Aber Vorsicht, so einfach ist die Sache nicht, wie sich das aus einigen Zitaten von Politikern herauslesen mag. Denn würde man einen klassischen Haircut bzw. Schuldenschnitt machen, was einem (teilweisen) Staatsbankrott gleichkäme, dann hätte das dramatische Folgen für den Euro, für Europa und die Rettungsschirm-Konstruktion. Denn damit würden sich automatisch die Ratings deutlich verschlechtern, womit nichts mehr sicher kalkulierbar wäre.

Trick 17
Geht es nach Jochen Felsenheimer, Kredit- und Anleihenexperte bei der Fondsgesellschaft Assenagon, so wäre ein solch harter Haircut auch gar nicht mehr nötig. Denn bei Kursen unterhalb von 50 bräuchte man die wichtigsten Player nur an einen Tisch zu bekommen, alle müssten sich dazu verpflichten, freiwillig ihre Papiere zu 50 – also etwa zum jetzigen Kurs – an den EFSF abzuliefern, womit den Banken kaum Verluste entstehen würden, da sie ja ohnehin auf diesen Betrag schon abgeschrieben haben. Der EFSF könnte dann als Hauptschuldner die Schulden der Griechen neu strukturieren, was im Wesentlichen auf eine Streckung der Schuldenlast über einen längeren Zeitraum hinausliefe. Der Nachteil wäre: Griechenland würde weiterhin auf seinem Schuldenberg sitzen, allerdings würden die Rückzahlungsmodalitäten bei weitem erträglicher gestaltet werden. Der entscheidende Vorteil dieser Vorgehensweise: ein effektiver Konkurs könnte vermieden werden, weshalb man Turbulenzen wieder einmal in die Zukunft verschieben könnte. Zudem könnte man dann ein Riesenpaket schnüren, um auch zukünftige Wackelkanditen wie Italien aufzufangen.

Anzeige ___________________________________
BondGuide – der Newsletter für Unternehmensanleihen
14-tägig Analysen, Statistiken, Hintergründe

Jetzt kostenlos anmelden! www.bondguide.de

Nächste Erscheinungstermine: 07.10.; 21.10
______________________________________

Was bedeutet das?
Um es in einem Satz zu sagen: Die wahrscheinlichste Entscheidung, welche am kommenden Wochenende getroffen werden wird, ist die, dass man – wie in der Vergangenheit auch schon – Zeit gewinnen will und die Variante „Schrecken ohne Ende“ wählen wird. Denn zu einem „Ende mit Schrecken“, welcher natürlich volkswirtschaftlich und unter nachhaltigen Gesichtspunkten die einzig richtige Variante wäre, haben unsere Politiker entweder nicht den Mumm, oder aber sie wählen ihn aus anderen Gründen nicht.

Warum aber erklären wir diesen Sachverhalt so ausführlich? Der oben beschriebene Weg weist ein gewisses Problem auf. Da die Übertragung der Griechenlandanleihen an den EFSF nur auf freiwilliger Basis erfolgen kann (ansonsten hätte man es mit einem Default zu tun), werden nur die Banken dazu aufgefordert, Privatanleger bleiben bei dieser Regelung jedoch außen vor. Das aber bedeutet unter der Annahme, dass es tatsächlich zu keiner offiziellen Pleite kommt: diejenigen Griechenlandanleihen (zumindest diejenigen mit den kurzen Restlaufzeiten), die nicht an den EFSF abgeliefert werden, werden zum Kurs von 100 zurückgezahlt.

Politik = Show Business

Bleibt nur noch die Frage zu klären, warum einige Politiker so vehement den Eindruck zu erwecken versuchen, dass tatsächlich eine Griechenland-Pleite droht. Angenommen, alle Marktteilnehmer würden unseren obigen Gedankengang nachvollziehen und sich damit dem allgemeinen Sentiment widersetzen, dann lägen die Kurse der Anleihen schon höher, und damit würde der Plan nicht aufgehen – man benötigt eben die jetzt tiefen Kurse, um die Banken zur Abgabe ihre Anleihen zu animieren. Im Prinzip ziehen daher die genannten Politiker eine Show ab: Sie versuchen die Kurse nach unten zu reden. In diesem Zusammenhang sei noch der amerikanische Systemkritiker Gerald Celente zitiert, welcher uns im Augustheft für ein Interview zur Verfügung stand, er sagte damals nämlich: „Politik ist nichts anderes als Show Business – nur mit hässlichen Menschen.“ Dem wollen wir an dieser Stelle nichts mehr hinzufügen.

Musterdepot
Seit rund zwei Wochen befindet sich die Griechenland-Anleihe 2002-2012 (Fälligkeit am 18.5.2012) mit der Kennnummer 830275 in unserem Depot, der Einstandskurs lag bei 54. Mittlerweile notiert die Anleihe bei nur noch 45 (siehe Chart). Technische Analysten würden bei einem solchen Kursverlauf Alarm schlagen. Wir sehen jedoch in Anbetracht der obigen Erläuterungen hier eine günstige Gelegenheit, nachzukaufen. Dabei sind wir uns dessen bewusst, dass das Investorensentiment „grotten-bearish“ für Griechen-Bonds ist. Aber genau deshalb gibt es sie ja derzeit zu Tiefstkursen. Wir halten es dabei für durchaus möglich, dass die Kurse bereits kommende Woche wieder deutlich anziehen, wenn der Deal, wie oben angedeutet, am Wochenende durchgeht. Bis zum Laufzeitende im Mai 2012 rechnen wir mit einer Rückzahlung zu 100.

Wir ordern dementsprechend nochmals zu nominal 20.000 EUR diese Anleihe mit der WKN 830275,
am morgigen Mittwoch zur Eröffnung. Bei Kursen um 45 herum ergibt sich also ein Investitionsvolumen von ca. 9.000 EUR, was in etwa 3% des Depotvolumens ausmacht. Vorsicht: Sollte es – wider unseren Erwartungen – zu einem Schuldenschnitt von 50% oder mehr kommen, drohen bei dieser Anleihe erhebliche Verluste. Bei einem Schnitt von 100% käme es gar zum Totalverlust.

Unser Order für 700 Aktien der First Majestic Silver Corp (WKN: A0LHKJ) ging am gestrigen Montag beim unserem Limitkurs von 11,75 EUR auf (akt. 11,20 EUR). Ein Interview mit dem Vorstand Keith Neumeyer finden Sie im aktuellen Heft auf S. 78.

Die Orders für Advance Inflight Alliance WKN: 126218): 3.000 Stück zu 3,21 EUR sowie für den NASDAQ-Long mit der Kennnummer DE23KZ (Basispreis und Knockout liegt bei 1.928,2 keine Laufzeitbeschränkung) bei 2,55 EUR bleiben weiter bestehen.


Veranstaltungshinweis

Die Partei der Vernunft (PdV) veranstaltet am 24. November um 18.00 Uhr eine Podiumsdiskussion, in welcher es um den Euro und dessen „Rettung“ geht. Neben dem Goldseiten-Blogger Peter Boehringer und dem Bundesvorsitzender der PdV Oliver Janich wird meine Wenigkeit daran teilnehmen. Die Diskussion wird auch per Livestream im Internet übertragen werden.

Alle Details dazu hier: http://pdv-bayern.de/muenchen-podiumsdiskussion-zur-eurokrise

Fazit

Als Bürger dieses Landes und Europas kann man angesichts des laufenden Euro(pa)-Dramas nur noch den Kopf schütteln. Als Investoren bietet sich uns derzeit eine heiße Wette auf die volle Rückzahlung der Griechen-Bonds. Mal sehen, ob wir mit unseren Überlegungen Recht behalten werden.

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier wird zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

Abonnements:
Ein kostenloses zweimonatiges Kennenlern-Abo des Magazins Smart Investor kann hier angefordert werden.

Das Magazin:
Das aktuelle Inhaltsverzeichnis des Smart Investor Magazins ist hier erhältlich.

eMail-Versand:
Sollten Sie den eMail-Versand abbestellen wollen, so benutzen Sie bitte den Abmelde-Link unter dem Newsletter bzw. schicken uns eine eMail mit dem Betreff „Abbestellen des SIW“ an info@smartinvestor.de.

Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.