„Wir haben schon ein sehr stabiles Geschäft“

Smart Investor: Herr Wirth, wie fällt Ihr Fazit zum vergangenen Geschäftsjahr aus? Haben Sie Ihre Ziele erreicht?
Wirth:
2011 war für den EquityStory-Konzern insgesamt ein sehr gutes Jahr. Hierzu haben alle Geschäftsbereiche ihren Beitrag geleistet. Erstmalig konsolidiert wurden die Umsätze der Webagentur triplex, die seit Anfang 2011 zu uns gehört. Hervorzuheben ist sicherlich das Geschäftsfeld Mediabuchungen. Hier übernehmen wir die Konzeption und Durchführung von Mediakampagnen für Anleihe-Emittenten. Die Kampagnen entwickelten sich sehr erfolgreich, weshalb wir uns schnell einen Namen als verlässlicher Partner für Bond-Emittenten gemacht haben. Unser Ziel war eine Umsatzsteigerung im Konzern von 20 bis 25% gegenüber dem Vorjahr sowie ein EBIT-Wachstum zwischen 15 und 20%. Wir sind zuversichtlich, diese Vorgaben auch erreicht zu haben.

Smart Investor: Wie abhängig sind Sie am Ende von der allgemeinen Stimmung an den Kapitalmärkten?
Wirth:
Viele unserer Geschäftspartner sind im Kapitalmarktumfeld tätig. Also sind wir natürlich auch von den Kapitalmärkten abhängig. Wir können beispielsweise keine Mediaplanung für Bond-Emittenten starten, wenn es keine Anleiheemissionen gibt, wie das ab Oktober letzten Jahres der Fall war. Bleiben Börsengänge aus, wird es für uns schwierig, neue börsennotierte Unternehmen als Kunden zu gewinnen. Das Börsenklima beeinflusst also vor allem die Wachstumsmöglichkeiten. Das Bestandsgeschäft ist davon weniger betroffen, da viele Services, die wir unseren börsennotierten Kunden bieten, auch bei schwierigem Kapitalmarktumfeld benötigt werden. Als Beispiel möchte ich hier die Meldepflichten nennen oder auch die Webseiten der Kunden. Wenn es an der Börse mit den Kursen bergab geht, schaltet dennoch kein Kunde seine Internetseite vorübergehend ab.

Smart Investor: Welche Schritte unternehmen Sie, um Ihr Geschäft in Zukunft noch stabiler und planbarer zu gestalten?
Wirth:
Grundsätzlich haben wir schon ein sehr stabiles Geschäft. Unsere Strategie ist es aber, unabhängiger von den Kapitalmärkten zu werden und zusätzlich neues Wachstum in anderen Bereichen zu erschließen. Wir arbeiten mittlerweile für rund 6.000 Kunden – alleine das sorgt für Stabilität. Wir sind in verschiedenen Ländern aktiv, Russland entwickelt sich sehr gut, auch das sorgt für Diversifikation. Und wir bauen unsere Aktivitäten für nicht-börsennotierte Gesellschaften im Bereich Online-Unternehmenskommunikation sukzessive aus.

Smart Investor: Was würde ein konjunktureller Einbruch für Ihr Unternehmen konkret bedeuten?
Wirth:
Bei einer moderaten Abschwächung werden wir vermutlich keine großen Auswirkungen auf unser Geschäft sehen. Bei der letzten großen Krise im Jahr 2009, ausgelöst durch die Finanzmärkte, hatten wir vor allem mit einem erheblich geringeren Meldevolumen zu kämpfen. Das führte zu sinkenden Margen und zu einem deutlichen Ergebniseinbruch. Unsere EBIT-Marge war allerdings im Krisenjahr 2009 noch so hoch wie bei vielen anderen Unternehmen die Eigenkapitalquote. Wir kommen folglich auch mit Krisen zurecht, nur das Wachstum ist dann nicht mehr darstellbar.

Smart Investor: Wie fügt sich das Engagement bei der triplex Webagentur in Ihre Strategie ein?
Wirth:
Wir haben uns vor ein paar Jahren die Frage gestellt, warum wir uns künstlich auf den Markt der börsennotierten Unternehmen beschränken. Schließlich gibt es da draußen doch ungleich mehr Gesellschaften, die an keiner Börse gelistet sind. Und so haben wir begonnen, grundsätzliche Lösungen im Bereich der Online-Unternehmenskommunikation zu entwickeln und anzubieten. Die Webagentur triplex bringt hier zusätzliches Know-how und Ressourcen in den Konzern ein.

Smart Investor: Ihre Aktie hinkte zuletzt dem Aufwärtstrend an den Märkten erkennbar hinterher. Haben Sie dafür eine plausible Erklärung?
Wirth: Unsere Aktie ist im Vergleich zu anderen Titeln weniger volatil. Spielt der Markt verrückt, so halten wir uns erstaunlich gut – ähnlich einem Fels in der Brandung. Geht es an den Märkten schnell nach oben, so schwimmt der Fels eben nicht so schnell mit. Zwei Gründe fallen mir dazu ein: erstens das sehr stabile Geschäftsmodell und zweitens unsere Aktionärsstruktur. Unsere Anteilseigner wissen, was sie an uns haben. Seit dem Börsengang Mitte 2006 weist die EquityStory AG eine Gesamtperformance inklusive Dividenden von über 60% auf.

Smart Investor: Herr Wirth, wir bedanken uns für vielmals für das Gespräch.

Unternehmensportrait:

Kommunikation zwischen Unternehmen und Aktionären, Kunden sowie der Öffentlichkeit findet mittlerweile größtenteils über das Internet statt. Von diesem Trend profitiert die im Jahr 2000 gegründete EquityStory AG. Dabei bedient die Gesellschaft auf dem Gebiet der Online-Unternehmenskommunikation ein breites Spektrum an Dienstleistungen. So ist die Tochter DGAP im deutschsprachigen Raum mit Abstand Marktführer bei gesetzlich vorgeschriebenen Meldepflichten. Die aktuell über 6.000 Kunden können sich sowohl ihren Online-Investor-Relations-Auftritt entwerfen als auch Video- und Audio-Konferenzen einrichten oder einen Online-Geschäftsbericht erstellen lassen. Mit der Anfang 2011 vollzogenen Übernahme der Webagentur triplex baute EquityStory sein Angebot an Multimedia-Services weiter aus. Die Münchner halten zudem eine 25%-Beteiligung an der Finanzseite Ariva.de. Zusammen mit der Tochter Financial.de richten sich beide Portale an den börseninteressierten Nutzer/Privatanleger.

Das Geschäft unseres Musterdepotwertes blieb zuletzt nicht unberührt von den seit dem zweiten Halbjahr 2011 einsetzenden Turbulenzen an den Finanzmärkten. So schwächten sich die Zuwachsraten im dritten Quartal verglichen mit jenen des ersten Halbjahres etwas ab. Mit Blick auf die ersten neun Monate weist das Unternehmen ein Umsatzplus von 40% auf 9,4 Mio. EUR bei einem Überschuss von 1,3 Mio. EUR (+37%) aus. Das Ergebnis je Aktie gibt EquityStory mit 1,09 EUR (Vj.: 0,80 EUR) an. Das Jahresziel lag bis zuletzt bei einem Erlöswachstum zwischen 20 und 25%.