Smart Investor Weekly 27/2012: Deutsche Sparschweine auf der Schlachtbank – Börsen feiern

„Placebo-Demokratie“

Die Nicht-Nachricht der vergangenen Woche war das Abnicken des ESM-Vertags durch Bundestag und Bundesrat mit einer beschämend überwältigenden Mehrheit. Andererseits: Wurde von deutschen Parlamentarierern schon jemals ein Ermächtigungsgesetz, wie der ESM-Vertrag eines ist, gestoppt?! Eben. Insofern also nichts Neues aus Berlin. Der parallel verabschiedete sogenannte Fiskalpakt ist ohnehin nicht der Rede wert, oder wie ifo-Präsident Prof. Hans-Werner Sinn feststellt, ein Placebo, das nur in Deutschland ernst genommen wird. Dagegen dürften Bundestag und Bundesrat nach dem 29.6.2012 nicht einmal mehr hierzulande als Einrichtungen einer echten Gewaltenteilung wahrgenommen werden. Ein Los, das auch Placebo-Oppositionelle vom Schlage eines Horst Seehofer ereilen wird. Der Freund des populistischen Krawalls ließ den ESM im Bundesrat ergebenst passieren, um anschließend zu wettern – armselig. Der Bundespräsident, der be reits die „Vereinigten Staaten von Europa“ herbeiträumt, die aber wohl kein Abbild der USA in besseren Tagen, sondern eine Mischung aus UdSSR und Jugoslawien zu werden drohen, ist ein weiterer Bestandteil der bürgerfernen Placebo-Demokratie. Bemerkenswert auch, das Verhalten der Mainstreampresse, die erst jetzt, da das Kind im Brunnen liegt und man sich also sicher sein kann, dass ein kritischer Beitrag nichts mehr bewirkt, etwas Placebo-Kritik übt, etwa das Handelsblatt mit seinem Montagsaufmacher „Bankenwelt wird zur Sonderwirtschaftszone“ – das wirkt ein bisschen wie nachträgliche Reinwaschung für die Versäumnisse der Vergangenheit. Überhaupt zeigen sich die großen Medien in den bewegenden Konfliktthemen dieser Tage als ausgesprochen konfliktscheu, wenn es um die Positionen der Mächtigen geht. In unserer „Zug um Zug“-Linkliste (www.smartinvestor.de/zugumzugliste) finden Sie einige besonders frapierende Beispiele von Medienmanipulation. Aber es geht auch anders: Am Ende dieser Liste ist eine Rede des FDP-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Rainer Brüderle, verlinkt, der in einer bis dahin unbekannten Offenheit vor dem Plenum über die Verbindungen der Bilderberger zum Fraktionsvorsitzenden von Bündnis90/Die Grünen, Jürgen Trittin, spricht. Sehenswert.

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Betrugsopfer Deutschland

Wer nun denkt, die Regierung sei die treibende Kraft im ESM-Prozess, der irrt. Auf dem vorangegangenen EU-Gipfel kam es zu einem regelrechten Kesseltreiben gegen Deutschland – wobei die (süd-)europäsichen Banklobbyisten die Guthaben der deutschen Sparer fest im Blick und am Ende praktisch auch im Sack hatten. Treibende Kraft war diesmal der nichtgewählte italienische Regierungschef und ehemalige(?) Goldman-Sachs-Mann Mario Monti, der sich sogar noch seines besonderen Verhandlungsgeschicks rühmte. Ex-EU-Kommissar Günther Verheugen – naturgemäß einer, der nicht im Verdacht steht, besonders EU-kritisch zu sein – wurde da deutlicher: „Die Kanzlerin ist vorige Woche betrogen worden. Das ist eindeutig – in Rom und wohl auch in Paris.“ Auswirken wird sich dieser Betrug allerdings nicht primär bei Frau Merkel, sondern bei den Sparguthaben der Bürger. Während Deutschland bei der EM auf faire Weise von Italien besiegt wurde, wurde es bei ESM und Fiskalpakt von Monti erpresst und regelrecht über den Tisch gezogen – zwei Niederlagen gegen Italien an einem Tag. Während über die erste öffentliche Betrübnis herrschte, wird die zweite in Zukunft noch richtig teuer.

 

Letztes Bastiönchen

Das letzte Bastiönchen der Gewaltenteilung, das dem EU-/Euro-/ESM-Putsch widerstehen könnte, ist das Bundesverfassungsgericht. Man darf gespannt sein, ob wenigstens eine der von den Bürgern finanzierten Einrichtungen kein Placebo ist, Rückgrat zeigt und einfach nur einen guten Job bei der Vertretung von deren Interessen macht. Als ob das Bundesverfassungsgericht nicht genau wüsste, was auf dem Spiel steht, wird bereits im Vorfeld massiv Stimmung gegen eine unabhängige Entscheidung gemacht: „Weltökonom“ und Alt-Kanzler Helmut Schmidt etwa maßte sich unter lückenhafter Zitierung des Artikel 23 Grundgesetz („Europa-Paragraph“) an, dem höchsten deutschen Gericht den Weg zu weisen. Dies geschah übrigens bei einem Vortrag, den der frühere Bilderberger (!) Schmidt vor der „Atlantik-Brücke“ (!) anlässlich der Verleihung eines nach dem Investmentbanker (!) Eric M. Warburg benannten Preises hielt. Nach Fragen?! Da fehlt eigentlich nur noch das Quartett der notorischen Polit-Rentner Kohl, Genscher, Fischer und Waigel, die uns und dem Gericht vor dem Urteil noch ihre staatstragenden Plattitüden zumuten werden. Wie gesagt, gespannt darf man sein, aber realistisch muss man bleiben. Ob sich Karlsruhe zu mehr als dem übliche Kopfnicken mit erhobenem Zeigefinger durchringt, erfahren wir am 10.7. (Korr.), wenn über die Eilanträge entschieden wird.

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Zu den Märkten

Nicht die Verabschiedung von ESM und Fiskalpakt, die bereits im Vorfeld als sicher gelten durfte, beflügelte die Märkte. Es war die vollständige Aufgabe der Verhandlungspositionen des „gefühlten“ Bremsers Deutschland anlässlich des EU-Gipfels. Damit ist nun wieder „für alle Suppe da“ – aber wer will schon Suppe, wenn man sich erneut Champagner leisten kann. Die Korken in den südeuropäischen Pleitebanken knallten hörbar bis Berlin.
Das ändert aber nichts an unserer grundsätzlich negativen Einschätzung des Euro und europäischer, insbesondere auch deutscher Aktien. Hochgradig gefährdet erscheinen uns zudem die deutschen Bundesanleihen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die rasant anschwellende finanzielle Belastung des Landes für irrwitzige „Rettungsmaßnahmen“ auch auf die Kreditratings der Bundsrepublik durchschlägt. Die zwar kleine, aber aufgrund ihrer Unabhängigkeit hoch angesehene Ratingagentur Egan-Jones nahm dies schon vorweg und wertete Deutschland in der letzten Woche von AA- auf A+ ab – und zwar noch vor dem Brüsseler Gipfeldesaster.
Die nach diesen Beschlüssen einsetzende Euphorie halten wir daher für ein Strohfeuer. Zwar kann man sich etwas kaufen, wenn man sein Sparschwein schlachtet, die bittere Wahrheit ist aber, dass man es nur einmal schlachten kann. Wer auf diese Art auf die „eisernen Reserven“ zugreift, der handelt aus Verzweiflung. „Nachhaltigkeit“ mag vielleicht die Lieblingsvokabel unserer Politakteure sein, das einzig Nachhaltige dieser Politik ist aber der unablässige Griff in fremde Taschen.

Musterdepot (Aktien)

Gemäß unserer Order haben wir 5.000 Stück des Goldman-Sachs-DAX-Puts mit der Basis 5.700 Punkte (WKN GT0W2Z) zum Kurs von 2,25 EUR (akt. Kurs: 1,62 EUR) erhalten – zugegeben kein berauschendes Timing, aber eine Idee, die wir weiter für richtig halten.
Besser sieht es da beim Euro-Short-Knock-out-Zertifikat von HSBC Trinkaus (WKN TB73GW), das wir zum Kurs von 9,05 EUR (akt. Kurs: 9,60 EUR) erhalten haben. Geordert haben wir hier 1.000 Stück, was leider nur auf unserer Website, nicht aber im letzten Newsletter angegeben war. Wir bitten um Entschuldigung.
Unser Verkaufslimit von 0,29 EUR für die Strateco-Aktie (WKN A0CAKR, akt. Kurs 0,25 EUR) bleibt weiter bestehen.
Die Kauforder für 600 Stück First Majestic Silver (WKN A0LHKJ) belassen wir bei 10,95 EUR (akt. Kurs: 12,50 EUR).

Musterdepot (Fonds)

Keine Änderungen.

In eigener Sache – Online-Abo

Leider kommt es immer wieder einmal vor, dass unsere Druckausgaben – besonders beim Versand ins Ausland – länger als geplant unterwegs sind. Hierauf haben wir keinen Einfluss. Aber wir haben eine Lösung: Allen Abonnenten steht auf unserer Webstie www.smartinvestor.de zusätzlich im Bereich „Mein Smart Investor“ das aktuelle Heft in der Regel schon ab Donnerstag vor Erscheinen zum Herunterladen zur Verfügung. Abonnenten die künftig auf eine Druckausgabe ganz verzichten wollen, können jederzeit auf das reine Online-Abo für derzeit nur 52 EUR/Jahr (statt 64 EUR/Jahr im Inland bzw. 84 EUR/Jahr im Ausland) umstellen. Bitte wenden Sie sich für Einzelheiten an unserer Abo-Verwaltung unter abo@smartinvestor.de.

In eigener Sache – einmalige Sonderaktion

Die oben erwähnte Linksammlung mit zusätzlichen Online-Informationen ergänzt unseren Artikel „Zug um Zug“ in der aktuellen Smart Investor Ausgabe 7/2012. Hier werden die Entwicklungslinien der amerikanischen Außenpolitik erläutert, vor deren Hintergrund auch einige aktuelle Konfliktherde in einem anderen Licht erscheinen, als es unseren von den Massenmedien geschulten Sehgewohnheiten entspricht.
In einer einmaligen Sonderaktion bieten wir allen Interessenten die uns noch nicht kennen – also bisher weder reguläre noch Probe-Abonnenten waren – die Möglichkeit uns kennenzulernen. Wir schenken Ihnen völlig kostenlos und unverbindlich die Smart Investor Ausgabe 7/2012. Sie gehen damit keine Verpflichtung ein und selbstverständlich werden wir Ihre Adressdaten auch nicht weitergeben.
Aber beeilen Sie sich, denn das Angebot gilt nur, solange der Vorrat reicht und der Vorrat ist begrenzt. Schreiben Sie einfac h eine kurze Mail mit dem Stichwort „Einmalige Sonderaktion“ an abo@smartinvestor.de.

Fazit

Sie haben es getan. Wie erwartet wurden ESM und Fiskalpakt routiniert auf die Schienen gesetzt und können nur noch durch ein „Wunder von Karlsruhe“ gestoppt werden. Unerwartet war dagegen die ausgesprochen schwache Verhandlungsführung der Regierung Merkel in Brüssel. Für die Opposition ist das allerdings kein Grund zur Schadenfreude, sondern eher Anlass zur Scham. Schließlich war sie es, die erst das Brecheisen bereitgestellt hat, mit dem Italiens Monti die deutschen Sparschweine knacken konnte.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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