Smart Investor Weekly 42/2012: Über Preise und Kurse – Preisinflation einmal anders

Wenn „Pfeffersäcke“ Politik machen
Der „Internationale Karlspreis zu Aachen“ ist wohl das bekannteste Beispiel eines politisch motivierten Preises. Er geht auf den Aachener Textilkaufmann Dr. Kurt Pfeiffer zurück, der einst darüber nachdachte, „wie er und seine Freunde aktiv und öffentlichkeitswirksam Einfluss auf das politische Geschehen in Europa gewinnen und bei einer friedlichen Gestaltung der Zukunft mitwirken könnten, ohne die langwierigen Entscheidungsprozesse politischer Parteien oder Parlamente durchlaufen zu müssen.“ Die eigene Agenda über das Parlament hinweg voranzutreiben ist also geradezu eine Voraussetzung um hier ausgezeichnet zu werden. Insofern geht die Kritik an manchem Preisträger der jüngeren Vergangenheit, der die „langwierigen Entscheidungsprozesse“ des Parlaments allzu sportlich umging, ins Leere. Einer der Schirmherren ist übrigens der ehemalige „DDR-Bürgerrechtler mit Reiseprivileg“, Joachim „Wo-muss-ich-unterschreiben?“ Gauck. Es ist schon ent-larve-nd, wie ungeniert sich die Nomenklatura inzwischen selbst beklatscht. Lediglich mit der „friedlichen Gestaltung der Zukunft“ hapert es noch ein wenig, wie man nun fast im Wochenrhythmus bei blutigen Straßenschlachten in den Metropolen der EU beobachten kann.

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Gar nicht so nobel
Im Vergleich zum Aachener „Pfeffersack“ Pfeiffer war der schwedische Dynamit-Erfinder Alfred Nobel buchstäblich ein anderes Kaliber. Betrachtet man den deutschen Wikipedia-Eintrag, so wird uns Nobel in einer dürren dreizeiligen Einführung als „Chemiker und Erfinder“ präsentiert. Na, da fehlt doch was?! Richtig, in der englischen Fassung lesen wir weit weniger weichgespült, womit der gute Alfred sein Geld verdient hat, nämlich mit Sprengstoff und Waffen. Der spätere Stifter des „Friedensnobelpreises“ war nämlich unter anderem auch „armaments manufacturer“, also ein Rüstungsproduzent. Wie das zusammenpasst? Wikipedia (deutsch) arbeitet kräftig an der Legendenbildung und widmet „Nobels Einstellung zum Krieg“ einen ganzen Absatz, wo wir unter anderem erfahren, wie sehr Nobel den Krieg gehasst habe, obwohl der doch so einträglich war. Ein vergleichbar tiefblickender Absatz in Nobels Gedankenwelt fehlt in der englischen Fassung. Nobel revolutionierte durch das Pulver Ballistit nicht nur „die gesamte Schusstechnik, von der Pistole bis zur Kanone“; er hasste den Krieg sogar so sehr, dass er noch zwei Jahre vor seinem Tod das Unternehmen Bofors kaufte und es zu einem führenden Produzenten von Kanonen und anderer Rüstungsgütern umbaute. Dies freilich lesen wir nur in der englischen Wikipedia-Fassung („… Bofors, which he[!] had redirected from its previous role as primarily an iron and steel producer to a major manufacturer of cannon and other armaments.“). Da wir nun den Preisstifter und seine Liebe zum Frieden etwas näher kennengelernt haben, aus aktuellem Anlass ein Blick auf die diesjährigen Preisträger.

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Und der Gewinner ist…
Trotz des Hypes, den die Medien um Preisverleihungen veranstalten, ist es tatsächlich so, dass die meisten Exponenten dieses Systems, das unser Gastautor Peter Boehringer als „selbstreferentiell“ bezeichnet, in der Regel mindestens einmal in ihrer Dienstzeit das Opfer irgendeiner Preisverleihung werden. Nun also die EU, oder wie es der Boulevard so unnachahmlich schelmisch formuliert „wir alle“. Und es war auch nicht der Faschingsorden „Wider den tierischen Ernst“, den man erhielt, denn dazu ist es erstens noch zu früh und zweitens der ganze Apparat zu unspaßig. Nein, es ist der „Friedenspreis“ des noblen Sprengmeisters Alfred. In der Tat, verglichen mit der Sprengkraft des Euros ist sein schnödes Dynamit in jeder Beziehung eine Erfindung des vorvergangenen Jahrhunderts. Auffällig ist allerdings, wie sich die Preise rund um die aktuellen Machthaber und Fürsprecher der Machthaber konzentrieren – man feiert sich selbst, weil es sonst keiner tut. Andererseits gibt es von der Metaebene auch Positives zu vermelden: Das Preisgeld musste von 10 Mio. SKR um satte 20% auf 8 Mio. SKR reduziert werden – die erste Kürzung seit mehr als 60 Jahren! Da die Nobel-Stiftung die Preisgelder mit ihrem Stiftungsvermögen an Märkten erwirtschaften muss, ist sie eine direkte Betroffene der unter anderem von EU und EZB betriebenen Politik der Finanziellen Repression. Im Gegensatz zu den Preisträgern scheinen Märkte also einen ebenso herzerfrischenden wie grimmigen Sinn für Humor zu besitzen. Sollte das Nobelpreiskomitee seine in den letzten Jahren gezeigte Tendenz zur Wahl unmöglicher Preisträger auch 2013 fortsetzen, so schlagen wir vorsorglich schon einmal die Gebühreneinzugszentrale GEZ vor, die immerhin erst die friedensstiftende Aufklärungsarbeit des Staatsfernsehens ermöglicht.
Im Windschatten der großen Preise fiel für Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker diesmal leider nur ein kleiner Preis ab. Von der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) wird er als „Kommunikator des Jahres 2012“ ausgezeichnet. Die Begründung der Jury deutet allerdings auf gewisse Schwierigkeiten bei der Phrasengenerierung hin: „Jean-Claude Juncker ist ein vorbildlicher und verbindlicher Kommunikator, der sich insbesondere als herausragender Vermittler auf dem europäischen Parkett zur Euro-Stabilität auszeichnet.“ Herausragender Vermittler zur Stabilität? Hui. Immerhin, wer dem Publikum über viele Jahre selbst ein so faules Ei wie den Euro schönredet, der taugt offenbar nicht nur zum Vorbild dieser Branche, sondern ist für uns – weit über das Jahr 2012 hinaus – der GröKaZ – der größte Kommunikator aller Zeiten.

Zu den Märkten
Die Lage an den Märkten bleibt weiter unübersichtlich und – was wichtiger ist – politisch geprägt. Während man früher oft von den kurzen Beinen politischer Börsen oder den kurzen Beinen von Lügen sprach – wir sind nicht mehr bei Juncker – sind die Märkte des Jahres 2012ff nachhaltig politisch geprägt. Das liegt daran, dass die Börsen derzeit nicht etwa versuchen, einzelne politische Ereignisse, wie etwa Wahlergebnisse, einzupreisen, sondern von der Politik selbst regelrecht gesteuert werden. Am direktesten erfolgt das bei der Währung und an den Märkten für Staatsanleihen. Wie bereits in der Vorwoche beschrieben, wird derzeit alles getan, um selbst normale Zyklen mit aller Macht wegzubügeln. Denn hinter jedem konjunkturellen Tief könnte sich – so offenbar die Befürchtungen der Makroklempner – das Tor zur Hölle auftun. Die Aufgabe der Marktsteuerung besteht daher darin, zwar alles noch ein bisschen nach Markt aussehen zu lassen, ohne aber die brachialen, weil lange aufgestauten Bereinigungskräfte tatsächlich freizulassen. Vor diesem Hintergrund wird auch der politische Prozess selbst unter den gleichen Vorzeichen gemanagt: Es soll zwar alles noch ein bisschen nach Parlamentarismus und Gewaltenteilung aussehen, unerwünschte Entscheidungen werden aber ebenfalls nicht mehr zugelassen. Wir sind uns daher ziemlich sicher, dass Marktrückgänge oder gar -einbrüche relativ schnell in „bewährter“ Manier – also durch frisches Geld – abgefedert werden. Das Potenzial von Korrekturbewegungen sollte also begrenzt sein. Für die Entwicklung der Kaufkraft ist diese Politik mittel- bis langfristig allerdings verheerend. Entgegen manchen Lippenbekenntnissen ist der dadurch beförderte Kaufkraftschwund aber nicht nur Ergebnis sondern zu einem guten Teil auch Ziel. Denn einerseits wird die reale Belastung des Großschuldners Staat damit geringer und zum anderen wird Geld auf der Flucht vor Inflation noch die eine oder andere konjunkturelle Scheinblüte erzeugen.

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Musterdepot (Aktien)
Unser Limit für Royal Gold (WKN 885652, 230 Stück) ist gestern mit einem Kurs von 67,20 EUR aufgegangen.Unser Kauflimit für Linde bleibt bestehen. Weitere Veränderungen sind nicht veranlasst.

Musterdepot (Fonds)
Wir warten mit Engagements weiter ab.

Fazit
Die Preisverleihungen der letzten Monate, jetzt gipfelnd im Friedensnobelpreis für die EU, atmen zunehmend den Geist der Verzweiflung. Wo die Völker der Politik die Anerkennung verweigern, soll es ein wenig Selbstbeweihräucherung richten. Die Kraft solcher Symbolakte aber liegt nahe Null. Schlimmer noch. Wenn Preise auf diese Weise ins Feuer des politischen Tagesgeschäfts geworfen werden, geht der Schuss nach hinten los. Nicht das Ansehen des Preisträgers steigt, sondern das Ansehen des Preises sinkt. An den massiven Problemen eines Papiergeldsystems in der Endphase ändert sich dadurch nichts.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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