Smart Investor Weekly 43/2012: Wallstreet – das andere Hollywood

Planvoll demontiert
Die Geschichte der Bundesbank war über Jahrzehnte eine Erfolgsgeschichte. Ein Erfolg, der einigen Nachbarn offenbar zunehmend ein Dorn im Auge war, setzte die harte Deutsche Mark deren Währungen doch beständig unter Abwertungsdruck. Bundesbank und DM, sie mussten also weg. Im Gefolge der Wiedervereinigung bot sich die Chance, die ungeliebte „Wacht am Main“ zu demontieren. Der Euro wurde geboren. Soweit die Geschichte. Heute ist die Bundesbank nur noch ein Schatten ihrer selbst. Eingegliedert in das EZB-System wird Geldpolitik zwar immer noch in Frankfurt gemacht, aber nicht mehr bei der Bundesbank, sondern ein paar Häuser weiter und ein paar Stockwerke höher, bei der EZB. Der Frankfurter Geist der Geldwertstabilität, er weht zwar noch, aber er wirkt nicht mehr. So paradox es klingt, je öffentlicher sich Bundesbankpräsident Weidmann für eine Rückkehr zur Stabilitätspolitik stark macht, desto augenfälliger demonstriert er damit, dass die Bundebank keinen bestimmenden Einfluss mehr auf die Gemeinschaftswährung hat. Wie schon zu DM-Zeiten vertritt sie eine Minderheitsposition – jetzt aber zahnlos.

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Näher an den Rohstoffmärkten geht nicht.
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Gesichtsverlust
Der Nimbus der einst hoch angesehenen Bundesbank ist also dahin. Und wie es so ist, wenn man einmal in die Defensive geraten ist, brechen auch jene Fragen wieder auf, die man einst, aus einer Position der Stärke heraus, noch an sich abperlen lassen konnte. Etwa die nach den im Ausland verwahrten deutschen Goldreserven. Natürlich wissen auch wir nicht, was damit los, was aber wirklich schlimm ist, die Bundesbank selbst weiß es offenbar auch nicht so genau. Denn Inventuren des Auslandsgoldes in Form von echten physischen Bestandsaufnahmen hat es offenbar noch nie gegeben. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler brachte diesen Stein vor ziemlich genau zwei Jahren mit einer Anfrage zu den Goldbeständen der Bundesbank erneut ins Rollen. Seiner Beharrlichkeit ist es zu verdanken, dass schließlich sogar der Bundesrechnungshof – als einer der zuständigen Prüfer der Bundesbank – aktiv wurde. Als Ergebnis forderte dieser nun die Bank auf, das Auslandsgold stichprobenartig zu überprüfen.


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Goldiges Medienecho
Interessant ist, was unsere Flaggschiffmedien daraus gemacht haben: Schon im unmittelbaren Vorfeld dieser Entwicklung stimmte spiegel-online.de (SPON) seine Leser am 14.10. unter der Rubrik „Verschwörungstheorien der Wirtschaft“ mit dem Artikel „Das geplünderte Golddepot von Fort Knox“ auf die aktuelle Entwicklung ein. Dort wurde jeglicher Zweifel an der Werthaltigkeit und der Anzahl der vorhandenen Goldbarren ins Lächerliche gezogen – faktenfrei. Denn natürlich hatte auch Autor Diekmann keinerlei Einblick in die ausländischen Tresore. Offenbar traute man diesem Beitrag so wenig Wirkung zu, dass bei SPON nur 10 Tage später, also heute, Wolfgang Münchau mit der Kolumne „Die Gold-Michel vom Rechnungshof“ ran musste: Bemüht spricht er von „Goldkäfern“, „uralter deutscher Paranoia“ und meint „eine der amüsantesten Wirtschaftsgeschichten seit langem“ entdeckt zu haben. Aus der Verschwörungstheorie wurde nun also eine putzige Geschichte zum Mitlachen. Dumm nur, dass kaum einer bei Münchaus ungelenken Versuchen in Sachen Humor mitlachen will, schon gar nicht auf Kommando. Die Leserkommentare stellen seiner gehässigen Propaganda jedenfalls ein vernichtendes Zeugnis aus. Gewiss, uralte Paranoiker, was haben wir gelacht.

Ein anderes Konzept verfolgt dagegen die Onlineausgabe der BILD-Zeitung. Im Beitrag „Bundesbank holt Auslands-Gold zurück“ stilisiert sie sich zu einer der treibenden Kräfte der Bewegung. Das waren jedoch andere, z.B. Peter Gauweiler, oder die Initiative „Holt unser Gold heim“ der Taxpayers Association of Europe und der Deutschen Edelmetallgesellschaft. BILD machte in dieser Frage eher den Eindruck, als müsste man sie „zum Jagen tragen“, vor allem, wenn man bedenkt mit welchem Eifer andere Themen verfolgt werden. Zudem: Während die Überschrift suggeriert, das Thema Auslands-Gold sei nun erledigt, erfahren wir erst in einem Klammervermerk, dass lediglich ein winziger Teil des Auslands-Goldes zu Prüfzwecken(!) zurückgeholt wird – ganze 50 Tonnen pro Jahr auf drei Jahre verteilt – bei einem Goldbestand von rund 3.400 Tonnen relativieren sich diese insgesamt knapp fünf Prozent zu einem symbolischen Akt.

Zu den Märkten
Abwärts ging es in den letzten Tagen und zwar kräftig. Aber wie es immer so ist, wenn die Kurse sinken, dann sinkt auch die Stimmung. Das ist ein Teil der Börsennormalität. Dennoch besteht zu übertriebener Sorge vermutlich gar kein Anlass, denn Fed-Chef Bernanke stellte Mitte September unmissverständlich klar, dass die US-Notenbank erneut einbrechende Immobilien- oder Aktienmärkte nicht hinnehmen werde. Dies nicht etwa, weil Bernanke sein Herz für amerikanische Häuslebauer und Aktionäre entdeckt hätte, sondern weil beide Märkte aufgrund des hohen Investitionsgrades bei den Amerikanern zu Vermögenseffekten führen, die über den weiteren Verlauf der US-Wirtsc

haft mitentscheiden. Es wäre völlig widersinnig, auf der einen Seite ein neuerliches Quantitative Easing in Aussicht zu stellen, auf der anderen Seite aber tatenlos zuzusehen, wie die Märkte abstürzen, deren Verlauf sich so sehr auf Stimmung, Konsum und Investitionen auswirkt. Das heißt nun zwar ausdrücklich nicht, dass die (amerikanischen) Märkte fortan eine Einbahnstraße wären. Aber es bedeutet, dass die Fed Gewehr bei Fuß steht, um diese Märkte in brenzligen Situationen zu unterstützen. Fraglich ist nur wie viel Luft nach unten man der Entwicklung zugesteht. Wie in einem guten Hollywood-Western reitet die Kavallerie ja auch nicht schon am Beginn des Streifens ein, sondern erst gegen Ende, um aus höchster Gefahr zu retten. Mehr dazu lesen Sie in Smart Investor Ausgabe 11/2012, die am kommenden Samstag, 27.10.2012 erscheint.


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Musterdepot Aktien
Durch den Kursverfall der letzten beiden Handelstage rückte der DAX zwar heute im Tiefpunkt an seine untere Begrenzung des Aufwärtstrendkanals heran (siehe SIW von letzter Woche), durchbrochen hat er sie allerdings nicht. Sie verläuft derzeit bei rund 7.100 Punkten. Ein Schlusskurs unterhalb davon würde dafür sprechen, dass der Bullenmarkt erst einmal eine längere Pause einlegt. Allerdings sehen wir für Deutschland ohnehin die Gefahr einer Rezession, weshalb also schwächere Kurse bei deutschen Aktien kaum überraschen dürften.

Aus diesem Grunde sind wir im Musterdepot hierzulande auch nur mit drei Titeln investiert, die wir gewissermaßen als Sondersituation sehen/sahen. BayWa (WKN: 519 406) lief in den letzten Tagen sehr gut. Ende September meldete der Agrarhändler den Kauf zweier Unternehmen, durch den sich der MDAX-Konzern umgehend in die erste Liga auf dem weltweiten Getreidemarkt katapultierte. Für einen Kaufpreis von zusammen 161 Mio. EUR übernahm BayWa den niederländischen Getreidehändler Cefetra (Jahresumsatz 4,6 Mrd. EUR) sowie die niedersächsische Bohnhorst. Während Cefetra vor allem Getreide und Soja in Amerika aufkauft und damit Futtermittelproduzenten in Westeuropa beliefert, liegt der Fokus von Bohnhorst auf Osteuropa. Beide Unternehmen ergänzen BayWas bisherige, fast ausschließlich auf Deutschland beschränkte Aktivitäten im Getreidehandel, der sich dadurch von 5,6 auf knapp 30 Mio. Tonnen vervielfacht. Vorstand Klaus Josef Lutz erwartet, dass der Betriebsgewinn infolgedessen um mindestens 60 Mio. EUR ansteigen wird. An der Börse kamen diese Aussagen erwartungsgemäß gut an. Unter hohen Umsätzen markierte das Papier jüngst ein neues Jahreshoch.

Der Sanierungsspezialist Aurelius (WKN: A0J K2A) meldete heute recht ordentliche, aber im Rahmen der Erwartung liegende Neunmonatszahlen: der Umsatz legte 7% auf erstmals über 1 Mrd. EUR zu, das EBITDA explodierte geradezu um 237%. Das operative EBITDA, welches um einmalige Effekte wie z.B. Gewinne aus Unternehmensverkäufen bereinigt ist, ging jedoch um rund 15% zurück. Hier ist eine mögliche Folge einer heraufziehenden Rezession zu sehen. Und in der Tat sehen wir bei diesem Titel eine eher größere Abhängigkeit von der Konjunktur, weshalb wir Aurelius unter verschärfte Beobachtung stellen. Auf der anderen Seite ist weit über die Hälfte des Börsenwertes mit Cash-Reserven unterlegt, was dem Titel einen gewissen Value-Charakter verleiht.

Sorgen müssen wir uns allerdings um den Online-Reifenhändler Delticom (WKN: 514 680) machen. Einen regelrechten Einbruch beim Gewinn (EBIT) um 55% im dritten Quartal musste die Gesellschaft vermelden, weshalb auch die Jahresprognose kassiert wurde. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Dass der bisherige Wachstumstrend so jäh enden könnte, ist eine Überraschung für uns. Der Kurs schmierte infolgedessen auf derzeit 40 EUR ab. Da dieses Geschäftsmodell und die Bewertung (KUV ca. 1; KGV nun vermutlich 20) keinen Gewinnrückgang verträgt, legen wir vorsichtshalber einen Stopp-Loss unter das jüngste Tief. Wenn 38,60 EUR auf Schlusskursbasis (Frankfurt 17.30 Uhr) unterboten werden, dann wird zur Eröffnung des folgenden Tages verkauft. Mehr zu Delticom im November-Heft.

Der DAX-Wert Linde (WKN: 648300) gab ebenfalls zuletzt deutlich nach und notiert derzeit bei 127 EUR und damit nur noch knapp 3% über unserem Kauflimit von 124 EUR. Das Kauflimit wird ersatzlos gestrichen, da wir uns inzwischen noch tiefere Kurse vorstellen können.

Wider Erwarten präsentierte sich Wall Street und insbesondere die Nasdaq sehr schwach, wie oben erwähnt wurden wichtige Marken unterboten. Falls sich der Abwärtsgang nicht abschwächt, werden wir einen unserer beiden Nasdaq-Titel mit Stopp-Loss verkaufen, nämlich Intel (WKN: 855 681). Die Aktie hat bei den derzeitigen rund 21,50 USD eine massive Unterstützungszone. Sollte diese nach unten gebrochen werden, könnte das ein Zeichen für Schlimmeres sein. Wir setzen ein Stopp-Loss bei 20,40 USD. Sollte diese Marke auf Schlusskursbasis (New York; 22.00 Uhr) gebrochen werden, so verkaufen wir zur Eröffnung des Folgetages hier in Frankfurt.

Ausführungen zu einigen anderen Titeln finden Sie im Heft, welches am Samstag erscheint.

Das Verkaufslimit für den DAX-Put (WKN GT0 W2Z) bleibt bei 0,52 EUR.

Musterdepot Fonds
Keine Änderungen

Veranstaltungshinweis
„Vom Unternehmer zum Stifter – Ideen. Einblicke. Zukunft.“ Unter diesem Motto treffen sich am kommenden Montag, 29.10.2012 Unternehmer und Stifter in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München zum Erfahrungsaustausch.
Neben Karl Ludwig Schweisfurth (Gründer, Schweisfurth-Stiftung) und Stefan Voelkel (Geschäftsführer, Voelkel GmbH, und Gründer, Voelkel-Stiftung), die ihre Erfahrungen als Unternehmer und Stifter an Sie weitergeben, berichtet Dr. Rupert Graf Strachwitz (Direktor, Maecenata Institut Berlin), einer der profiliertesten Kenner des deutschen Stiftungswesens, aus der Praxis. Im Anschluss geht Burkhard Wagner (Vorstand, PARTNERS VermögensManagement AG) der Frage des Vermögenserhalts in unsicheren Zeiten nach, bevor eine Führung durch die neue Ausstellung „Pracht auf Pergament – Schätze der Buchmalerei“, Buffet und Austausch den Abend abschließen.
Als Bezieher des Smart Investor Weekly bieten wir Ihnen nun an, sich einen der 5 noch verfügbaren Plätze für dieses außergewöhnliche Event unseres Schwestermagazins Unternehmeredition zu sichern.
Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Alexandra Jung, Tel.: 089/2000 339-56, jung@unternehmeredition.de

Die Printausgabe Smart Investor 11/2012 erscheint am Samstag, 27.10.2012. Als Abonnent des Smart Investor können Sie das Heft bereits ab Donnerstag, 25.10.2012 im geschlossenen Nutzerbereich „Mein Smart Investor“ auf www.smartinvestor.de als PDF herunterladen.

Fazit
Das Thema der deutschen Goldbestände gewinnt an Momentum. Die Erklärungsmuster und Deutungen des Mainstreams finden jedoch immer weniger Gehör bei Lesern und Zuschauern, wie man an den Kommentarspalten der großen Medien ablesen kann. An den Märkten wurde es in den letzten Tagen wieder stürmischer. Über kurz oder lang, wird das die (Notenbank-)Politik auf den Plan rufen. Eine Schamgrenze für Markteingriffe gibt es ohnehin nicht mehr.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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