Editorial Smart Investor 11/2012

Der Immobilienmarkt, insbesondere hier in Deutschland, ist in Aufruhr. In einigen Großstädten wie Berlin oder kleineren Hotspots wie Regensburg ziehen die Preise rasant an – Steigerungen um 10% p.a. und mehr waren hier in den letzten beiden Jahren der Normalfall. Zwei mögliche Gründe: Erstens ist darin ein Aufholprozess gegenüber den exorbitanten Preissteigerungen in den Südländern seit der Euro-Einführung zu sehen. Zweitens kommt dazu, dass Deutschland aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke in der schwelenden Krise offensichtlich als Fluchtburg für Vermögende gesehen wird.

Dabei haben wir zur Immobilienanlage eine durchaus ambivalente Einschätzung. Einerseits handelt es sich hierbei um einen Sachwert, welcher prinzipiell den Kaufkraftschwund der Währung ausgleichen kann. Direktanlagen, aber auch Immobilienaktien oder -fonds halten wir vor diesem Hintergrund für akzeptable Investments. In der Titelgeschichte ab S. 12 nennen wir und ab S. 62 Frank Neumann vom Bankhaus Lampe interessante Immobilienaktien vom deutschen Kurszettel. Immobilienfonds und REITs sowie auch Derivate werden ab S. 36 besprochen.

Andererseits könnte genau dieser Vermögensschutzaspekt der Immobilie demnächst auch Begehrlichkeiten seitens des Staates wecken. Wie im Kapitalschutzreport im letzten Heft ausgeführt, werden vermutlich vor allem Immobilienbesitzer irgendwann zur Begleichung der Euro-Rettungsorgien herangezogen werden. Der Artikel auf S. 18 zum Thema Lastenausgleich zeigt Entwicklungen aus der Weimarer bzw. Nachkriegszeit auf und erläutert, warum Ähnliches heute nicht ausgeschlossen ist. Immobilien sind eben immobil, deren Besitz ist völlig transparent und zudem ist der Markt riesig groß. Klar, dass Financial Repression vor allem hier ansetzen dürfte. Ein aktuelles Beispiel aus Italien findet sich auf S. 25.

Dass wir diese zukünftigen Entwicklungen nicht aus den Augen verlieren, erkennen Sie auch daran, dass sich Smart Investor vermehrt bei Veranstaltungen einbringt, in welchen es um diese Themen geht. So fand erst jüngst die „IfAAM Financial Repression Tour“ in Wien und Kassel statt, welche Smart Investor als Medienpartner begleitete – ein paar kurze Worte hierzu auf S. 48. Weiterhin fand Anfang Oktober eine Reise nach Nova Scotia in Kanada statt, welche F.E. Properties zusammen mit Smart Investor für Interessierte an einem zweiten regionalen Standbein organisierte. Einen Rückblick dazu gibt es im kommenden Heft. Aufgrund der großen Nachfrage planen wir übrigens im nächsten Jahr eine weitere Reise dorthin.

Dass wir in dieser Ausgabe die anstehenden Wahlen zur US-Präsidentschaft kaum behandeln, hat vor allem damit zu tun, dass wir sie als „Non-Event“ betrachten. Welcher von beiden Kandidaten auch gewinnen wird, gravierende Änderungen in der Politik sind aus unserer Sicht ohnehin nicht zu erwarten – zumal Obama ohnehin der glasklare Favorit ist.

Ich hoffe, dass wir Ihnen dennoch einen interessanten Lesestoff bieten können.

Herzlichst
Ralf Flierl