„Gold muss man als Währung sehen“

Smart Investor: China ist einer der führenden Nachfragerstaaten für Industriemetalle und der stärkste Kupferverbraucher. Welche Auswirkungen auf den Kupferpreis hat eine Abschwächung der Konjunktur in China?
Hambro: China hat 1995 rund 10% der weltweiten Kupferproduktion verbraucht, 2010 waren es bereits 37% und für 2025 werden 51% erwartet. China hat sehr hohe Währungsreserven. Im Unterschied zu Europa und den USA kann das Land seine Reserven nutzen, um eine harte Landung der Konjunktur zu verhindern. Das bedeutet, dass der Kupferpreis in den kommenden Jahren sehr gut unterstützt ist, selbst wenn das Wachstum Chinas unterhalb dessen liegt, was wir aktuell sehen. Kupfer wird daher ein Schlüsselthema im Bereich der Industriemetalle bleiben. Längerfristig wird es in China geringere, aber dafür nachhaltige Wachstumsraten geben. 8 bis 10% Zuwachs pro Jahr sind auf lange Sicht nicht durchhaltbar.

Smart Investor: Wie stellen sich die Zukunftsaussichten der Industriemetallminen dar?
Hambro: Die Erzgehalte von Zink, Kupfer und Nickel im geförderten Gestein nimmt ab und wird auch künftig weiter zurückgehen. Vor dieser Herausforderung stehen die Minen. Damit ist verbunden, dass die Schürfung kostenintensiver wird. Das führt zu steigenden Metallpreisen. China gehört zu den großen Nachfragern auch bei Eisenerzen. Im Unterschied zu den großen Minenunternehmen wie Vale, Rio Tinto und BHP Billiton sind die Kosten für die Eisenherstellung in China allerdings sehr hoch. Die Gründe liegen hier auch zum Teil im Erzgehalt des Gesteins, aber auch in der mangelhaften Infrastruktur.

Smart Investor: Welche Einschätzung haben Sie zu Gold und zu Goldminenaktien?
Hambro: Der Goldpreis der vergangenen zwölf Monate hat sich auf vergleichsweise hohem Niveau in einer Tradingrange bewegt. Der aktuelle Preis ist für die Goldproduzenten sehr komfortabel. Die Zentralbanken gehörten viele Jahre zu den Goldverkäufern. Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren umgekehrt. Hier werden wieder Bestände aufgebaut. Notenbanken halten Fremdwährungen, über die sie nicht glücklich sind. Es gibt immer mehr Länder, die diese Bestände mit Gold diversifizieren. Auf der Investmentseite gab es eine starke Goldnachfrage durch ETFs. Dieser Trend flaut ab. Die jüngste Entwicklung zeigt bei den Investoren eine hohe Nachfrage nach physischem Gold. Das Edelmetall ist die älteste Währung der Welt, und es ist auch die einzige Währung, die im Lauf der Zeit ihren Wert nicht verloren hat. Für uns war das Auseinanderdriften des Goldpreises und des Preises der Goldminenaktien frustrierend. Während Gold stieg, fielen die Goldminenaktien weiter. In der Vergangenheit wurden Goldminenaktien bei einem KGV von 20 gehandelt, mittlerweile liegen sie bei der Hälfte, und das obwohl die Minen Rekordgewinne einfahren.

Smart Investor: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?
Hambro: Ein Grund dafür waren die bereits angesprochenen Gold-ETFs. Investoren haben direkt in Gold investiert und sind nicht den Umweg über die Goldminenaktien gegangen. Goldminenunternehmen haben gute Gewinne gemacht. Diese wurden allerdings nicht in Form von Dividenden an die Anteilseigner ausgeschüttet. Bei vielen Unternehmen gab es ein schlechtes Management, das auch selbst keine Aktien der Unternehmen besessen hat. Wir haben viele Jahre auf Dividendenausschüttungen gedrängt. Mittlerweile sind wir in dieser Hinsicht erfolgreich. Obwohl der Markt das noch nicht so sehr wahrgenommen hat, gab es einen starken Anstieg der Dividenden in der Branche. Goldminenaktien sind eine Alternative zu Gold-ETFs. Allerdings zahlen letztere keine Dividenden und werden auch nie eine zahlen. Wir gehen davon aus, dass künftig eine Normalisierung der Bewertungen bei den Goldminenaktien eintreten wird. Wenn man die Produktionskosten betrachtet, sieht man, dass Öl und Eisen vergleichsweise billig sind, so dass von dieser Seite in nächster Zeit kein Druck auf die Gewinne zu erwarten ist. Die Kapitalkosten sind ebenfalls niedrig.

Smart Investor: In Ländern, in denen sich Minen befinden, existieren oft hohe politische Risiken oder Risiken durch Arbeitskämpfe. Darüber hinaus gibt es immer wieder Kritik von Umweltschützern. Wie gehen Sie mit diesen Risiken um?
Hambro: Das ist eine große Herausforderung. Besonders schwierig ist die Situation in Südafrika. Dort gibt es hohe Lohnforderungen, die aggressiv vorgetragen werden. Wir haben daher Südafrika in unseren Fonds massiv untergewichtet. In den Minen werden Rohstoffe wie Kohle abgebaut, die im alltäglichen Bereich benötigt werden. Insofern ist eine pauschale Kritik am Abbau von Rohstoffen wenig hilfreich. Für unsere Fonds haben wir ein Corporate-Governance-Team, das sich auch mit der Handhabung von umweltspezifischen Fragen in den Minen beschäftigt.

Smart Investor: Mr. Hambro, vielen Dank für Ihre Ausführungen.

Interview: Christian Bayer

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Evy Hambro ist Chief Investment Officer des Natural Resources Equity Team bei BlackRock. Er ist u.a. für das Management der Fonds BGF World Mining und BGF World Gold verantwortlich. Darüber hinaus betreut er weitere gesonderte Portfolien. Er ist seit 1994 im Unternehmen, einschließlich der Jahre bei Merrill Lynch Investment Managers (MLIM), die sich 2006 mit BlackRock zusammengeschlossen haben. Den Bachelor of Science-Titel im Bereich Marketing der Universität Newcastle hat er 1994 mit Auszeichnung erhalten.