SIW 50/2012: Berge von Gold

Ende der Gold-Hausse?
Von einem vergleichsweise großen Medienecho wurde die jüngste Prognose der US-Investmentbank Goldman Sachs (GS) zur Goldpreisentwicklung begleitet. Die Bank, die entgegen der allgemeinen Wahrnehmung, offiziell noch immer als Nichtregierungsorganisation gilt, proklamierte ein Ende der Gold-Hausse. Zumindest die Medien nahmen diese Steilvorlage dankbar auf, um wieder einmal vor der Gefährlichkeit des gelben Metalls zu warnen. Dabei waren die Prognosen der Goldmänner nicht so spektakulär, wie es auf den ersten Blick erscheint. Die Kursziele für die Jahre 2013 (1.800 USD/Feinunze) und 2014 (1.750 USD/Feinunze) wurden zwar nach unten korrigiert, liegen aber noch immer über den aktuellen Preisen. Dies wäre ein außergewöhnlich komfortables Ende einer Hausse.
In seiner Freude über die „gute Nachricht“ übersah der Mainstream allerdings das Naheliegende: Goldman Sachs ist nicht unbedingt ein neutraler Marktbeobachter oder eine Non-Profit-Organisation, die kostenlos Studien unter das Volk streut, auf dass sich dieses eine goldene Nase verdiene. „Gottes Werk“, wie es GS-Chef Blankfein in unnachahmlicher Bescheidenheit formulierte, tut man dort nämlich nur, solange auch die Kasse stimmt. Und die stimmte nach manchen GS-Studien der Vergangenheit so gut, dass das Unternehmen mittlerweile „einschlägig vorbestraft“ ist, sofern dieser Begriff auf Unternehmen überhaupt anwendbar ist.

Anzeige ___________________________________________________________________


__________________________________________________________________________________

Goldenes Kernkapital?
Wenn man dann noch berücksichtigt, dass – wie der Geschäftsführer des Sachwert- und Edelmetallspezialisten Solit Kapital GmbH, Robert Vitye in seinem heutigen Marktkommentar hervorhebt – derzeit heftig um eine Neudefinition des Kernkapitals von Banken gerungen wird und dabei – man höre und staune – nach den Ideen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und etlicher Bankenvertreter Gold wieder eine Rolle spielen solle, wird aus der ganzen Sache vielleicht doch noch ein Schuh. Tatsächlich hat niemand ein Interesse daran, dass sich das gelbe Metall in den Händen von Krethi und Plethi sammelt, wo es doch für „Gottes Werk“ so dringend benötigt wird. Auch die „Süddeutsche“ vergießt heute Krokodilstränen über das ungeschickte Anlageverhalten der Leute im Lande: „Deutsche sitzen auf Bergen von Gold“ lesen wir da und kommen vor lauter Sorge kaum in den Büroschlaf. Dabei sind – abgesehen von der Zugspitze – die höchsten Berge der Deutschen doch Staatsanleihen, Termineinlagen und Lebensversicherungen – und das sind Berge, die allen Anlass zur Sorge geben sollten – auch der „Süddeutschen“.
Allerdings sehen auch wir nach der jüngsten „Entspannung“ in der Krise des Euro-Raums – eigentlich eine erneute Verschiebung der „Stunde der Wahrheit“ – ebenfalls für den Moment attraktivere Anlagen (s.u.) als die „Kassenhaltung in Edelmetallen“. Langfristig führt an diesen alternativen Geldformen jedoch kaum ein Weg vorbei und positionieren sollte man sich vorzugsweise dann, wenn es auch preislich attraktiv ist.

Anzeige ___________________________________________________________________



Näher an den Rohstoffmärkten geht nicht.
Wöchentlich & kostenlos: commodities weekly


commodities weekly der youmex Invest AG bietet Ihnen wöchentlich die aktuellsten Informationen aus der Welt der Rohstoffe. Neben News und einem Überblick der wichtigsten Marktereignisse stellen wir Ihnen jede Woche eine Rohstoff-Aktie im Fokus vor und vermitteln in der Rubrik Education das notwendige Know-How für Ihre Rohstoffinvestments.

Jetzt anmelden auf:
www.research.youmex.de
__________________________________________________________________________________

Zu den Märkten
Die Jahresend-Rally an den Aktienmärkten ist weiter im Gang und dürfte damit einmal mehr das wohl bekannteste Saisonmuster bestätigen. Aktuell ist auch wenig Störfeuer zu erwarten. Nach der letzten Griechenland-„Rettung“ ist an dieser Dauerbaustelle erst einmal Ruhe eingekehrt. Entscheidend für die weitere Marktentwicklung wird ohnehin der Einfluss der (Notenbank-)Politik bleiben. Der Wille der politischen Institutionen ist eindeutig auf eine moderate Re-Inflationierung gerichtet und wird auch künftig seine positiven Spuren an den Märkten für Sachanlagen hinterlassen. Natürlich kann es auf diesem Pfad zu Unfällen und Ausrutschern aller Art kommen. Aber auch hier lehrt die jüngere Historie, dass es einen unbedingten Willen zur Intervention gibt – koste es was es wolle. Zumal den Regierungen die positiven Auswirkungen steigender Aktien- und Immobiliennotierungen durchaus bewusst sind. Zudem sind viele dieser Interventionen – auch dies ist eine Folge der Dauerkrise – mittlerweile so gut institutionalisiert, dass sie zunehmend geräuschloser umgesetzt werden und die Krise dadurch immer öfter aus den Schlagzeilen herausgehalten werden kann. Angesichts der knapp fünf Billionen Geldvermögen der deutschen Privathaushalte ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis weitere Teile dieser Summen auf die Suche nach Werthaltigem gehen.
Besondere Aufmerksamkeit sollte man vor diesem Hintergrund den führenden Aktien ihres jeweiligen Bereichs widmen. Apple etwa ist für den NASDAQ100-Index genau in einer solchen Vorreiterrolle und zeigt nach den jüngsten Kursverlusten nun ernsthafte Stabilisierungstendenzen (USD-Chart):




Anzeige ___________________________________________________________________


_______

___________________________________________________________________________

Musterdepot Aktien
Ausgesprochen unglücklich wurden wir aus unserem Bund-Future Turbo Put (TB6 4SW) ausgestoppt. Nachdem der Frankfurter Schlusskurs von 6,31 EUR am 5.12. den Stopp-Loss von 6,30 EUR gerade nicht ausgelöst hatte, ging es am Folgetag um rund 10 % auf 5,60 EUR nach unten und führte gemäß unserer Regelung am darauffolgenden 7.12. zur Veräußerung des Scheins zu einem Kurs von 5,55 EUR. Gerade vor dem Hintergrund dieser Verkettung unglücklicher Umstände überlegen wir, unsere Stopp-Loss-Ausführungen – gerade bei Hebelinstrumenten – etwas realitätsnäher zu gestalten. Der interessierte Leser hätte auch bei einem stehenden Stopp auf Intraday-Basis die Chance, die Aktionen zeitgleich mit dem Musterdepot nachzuvollziehen.

Ein weiteres Derivat, das keine Freude machte, war unser DAX-Put (GT0 W2Z, akt. Kurs: 0,017 EUR). Da der Schein nur noch eine Restlaufzeit bis zum 9.1.2013 aufweist, sollte er zur Sicherstellung der steuerlichen Anrechenbarkeit des Verlustes unbedingt veräußert werden. Eine realistische Chance auf eine Erholung sehen wir in den wenigen verbleibenden Handelstagen nicht mehr. Wir verkaufen unseren Bestand zur morgigen Eröffnung bestens.

Unser Kauflimit von 29,60 EUR für weitere 300 Aktien der Südzucker AG (WKN 729 700, akt. Kurs: 30,58 EUR) wurde verfehlt und bleibt bestehen.

Ebenfalls verfehlt wurde unser Kauflimit von 26,40 EUR für 300 Aktien der Morphosys AG (WKN 663 200, akt. Kurs: 28,96 EUR). Wir passen dieses Limit nun auf 28,30 EUR an, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, bei dieser ersten Tranche zum Zug zu kommen.

Als weitere Neuaufnahme für unser Musterdepot haben wir die Anteilscheine von IBM International Business Machines (WKN 851 399, akt. Kurs: 148,96 EUR) vorgesehen. Das Unternehmen ist fundamental bestens aufgestellt und kauft aus seinen laufenden Erträgen regelmäßig eigene Aktien zurück. Näheres hierzu finden Sie in unserem aktuellen Heft Smart Investor 12/2012 im Interview mit Dr. Uwe Rathausky „Value-Investing ist die Arbitrage zwischen Preis und Wert“ ab S. 76, oder in unserem Beitrag „Watchlist für den Herbst“ in Smart Investor Ausgabe 9/2012 ab S. 12. Wir ordern 120 Stück bestens zur morgigen Eröffnung in Frankfurt (Depotanteil: ca. 6,2 %).

Musterdepot Fonds
Wir erwerben 120 Anteile des Main First Classic Stock Fund (WKN: 722 755; akt. Kurs 101,84 EUR) am morgigen Donnerstag zur Eröffnung der Frankfurter Börse, womit diese Position in etwa 9% des Depots ausmachen wird. Damit wollen wir im Fondsmusterdepot eine Position in Euroland-Aktien aufbauen, da wir hier bisher nicht fokussiert vertreten sind. Fondsmanager Eichler hält für das Portfolio Ausschau nach unterbewerteten Titeln und betreibt konsequentes Stockpicking. Beschränkungen hinsichtlich der Marktkapitalisierung gibt es nicht. Auch hinsichtlich der Branchen und Länder unterliegt Eichler, der bislang bei der Aktienauswahl ein gutes Händchen hatte, keinen Restriktionen.

Fazit
Wenn eine Adresse wie Goldman Sachs gegen Gold schreibt und wenn der Mainstream das – wie eigentlich immer – dankbar aufnimmt, ist der fundamentale Datenkranz für das Metall weiter intakt. Mögliche Kursrückgänge, sollten daher eher zur Aufstockung von Beständen genutzt werden. Aktuell favorisieren wir allerdings Aktienanlagen, die derzeit zusätzlich saisonalen Rückenwind verspüren.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier wird zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

Abonnements:
Ein kostenloses zweimonatiges Kennenlern-Abo des Magazins Smart Investor kann hier angefordert werden.

Das Magazin:
Das aktuelle Inhaltsverzeichnis des Smart Investor Magazins ist hier einzusehen.

eMail-Versand:
Sollten Sie den eMail-Versand abbestellen wollen, so benutzen Sie bitte den Abmelde-Link unter dem Newsletter bzw. schicken uns eine eMail mit dem Betreff „Abbestellen des SIW“ an weekly@smartinvestor.de.

Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

Impressum
Smart Investor Media GmbH

Hofmannstr. 7a
81379 München
Tel.: 089/2000 339 – 0
Fax: 089/2000 339 – 39
HRB: 149 664 Amtsgericht München
USt.ID.Nr.: DE207669469
Vertretungsberechtigter Geschäftsführer: Ralf Flierl
info(at)smartinvestor.de

Inhaltlich Verantwortlicher gemäß § 10 Absatz 3 MDStV:
Ralf Flierl