SIW 5/2013: Absolute und relative Kursbewegungen

Diskussion angestoßen
Selten hatten wir so viel Feedback auf einen Smart Investor Weekly, wie auf die letzte Ausgabe „SIW 4/2013: Deutschland, Land der „Sexisten““. Entgegen dem, was der Mainstream gerne glauben machen will, war auch unsere Leserschaft überwältigend der Meinung, dass „Dirndl-Gate“ eine ziemlich konstruierte Angelegenheit war, deren große Resonanz innerhalb(!) des Mainstreams sich dadurch erklärte, dass mehrere Fliegen mit einer Klappe erschlagen werden konnten: Pro Feminismus und Genderismus, Contra FDP und weiße Männer ganz allgemein. Wer wollte da nicht mitjohlen?! Inzwischen ist das Thema abgeflaut. Dafür ist Frau Annette Schavan, derzeit Bundesministerin für Bildung und Forschung in die Schlagzeilen geraten. Über das Thema „Person und Gewissen“ scheint sie trotz einiger „Flüchtigkeitsfehler“ vor allem theoretisch Bescheid zu wissen. Denn während sich Schavan bei der Diskussion um die Aberkennung des Doktortitels von Karl-Theodor zu Guttenberg „nicht nur heimlich schämte“, scheint ihr öffentliches Schämen in eigener Sache nicht so zu liegen. Jetzt, wo der Doktortitel erst einmal futsch ist, klammert sie sich an das Amt und genießt dafür das „volle Vertrauen“ von Duzfreundin Kanzlerin – Politikerinnen eben. Für den Zuschauer ist allemal auffällig, welches Kesseltreiben seinerzeit gegen Guttenberg – auch unter Beteiligung Schavans – stattfand, und wie viel Verständnis, Nachsicht und Relativierung uns in ihrem Fall zugemutet wurde und wird. Zweierlei Maß, wie gehabt.

Unseren Aufruf an die Leser zur Diskussion bezogen wir im letzten Weekly nicht nur auf die Tagesaktualitäten, sondern auch auf das Grundsätzliche. Denn es sind die grundlegenden Fragestellungen, die unseren Blick für das Aktuelle schärfen und uns die Einordnung in einen Gesamtzusammenhang erlauben. Wer den täglichen Nachrichten ohne ein Wertesystem ausgesetzt ist, in dem er „geerdet“ ist, wird dagegen schnell zum Spielball von Manipulation und medialer Umerziehung. Vielleicht ein Grund, warum allenthalben der Beliebigkeit das Wort geredet wird. Für uns jedenfalls Grund genug, die Dinge aus der Vogel- oder auch Froschperspektive, in jedem Fall aber mit Distanz zu betrachten. Hier also noch einmal die Links auf die Editorials 1/2013 und 2/2013 von Smart-Investor-Chefredakteur Ralf Flierl und das Interview mit dem Verleger Wolfram Weimer. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare am Ende der jeweiligen Beiträge (nur für eingeloggte Benutzer des Bereichs „Mein Smart Investor“).

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Zu den Märkten
Ein zwiespältiges Bild liefert derzeit der amerikanische S&P500-Index. Die mit den Paniktiefs im März 2009 begonnene Aufwärtsbewegung flachte sich über die letzten Jahre immer weiter ab (oberer Teil der Abbildung). Während der Markt immer weniger nach unten wollte (oder durfte), wollte er auch nicht mehr richtig nach oben. Seit Ende 2011 bildet sich eine sogenannte Keilformation heraus. In einem solchen Aufwärtskeil steigen die Bewegungstiefs schneller an, als die Bewegungshochs, weshalb die untere Begrenzungslinie einen steileren Anstiegswinkel aufweist. Wenn man genau hinsieht, gab es bis Herbst 2012 sogar einen engeren Keil, der nach unten durchbrochen wurde. Wir waren damals – nicht nur deshalb – skeptisch für Aktien gestimmt. Die Erklärungen der Notenbank-Chefs Bernanke und Draghi fingen die kritische Situation seinerzeit aber wieder ein.

Wie entstehen derartige Keilformationen eigentlich? Wir bieten an dieser Stelle eine etwas unkonventionelle Erklärung an: Die vorherrschende Aufwärtsbewegung führt zu einer grundsätzlichen Bereitschaft Kursrückgänge zum Einstieg in den Markt zu nutzen. Dies gilt besonders dann, wenn ein Trend so abrupt startete, wie der von 2009 und damit viele potenzielle Käufer auf der Seitenlinie blieben. Deren Handlungsdruck ist groß und wird nach jedem neuen Hoch größer. Immer weniger Spielraum räumen diese Käufer den gegenläufigen Korrekturbewegungen ein. Aus Angst das nächste Hoch zu verpassen, greifen sie eher früher, als später zu. Dies führt zur relativen Steilheit der unteren Begrenzungslinie. Doch die Enttäuschung nimmt zu, denn neue Bewegungshochs werden immer mühsamer erzielt. Diese werden von den Alt-Aktionären sogar verstärkt zu Verkäufen genutzt, was den relativ flacheren Verlauf der oberen Begrenzungslinie erklärt. Kommt es zum Durchbruch unter die untere Begrenzungslinie, kann sich die Enttäuschung kräftig entladen – insbesondere bei den späten Käufern, die relativ teuer eingestiegen sind. Entsteht bei einem solchen Abverkauf Panik, können tatsächlich nur noch die Notenbanken helfen.

Betrachten wir den unteren Teil des ersten Charts sehen wir die relative Entwicklung des S&P500 gegen den Goldpreis. Trotz der grundsätzlich bedrohlichen Keilformation ist dies aus dem Blickwinkel der US-Aktien aber ein positiver Aspekt, denn die relative Abschwächung der Aktien gegen Gold scheint ein vorläufiges(?) Ende gefunden zu haben. Dies wäre kompatibel mit der zumindest medialen Entwarnung von der Schuldenfront. Allerdings schwimmt auch in dieser Suppe ein Haar: Die relative Aufwärtsbewegung des S&P500 gegen Gold verlief bislang nicht eben dynamisch, obwohl der S&P500 als Performanceindex produktiver Unternehmen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem still ruhenden Gold hat.

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DAX Chart
Andauernde Korruptionsgerüchte gegen den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy und der Auftrieb für die Partei von Silvio Berlusconi in Italien schlagen dem DAX am heutigen Mittwoch auf den Magen. Fast scheint es, als ob die Eurokrise sich nun über die Vorkommnisse bei entscheidenden Personen wieder zurückmeldet.
Charttechnisch ist das deutsche Börsenbarometer aus einer fast sechswöchigen Seitwärtsrange heute nach unten durchgesackt. Wirklich überraschend ist dies nicht, hat der DAX doch in den letzten Monaten massiv zugelegt. Aber was ist nun zu erwarten?
Vermutlich ist eine kurzfristige Korrektur eingeläutet worden, welche zumindest bis an die massive Unterstützungslinie führen könnte, welche sich aus der Verbindung der letzten beiden markanten Hochpunkte ergibt (rote dicke Linie). Hierfür spricht auch, dass der Aufwärtstrend der letzten sechs Monate (hellblau, dick) sowie die 100-Gleitende Durchschnittslinie (blau; dünn) allesamt im Bereich 7.400 Punkte aufeinander treffen. Sogar e

twas tiefere Kurse sollte man für kurze Zeit nicht ausschließen. Alles in allem gehen wir davon aus, dass die derzeitige Abwärtsbewegung durchaus noch einige Tage anhalten könnte, aber insgesamt den Charakter einer Korrektur haben wird. Die gelbe Prognoselinie verdeutlicht, wie wir uns die kommenden Wochen vorstellen.

Musterdepot Aktien
Der Hamburger Modeschmuckkonzern Bijou Brigitte* (WKN: 522 950; akt. Kurs: 71,50 EUR) scheint auf dem Wege der Besserung. Nach mehreren schwierigen Jahren, in denen die Umsätze bestenfalls stagnierten und die Marge kontinuierlich zurückging, könnte sich 2013 bei einer wirtschaftlichen Belebung der Eurozone eine Trendwende einstellen. Die vorläufigen Umsatzzahlen zum Geschäftsjahr 2012 fielen indes mit einem Rückgang von knapp 4% auf 360 Mo. EUR erwartungsgemäß aus. Angesichts der schwierigen Situation in Spanien, Italien und Portugal ist dieser Ausgang aber zumindest respektabel. Ende März will der Vorstand seinen Dividendenvorschlag veröffentlichen. Bijou ist bekannt für seine großzügige Ausschüttungspolitik und seine äußerst soliden Finanzen. Nach einer Dividende von 5,50 EUR für das Jahr 2011 rechnen Analysten nunmehr mit einer Absenkung auf 4,00 bis 4,50 EUR. Aber selbst am unteren Ende dieser Spanne käme das Papier damit auf eine Rendite von über 5,5%. Die Insiderkäufe des Vorstands aus dem vergangenen Herbst sind gleichsam ein ermutigendes Indiz. Die Aktie wurde in den letzten Monaten immer wieder einmal im Smart Investor besprochen. Wir ordern ab morgen mit einem Kauflimit von 69,50 EUR 100 Stück (etwa 3% Depotanteil).

Unser Abstauber-Kauflimit für 200 Stück BASF (WKN: BASF11; akt. Kurs: 74,96 EUR) in Höhe von 68,40 EUR (Depotanteil dann rund 4,5%) ging erneut nicht auf und bleibt bestehen.

Musterdepot Fonds
Keine Veränderungen.

Hinweis in eigener Sache
In loser Folge werden wir künftig eine Art Online-Tagebuch der „Löcher in der Matrix“ führen, so wie wir dies im Heft schon seit vielen Jahren tun. Die frappierendsten und entlarvendsten „Löcher“ finden sich dann nach wie vor in der Printausgabe, aber das was uns nahezu täglich im Redaktionsalltag auffällt, finden Sie in Kurzform jetzt auch online.

Fazit
Es sieht so aus, als würde die mühsam beruhigte Euro-Krise erneut in das Bewusstsein der Marktteilnehmer zurückdrängen. Nicht nur die Korruptionsvorwürfe gegen den spanischen Ministerpräsidenten Rajoy, auch das Wiedererstarken der Partei Berlusconis deuten auf neues Ungemach in den Euro-Krisenstaaten. Die Märkte reagieren zwar verunsichert, das ist nach den vorangegangenen Aufwärtsbewegungen aber derzeit noch nicht als dramatisch anzusehen.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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