SIW 14/2013: „… seinen Nutzen mehren …“

Fulminantes Eigentor
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine Studie zu den Nettovermögen der Privathaushalte in den Ländern der EU veröffentlicht. Methodisch maß man das Median-Vermögen, also jenen Wert, bei dem die Hälfte der Haushalte ärmer, die andere aber reicher ist. Gegenüber dem Mittelwert ist diese Zahl weniger anfällig für statistische Ausreißer. Das Ergebnis: Netto, also nach Abzug der Schulden, belief sich das Median-Vermögen deutscher Haushalte auf „stattliche“ 51.400 EUR, womit das „reiche Deutschland“ unangefochten auf dem letzten Platz landete. Auf Platz 1 stand übrigens Luxemburg (397.800 EUR), gefolgt von einer kleinen geteilten Insel, die es zuletzt häufiger in die Schlagzeilen schaffte: Zypern (266.900 EUR)! Spanien (182.700 EUR), Italien (173.500 EUR), Frankreich (115.800 EUR) und Griechenland (101.900 EUR) liegen komfortabel im Mittelfeld. Da mag sich manch einer verwundert die Augen reiben. Hören wir nicht das Mantra der überwältigenden Stärke der deutschen Wirtschaft, deren überirdischer Produktivität und brachialer Leistungsfähigkeit? Warum nur bleibt davon so wenig bei den deutschen Haushalten hängen? Die Statistik, so rotieren die Propagandamaschinen des Mainstreams, sei in vielerlei Hinsicht angreifbar, fragwürdig und völlig unzulänglich. Wobei das Unzulänglichste an diesen Zahlen zu sein scheint, dass sich damit die Rolle Deutschlands als Zahl-August der Eurozone kaum noch rechtfertigen lässt. Dabei ist der mediale Angriff auf die EZB-Studie ein zweischneidiges Schwert: Wie kann man einer Institution, die nicht mal eine läppische Statistik richtig hinbekommt und um deren Brisanz sie eigentlich wissen müsste, die ungleich komplexere Aufgabe der Währungsstabilisierung zutrauen? Auch stellt sich die Frage, warum die EZB ohne Not überhaupt ein solches Eigentor geschossen hat?

Die Sache mit dem Amtseid
Wäre an dem „Deutschland profitiert vom Euro“-Mantra nur ein Fünkchen Wahrheit, dann müsste sich die Vermögenslage der deutschen Haushalte seit dessen Einführung real gebessert haben. Wenn wir, wie gelegentlich behauptet wird, sogar „der größte Profiteur“ des Währungsexperiments wären, dann müsste sich auch – relativ zu den Euro-Partnern – ein Aufwärtstrend zeigen. Rein logisch würde dies aber bedeuten, dass die Deutschen am Beginn der Euro-Ära im Vergleich zu ihren Nachbarn sogar noch schlechter dagestanden haben müssen als heute. Das ist offensichtlicher Unsinn. Es stellt sich daher unmittelbar die Frage, wie es jene Regierungen, die für die Einführung des Euro und dessen Erhaltung um jeden Preis verantwortlich sind bzw. waren, mit den Aufgaben halten bzw, hielten, für die sie eigentlich gewählt wurden und auf die sie ihren Amtseid abgelegt haben?

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden …“

Ziemlich düster will uns scheinen. Denn derart krasse Vermögensunterschiede können nicht allein durch eine besonders effiziente Steuerverwaltung in Deutschland erklärt werden, welche die Bürger einfach nur nachhaltiger schröpft als anderenorts. Würden die so erzielten Einnahmen lediglich im Lande umverteilt, so gäbe es zwar Profiteure – die Angehörigen und Günstlinge des Apparats – und Benachteiligte – die Geschröpften – am Mittel bzw. dem Median würde sich dabei aber nicht viel verändern. Lediglich wenn der unproduktive Staatsapparat größer würde, würde das Durchschnittsvermögen ceteris paribus sinken, weil dann aufgrund der vielen Unproduktiven real nicht mehr so viel erwirtschaftet werden könnte. Griechenland hat genau so einen wuchernden Apparat und trotzdem ein fast doppelt so hohes Median-Vermögen der Haushalte. Dies ist eigentlich nur durch länderübergreifende Transfers zu erklären, ebenso wie das Missverhältnis zwischen der Leistungskraft der deutschen Wirtschaft und dem beschämend niedrigen Median-Vermögen der deutschen Haushalte.

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Zu den Aktien
Wie letzte Woche befürchtet, kam es am vergangenen Freitag hierzulande zur Verletzung wichtiger charttechnischer Marken bei vielen Aktien – insbesondere bei konjunktursensitiven (d.h. zyklischen) Titeln. Da der DAX von Haus aus sehr zyklisch zusammengesetzt ist – so enthält er viele Automobil- und Chemietitel –, verwundert es nicht, dass auch unser heimisches Blue-Chip-Barometer kräftig Federn lassen musste. Was genau dabei zu Bruch ging, zeigt der nebenstehende DAX-Kursverlauf, der in diesem Falle als Wochen-Candlestick-Graphik abgebildet wurde. Es wird klar ersichtlich, dass der seit Juni letzten Jahres bestehende Aufwärtstrend (rot gefärbt) zuletzt eindeutig nach unten gebrochen wurde. Was bedeutet dieses Verhalten im Klartext?

Wir interpretieren dieses Chartbild so, dass nun die „Luft“ aus dem deutschen Aktienmarkt entweicht. In welchem Ausmaß das der Fall sein wird, wagen wir per heute noch nicht zu prognostizieren. Aber es steht zumindest zu befürchten, dass sich nun eine größere Bewegung nach unten entwickeln wird – vielleicht eine neue Baisse? Die 200-Tage-Linie (grün) liegt natürlich noch ein ganzes Stück entfernt, nämlich bei rund 7.400 Punkten. Dennoch trauen wir uns jetzt schon zu sagen, das diese wohl in den kommenden Wochen „in Angriff“ genommen werden dürfte.

Warum wir also bearish sind, hat unter fundamentalen Überlegungen in erster Linie mit zwei Punkten zu tun: Erstens mit dem rabiaten Abwürgen der europäischen Konjunktur durch die die EU-Austeritäts- bzw. „Reform“-Politik. So gingen, wie zuletzt gemeldet, die chinesischen Exporte in den EU-Raum im Januar und Februar um rund ein Siebtel (gg. Vorjahr) zurück. Das heißt, auch für die deutsche Exportindustrie bricht der vor ihrer Haustür liegende Markt immer schneller zusammen. Und zweitens müssen zwangsläufig die anderen Exportmärkte (Asien und Amerika) bald schwieriger werden. Der Grund dafür liegt in Japan und der dortigen Abwertungspolitik („Abenomics“). Ausführliches zu beiden Punkten finden Sie im neuen Heft 5/2010. Wenn also die deutsche Exportindustrie von zwei Seiten in die Mangel genommen wird, die zyklischen Titel aber ein hohes Gewicht in der deutschen Wirtschaft (und im DAX) haben, dann muss man nur noch bis drei zählen, um zu erahnen, wohin die Reise gehen wird. Kurzum: Wir gehen davon aus, dass Deutschland der Rest-EU spätestens im zweiten Halbjahr in die Rezession folgen wird, und dass dies für den DAX mit deutlichen Abschlägen einhergehen wird. Wie dies im Zusammenhang im unserer bullishen Jahresprognose sowie mit der Crack-up-Boom-Theorie zu sehen ist, das werden wir im neuen Heft ausführlich erläutern.

Musterdepot
Unser Stopp von 7.750 Punkten für den Kauf von 1.000 Stück des HSBC Turbo-Optionsscheins Short auf den DAX-Performanceindex (Basis 8.700 Punkte, Laufzeit 12.12.2013, WKN TB5 0JY, akt. Kurs: 8,25 EUR) wurde ausgelöst, wir buchen das Papier entsprechend mit einem Kaufkurs von 9,60 EUR (Depotanteil ca. 3%) ein. Damit ist nun ein Gegenwert von ca. 22% unseres Depotvolumens abgesichert.

Da wir insbesondere bei zyklischen Aktien Schwierigkeiten erwarten, nehmen wir die beiden Depotwerte Banpu (WKN 882 131) und Bilfinger (WKN 590 900) unter verschärfte Beobachtung.

Mit unserem Kauflimit von 26,55 EUR für 400 Stück des japanischen Automobilzulieferers Aisin Seiki (WKN: 863

680; akt. Kurs: 27,43 EUR) kamen wir erneut nicht zum Zug. Das Limit bleibt bestehen.

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Musterdepot Fonds
Unsere Kauforder für weitere 200 Stück des ETF-Fonds iShares MSCI Japan Monthly Euro Hedged (WKN: A1H 53P, akt. Kurs: 32,71 EUR) bleibt mit einem Limit von 28,80 EUR (Basis: Schlusskurs Frankfurt) im Markt. Der Kurs hat sich allerdings wieder deutlich von unserem Limit entfernt.

Smart Investor in den Medien
Der bekannte n-tv-Moderator Frank Meyer führte für die Metallwoche (www.metallwoche.de) ein Interview mit unserem Redakteur Ralph Malisch über „Löcher in der Matrix“. Hören Sie doch einmal rein.

Veranstaltungshinweise
Am 19./20. April findet in Stuttgart die traditionelle Anlegermesse „Invest“ statt. Smart Investor wird nicht nur mit einem eigenen Stand, sondern auch mit der druckfrischen Jubiläumsausgabe 5/2013 vertreten sein. Wir freuen uns darauf, Sie dort zu treffen und mit Ihnen über Märkte, Wirtschaft und Politik zu diskutieren. Als Leser des Smart Investor Weekly (SIW) können Sie Ihre kostenlose Eintrittskarte unter diesem Link bestellen. Geben Sie hierzu einfach den Aktionscode „smartinvestor“ in das entsprechende Feld Ihres Warenkorbs ein.

Schon jetzt dürfen wir Sie auf die Hamburger Mark Banco Anlegertagung unter dem Motto „Rezession – Repression – Sezession: Investmentchancen in turbulenten Zeiten” am Freitag, 31. Mai und Samstag, 1. Juni 2013 hinweisen. Das Institut für Austrian Asset Management veranstaltet diese Tagung bereits zum vierten Mal. Lassen Sie sich die Gelegenheit nicht entgehen, mit hochkarätigen Experten der Österreichischen Schule aktuelle Zeitfragen zu erörtern.

Hinweis in eigener Sache
Am 3.5.2013 ist es so weit. Smart Investor wird 10 Jahre alt! Was haben Sie in diesen Jahren mit dem Smart Investor erlebt? Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? Oder freuen Sie sich einfach nur mit uns und hinterlassen Sie Ihre Glückwunschnachricht.

Fazit
Etwas ist faul in Euroland. Nicht einmal die eigenen Zahlen der EZB bestätigen die EU-Propaganda vom großen Euro-Profiteur Deutschland. Im Gegenteil, die deutschen Haushalte sind in Summe wohl die großen Verlierer der deutschen Euro-Politik. Instinktiv ahnten das die meisten Bürger aber auch schon vor der EZB-Veröffentlichung.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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