SIW 22/2013: Zum „Erfolg“ verdammt

Den Schein wahren
In der Titelgeschichte desSmart Investor Ausgabe 3/2013 „Land der aufgehenden Supernova – Japan vor dem Crack-up-Boom?!“ haben wir uns ausgiebig mit den Implikationen der „Abenomics“ befasst. Diese nach dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzō Abe benannte Wirtschaftspolitik ist eine Mischung aus expansiver Fiskalpolitik und extrem laxer Geldpolitik. Zur Umsetzung der geldpolitischen Seite der Gleichung wurde mit Haruhiko Kuroda eine geldpolitische „Taube“ (im Gegensatz zu den primär auf Geldwertstabilität orientierten „Falken“) an der Spitze der Bank of Japan (BoJ) installiert. Von Kuroda wird erwartet, dass er die Zielvorgaben der Regierung ohne fühlbaren Widerstand umsetzt – bei Vorgänger Masaaki Shirakawa knirschte es bei dieser Transmission gegen Ende der Amtszeit dagegen spürbar. Die „Unabhängige Notenbank“ ist in Japan damit praktisch offiziell zu Grabe getragen worden. Bei der US-amerikanische Fed und unserer eigenen EZB versucht man zumindest gelegentlich noch den Schein zu wahren – den Anschein, nicht den Geldschein.

Irritation in Tokio
Gedankenspiele über ein Ende der expansiven Geldpolitik der Fed lösten jedoch zwischenzeitlich einen Kursrutsch in Tokio aus. Was auf den ersten Blick widersinnig klingt, hat doch seine innere Logik. Denn auch das japanische „Wirtschaftswunder“ bildet keine natürliche Marktentwicklung ab, es ist „Made by Abe“ – vermittels einer willfährigen Notenbank. Sollten Notenbanken dagegen tatsächlich ernsthaft darüber nachdenken, den Liquiditätshahn zu drosseln, würde die darauf beruhende Scheinblüte rasch dahinwelken. Im Fall Japan haben die „Abenomics“ sogar noch einen weiteren Kollateralnutzen: Die Abschwächung des Yens stärkt die Position der japanischen Exporteure auf dem Weltmarkt – zumindest bei deren Kunden. Auch wird durch die relative Verteuerung ausländischer Produkte im Land die Inflation in Richtung der gewünschten 2% p.a. angekurbelt. Dass derartige Währungsschiebereien allerdings ein zweischneidiges Schwert sind, werden all jene Unternehmen spüren, die – wie auch die Exporteure – auf ausländische Vorprodukte bzw. Rohstoffe angewiesen sind. Ein Effekt der den offensichtlichen Erfolg der Abwertung zum Teil konterkarieren wird – besonders dann, wenn sich die Rohstoffpreise an den Weltmärkten stabilisieren. Zur Sharewise Community

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Am seidenen Faden
Der Einbruch des Nikkei um knapp 19% innerhalb von gerade einmal zwei Wochen zeigt aber auch, an welch seidenem Faden ein solcher Boom hängt. Er ist von den Entscheidungen einer Handvoll Köpfe abhängig. Ein Grund, weshalb sich die Börse im Jahr 2013 ohne Politik weniger denn je denken lässt. Wenn die Regierungen und ihre Notenbanken – in einigen Regionen wohl richtigerweise die Notenbanken und ihre Regierungen – auf Gaspedal oder Bremse treten, können sie Entwicklungen aus dem Stand umdrehen und so kurzfristig für erhebliche Verunsicherung sorgen. Die Gretchenfrage lautet also: Wie ernst sind Gedankenspiele in Richtung auf ein Auslaufen der QE-Maßnahmen zu nehmen? Sie scheinen in etwa so glaubwürdig, wie die bloße Aussage eines Drogenabhängigen, ab morgen ein neues Leben zu beginnen. Ein Entzug wird so nicht funktionieren. Die amtlich verbreitete Wohlfühlpropaganda kann nämlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir sowohl in den USA als auch in der Eurozone und ganz besonders in Japan meilenweit von einem selbsttragenden Aufschwung entfernt sind. Wenn die Notenbanken den Hahn zudrehen, gehen die Lichter aus. So einfach. Sie sind also buchstäblich zum „Erfolg“ verdammt. Wobei „Erfolg“ aber eben nur jene wuchernde Scheinblüte meint, die auf lange Sicht keine Probleme löst, sondern nur weitere schafft.

Zum Aktienmarkt
Das Gesagte darf nun nicht so interpretiert werden, dass Notenbanken primär auf den Aktienmarkt schielen. Die eigentliche Achillesferse des Systems sind die um ein Vielfaches größeren Bondmärkte. Ein Unglücksfall an diesen Märkten stellt beim erreichten Verschuldungsgrad unmittelbar die Systemfrage. So unattraktiv Rentenanlagen aufgrund der Finanziellen Repression (negative Realrendite!) auch sein mögen, sie werden noch immer von vielen Marktteilnehmern als „sichere Häfen“ wahrgenommen. Zumindest zum kurzfristigen Parken der Anlagemittel. Wenn also der Bondmarkt – wie aktuell – dabei ist, ein Problem in Form sinkender Kurse zu entwickeln, dann dürfte es aus Sicht der Entscheider ausgesprochen wünschenswert sein, wenn auch die Alternativanlagen wie Aktien und Gold ein vielleicht sogar noch sichtbareres Problem bekommen. Zumindest könnte mit Interventionen an diesen relativ kleineren Märkten sehr viel effizienter agiert werden, um das Image der Bondmärkte zu pflegen. Dies ist weder eine Handlungsempfehlung, noch eine Verschwörungstheorie, sondern eine einfache Kosten-/Nutzen-Überlegung.

Insofern teilen wir auch weiter die verbreitete Sorglosigkeit zum (deutschen) Aktienmarkt nicht. Zum einen fehlt es hier – im Gegensatz zu Japan – derzeit(!) an der Bereitschaft zur superlaxen Geld- und Fiskalpolitik. Zum anderen ist uns tendenziell schon wieder zu viel Optimismus unter den Marktteilnehmern. Einige aktuelle Titelbilder von Finanzpublikationen vermitteln diesen Eindruck – zwar kein extremer Optimismus, aber eben Sorglosigkeit. Robert Rethfeld vom Börsendienst „Der Wellenreiter“ weist zudem darauf hin, dass in der letzten Woche beim führenden Dow-Jones-Industrial-Index gleich zwei „Hindenburg Omen“ aufgetaucht sind. Diese Signale gingen schon häufiger größeren Abwärtsbewegungen voraus – am bekanntesten dürfte in diesem Zusammenhang der Crash von 1987 sein. Im Moment hält sich der Markt allerdings noch über dem Ausbruchsniveau von 8.152 Punkten mit dem er das Territorium frischer Allzeithochs betrat. Die jüngste Abwärtsbewegung könnte sich im Moment durchaus noch als eine normale Korrektur erweisen, ein Rückfall unter das Ausbruchsniveau hätte allerdings erhebliche negative Implikationen. Mehr hierzu im neuen Smart Investor Ausgabe 6/2013.

„Goldene Aussichten“?
Bei den Edelmetallen bleibt die Lage nach den Abwärtsschüben noch immer unübersichtlich. „Nach den Abwärtsschüben“ ist ohnehin ein gutes Stichwort, denn gestern wagte sich US-Star-Ökonom Nouriel Roubini mit der Prognose nach vorne, dass der Goldpreis Richtung 1.000 USD stürzen werde. Die Herleitung ist dabei nicht einmal das Problem, die Annahmen sind es. Wenn man – wie Roubini – tatsächlich von einem echten Aufschwung in den USA ausgeht, dann dürften andere Anlagen tatsächlich attraktiver sein. Wir teilen allerdings genau diese Annahme nicht (s.o.). Weder ist der Aufschwung selbsttragend, noch sind die Fiat-Money-Systeme in einem gesunden oder gar nachhalt

ig zukunftsfähigen Zustand. Einen weiteren Ausschüttler bei den Edelmetallen kann man dennoch nicht ausschließen. Für eine überzeugende Bodenbildung waren nämlich nach unserer Einschätzung die Aufwärtsreaktionen nach den kräftigen Abwärtsimpulsen bislang zu verhalten. Aufgrund der weiter ungelösten Probleme des Weltfinanzsystems sollten erneute Rückschläge zum sukzessiven Erwerb physischer Ware genutzt werden.

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Musterdepot Aktien
Wir hatten vor zwei Wochen angekündigt, dass wir im Falle, dass der DAX sein Allzeithochniveau wieder preisgibt und den Rückwärtsgang einlegt, erneut eine Absicherung ins Depot aufnehmen werden. Zu groß sind uns die Risiken, die sich inzwischen aufgeschaukelt haben – mehr dazu in der Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe.
Sobald der DAX unter 8.050 Punkte schließt (um 17.30 Uhr) erwerben wir 1.000 Stück des Short-Knockout-Zertifikats mit der Wertpapierkennnummer TB51UR (Emittent: HSBC Trinkaus), welches dann etwa 9,60 EUR wert sein dürfte (aktueller Preis: 8,20 EUR). Die Knockout-Schwelle ist 9.000 Punkte, der letzte Handelstag der 4.12.2013. Etwa 3% des Depotvolumens würden wir darauf verwenden. Es besteht ein Totalverlustrisiko, nur erfahrene Investoren sollten solche Zertifikate ins Depot aufnehmen.

Unser Stopp Loss beim Baukonzern Bilfinger (WKN 590 900, akt. Kurs: 79,37 EUR) bleibt bei 77 EUR. Der Stopp-Loss gilt auf Basis des Frankfurter Schlusskurses (17:30 Uhr). Wenn er ausgelöst wird, wird zur Eröffnung des Folgetages verkauft.

Musterdepot Fonds
Unsere 25 Anteile des Nestor Afrika Fonds B (WKN A0R ELJ, akt. Kurs: 112,58 EUR) wurden zu einem Kurs von 112,43 veräußert.

Unsere 330 Stücke des BGF World Mining (WKN A0B MAR, akt. Kurs: 35,30 EUR) veräußerten wir zu 35,46 EUR je Anteil.

Seminarempfehlung
In München wird am 15. Juni 2013 die Konferenz „Steuern und Inflation” des Ludwig von Mises Instituts Deutschland stattfinden – „Österreichisches“ und Libertäres zu bewegenden Themen der Zeit, präsentiert von bekannten und hochkarätigen Denkern. Nähere Infos: www.misesde.org/konferenz

Fazit
Der japanische Aktienmarkt zeigt die Verletzlichkeit der von Regierung und Notenbank herbeigezauberten Scheinblüten. Die Erfahrung lehrt aber, dass sich die Politik – konfrontiert mit den Auswirkungen einer massiv negativen Entwicklung – im Zweifelsfall immer für eine Politik des noch leichteren Geldes entscheiden wird. Der herrschende Glaube an die Machbarkeit eines selbsttragenden Aufschwungs durch die Notenbanken wird sich aber letztlich als irrational erweisen.

Erlauben Sie uns noch einen Hinweis auf den neuen Smart Investor Ausgabe 6/2013. Zum Thema „Arm und Reich“ tobt eine heftige Debatte im Lande und es wurde scheinbar schon alles dazu gesagt – nur noch nicht von jedem. Wir beleuchten das Thema aus einer smarten Perspektive und kommen dabei zu überraschenden Einsichten.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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