SIW 25/2013: Kaufrausch der besonderen Art

Konsumenten an die Front!
Erfreuliche, nein ausgesprochen erfreuliche Zahlen vermeldete die GfK: Der dort ermittelte Konsumklimaindex für Juli stieg auf einen Wert von 6,8 Punkten – mehr als die erwarteten 6,6 Punkte – und zudem der höchste Wert seit Krisenbeginn im Jahre 2007. Die Jubelmeldungen der Massenmedien über den heroischen Kampf der Konsumenten an der Konjunkturfront überschlugen sich förmlich:

Spiegel.de: „Deutsche sind im Kaufrausch“
Stern.de: „Sparen ist out, Shoppen ist in“
Zeit.de: „Kauflaune der Deutschen so groß wie zuletzt 2007“
Suedeutsche.de: „Deutsche in Kauflaune: Konsumklima steigt weiter“

Mit dieser Interpretation der Zahlen gibt es allerdings ein Problem: Bislang wollte das gute Klima im Einzelhandel nicht recht ankommen. Die letztverfügbaren Daten des Statistischen Bundesamtes sprechen zumindest bislang noch eine andere Sprache. Kalender- und saisonbereinigt fiel der Einzelhandelsumsatz im April um 0,4% gegenüber dem Vormonat, nachdem er bereits im März um 0,1% zurückgegangen war. Ein weiteres negatives Schlaglicht kam aus der Autoindustrie: Die letztverfügbaren Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes zu den Pkw-Neuzulassungen (Mai) weisen ein sattes Minus von 9,9% aus. Woher kommt also der Konsumrausch, über den sich der Mainstream so freut?

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Eine Frage der Abgrenzung
Es scheint vor allem eine Frage der Abgrenzung der Aggregate Konsum und Sparen zu sein, die sich hier auswirkt. Bei der Frage nach „größeren Anschaffungen“ meinen die Befragten eben auch Ausgaben für Immobilien und Ausgaben rund um die Immobilie. Das aber ist nicht nur klassischer Konsum, sondern auch eine Form des Sparens in Sachwerten. Wie uns der GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl auf Nachfrage bestätigte, spielen für diese Art des Konsums die historisch niedrigen Zinsen und die mangelnde Attraktivität der klassischen Geldanlagen eine Rolle. Es scheint so, als würden die Konsumenten den Rat beherzigen, den ifo-Präsident, Prof. Hans-Werner Sinn ihnen vor Jahresfrist gab: „Renoviert das Bad und werdet mündige Bürger!“ – zumindest den ersten Teil davon. Zwar ist Wirtschaft auch Psychologie, aber die Schönfärberei des Mainstreams geht angesichts des durchaus differenzierten Bildes fast schon an der Sache vorbei. Die Flucht in Sachwerte ist ja eben gerade kein Hinweis auf eine Rückkehr des Verbraucher- oder Sparervertrauens. In München, dem Sitz der Smart Investor Redaktion, kann man anhand der Preis- und Mietsteigerungen fast täglich die Blüten bewundern, die leichtes Geld am Immobilienmarkt treibt.

Unabhängig davon erscheinen uns auch Aussagen über die stabilisierende Wirkung des Konsums vorschnell zu sein. Kaum ein Land ist so exportabhängig wie die Bundesrepublik und zwar nicht nur was die absolute Höhe der Exporte, sondern vor allem was deren Anteil an der Wirtschaftsleitung betrifft. Vor diesem Hintergrund sind die Tariflohnerhöhungen, die im Zusammenhang mit dem Konsum als Kaufkraftmehrung bejubelt werden, ein zweischneidiges Schwert: Aus Sicht der Exporteure sind es lediglich Kostensteigerungen, die deren Produkte weniger konkurrenzfähig machen. Man kann über die Sinnhaftigkeit des deutschen Exportmodells sicher trefflich diskutieren, besonders in Bezug auf jene Handelspartner, die seit Jahren überwiegend anschreiben lassen. Die deutsche Wettbewerbsfähigkeit aber mutwillig auf Eurozonenniveau abzuschwächen, ist aus deutscher Sicht sicher nicht zukunftsweisend.

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Zu den Märkten
Pünktlich nach dem letzten SIW meldete sich Fed-Chef Bernanke zu Wort und deutete ein Ende seiner ultraleichten Geldpolitik an. Ab Mitte 2014 soll demnach mit dem Ankauf von US-Staatsanleihen durch die Fed erst einmal Schluss sein. Uns scheint das keine realistische Perspektive zu sein, oder wie Marc Faber aktuell formulierte: „Wenn man überzeugt ist, Bernanke meine, was er sage, dann glaubt man auch noch an den Weihnachtsmann.“ Dennoch kam es zu massiven Kurseinbrüchen bei Gold und Silber. Auch die weltweiten Aktienmärkte reagierten verschnupft, wobei die ohnehin nervöse Stimmung durch Gerüchte über eine Megabankpleite in China weiter angeheizt wurde. Vielen Marktteilnehmern ist klar, dass der jüngste Aufschwung alleine durch die weit geöffneten Geldschleusen der Notenbanken möglich wurde und fürchten nun den „kalten Entzug“.

Genährt werden die Befürchtungen einer Bauchlandung an den Aktienmärkten derzeit allerdings auch durch die technische Situation. Der DAX zeigt einen fast idealtypischen falschen Ausbruch auf neue Allzeithochs mit einem anschließenden Rückfall in vertrautes Kursterrain. Derartige Wechselbäder zerren nicht nur an den Nerven der Anleger, sie gehören darüber hinaus zu den dynamischen Verkaufssignalen. Warum das so ist? Darüber berichten wir in der gerade fertiggestellten Ausgabe Smart Investor 7/2013, die zum Wochenende erscheint. Viele Märkte sind derzeit in einer ähnlichen Situation. Selbst der japanische Nikkei-225-Index korrigierte trotz der überwältigenden Stimulierung durch Regierung und Notenbank heftig. Muss man also jegliche Crack-up-Boom-Überlegungen ad acta legen? Wir meinen Nein, denn in Japan sehen wir in Zeitlupe, was an anderen Märkten – nach einer zwischenzeitlichen Baisse – in Zukunft sogar schneller ablaufen könnte: Es ist ja gerade die überwältigende Abwärtsbewegung des aufgestauten Anpassungsbedarfs, die Regierungen und Notenbanken unter Handlungsdruck setzt. Die Gefahr des Übersteuerns ist erheblich, das Erreichen des Punktes ohne Wiederkehr nur eine Frage der Zeit.



Musterdepot Aktien
Unsere Order für das Sh

ort-Knockout-Zertifikat mit der Wertpapierkennnummer TB51UR (Emittent: HSBC Trinkaus, aktueller Kurs: 10,67 EUR) wurde zu einem Kurs von 10,68 EUR ausgeführt – aufgrund der Marktdynamik merklich teurer als ursprünglich gedacht.

In Anbetracht eher schwächerer Aktienmärkte in den kommenden Monaten wollen wir unser Depot noch etwas sturmfester machen. Dazu gehört auch der Ausbau der Liquiditätsposition. Im jüngsten Kursabschwung litt die Fastenal-Aktie besonders (WKN: 887 891; akt.: 34,63 EUR). Die innovative Baumarktkette aus den USA wächst zwar nach wie vor rasant (beim Gewinn mit rund 15% pro Jahr), allerdings ist auch die Bewertung ziemlich stattlich, das KGV liegt oberhalb von 25. Vor dem Hintergrund des zuletzt generierten charttechnischen Verkaufssignals – man erkennt ein Doppeltopp sowie den Bruch eines vierjährigen Aufwärtstrends (s. Abb. – hier EUR-Chart, aber in der Aussage identisch mit USD-Chart) wollen wir uns von dem Titel verabschieden. Für die 450 Stück legen wir ein Verkaufslimit von 35,40 EUR in den Markt, gültig ab morgen.

Musterdepot Fonds
Keine Änderungen

Die Top 5 der deutschen Beteiligungsgesellschaften
In der aktuellen Ausgabe Smart Investor 6/2013 haben wir die börsennotierten deutschen Beteiligungsgesellschaften unter die Lupe genommen. Wer dabei am besten abgeschnitten hat, erfahren Sie hier.

Fazit
Die aktuellen GfK-Zahlen zum Konsumklima haben einmal mehr belegt, dass es sich lohnt hinter die Jubelmeldungen der Massenmedien von der angeblich überstandenen Krise zu blicken. Zwar ist Wirtschaft auch Psychologie, das ist aber kein Freibrief für die Desinformation, die häufig vom Mainstreams betrieben wird.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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