SIW 26/2013: Gold – wie ein Igel im Winterschlaf

Bens Weckruf
Wenn man die Publikationen des Mainstreams betrachtet, dann fällt vor allem die Haltung zum dramatischen Goldpreiseinbruch der letzten Monate ins Auge. Während fallende Preise in fast allen anderen Bereichen – Aktien, Immobilien, Renten, Konsumgüter – regelmäßig Anlass zu wortreicher Besorgnis geben, sind fallende Edelmetallnotierungen dort in der Regel der Auslöser ungetrübter Heiterkeit. Ben Bernanke – so der Tenor – habe mit seiner Ankündigung eines Endes der ultralockeren Geldpolitik den Schlussstrich unter die irrationale Goldrally des vergangenen Jahrzehnts gezogen. Handelsblatt Online widmete dem Thema sogar ganze 99 Sekunden in denen sich Online-Chefredakteur Oliver Stock zu der Formulierung verstieg, dass Gold so unproduktiv sei, „wie ein Igel im Winterschlaf“. Was von derartigen Analogien zu halten ist und dass der Winterschlaf für Igel mindestens ebenso wichtig ist wie der Goldbesitz in Zeiten eines sich auflösenden Papiergeldsystems, können Sie in unserer Online-Kolumne „Löcher in der Matrix“ nachlesen. Bernankes Aussage könnte sich letztlich in ungeahnter Weise als Weckruf entpuppen.

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Die Rolle der Banken
Auch internationale Großbanken geben sich gegenüber Gold & Co. gerne skeptisch. So reduzierte Goldman Sachs am 23.6. den Ausblick für Gold drastisch und erwartet für das Jahresende 2014 nur noch einen Kurs von 1.050 USD. Bemerkenswert in der Studie sind Sätze wie dieser: „Die jüngsten Bewegungen des Goldpreises haben die Risiken für weitere Verluste erhöht.” Die Baisse nährt die Baisse?! Kurz und prägnant lautet die Botschaft also: „Finger weg!“. Auch eine Umfrage der Schweizer Großbank UBS schlägt in die gleiche Kerbe. Wiederum Handelsblatt Online sah sich zu folgender Überschrift veranlasst: „Gold: UBS-Umfrage verheißt weitere Verluste“. Versuchen Sie sich doch spaßeshalber einmal das Wort „Verheißung“ im Zusammenhang mit Kursverlusten bei Aktien oder Staatsanleihen vorzustellen: „Neue Studie verheißt Kursverluste bei Bundesanleihen“. Was im Umfeld des Goldpreisabsturzes betrieben wird, hat relativ wenig mit Berichterstattung und noch weniger mit Aufklärungsarbeit zu tun, es ist im wesentlichen Stimmungsmache und es scheint, als wollte der Mainstream nach einem Jahrzehnt der Schieflage in Sachen Edelmetalle auch ein paar aufgelaufene Rechnungen begleichen. Dass Großbanken wie Goldman Sachs und UBS nicht neutrale Forschungs- und Prognosearbeit leisten, sondern gewinnorientiert – wohl gemerkt am eigenen Gewinn orientiert – handeln, sollte man dabei vielleicht auch nicht ganz aus den Augen verlieren. Die Commitment-of-Traders-Daten liefern zumindest deutliche Hinweise darauf, was gespielt wird: Rekordniedrig sind aktuell die Short-Positionen der sogenannten Commercials, wozu bei den Edelmetallen auch Bankhäuser wie J.P.Morgan gehören, die sich durch ihre aggressiven Silbershorts in der Vergangenheit einen gewissen Ruf erworben haben. Die „großen Jungs“ lassen zwar weiter gegen die Edelmetalle anschreiben, sind aktuell aber nicht mehr aggressiv für einen erneuten Kurssturz positioniert. Eine wichtige Information. Überhaupt ist die Berichterstattung zu Gold in den letzten Tagen etwas zurückhaltender geworden, nachdem in den Wochen zuvor regelmäßig Krokodilstränen über fallende Kurse vergossen wurden. Möglicherweise hängt dies mit der deutlichen technischen Reaktion zusammen, die am Freitag stattfand und durchaus bereits Teil einer Bodenbildung sein kann. Mit solchen Überlegungen will man das Publikum aber wohl nicht beunruhigen.

Häme statt Fakten
Schon statistisch waren Ausmaß und Geschwindigkeit des Absturzes der Gold- und Silberpreise ausgesprochen unwahrscheinliche Ereignisse – sogenannte schwarze Schwäne. Sieht man diese vor dem Hintergrund der nach wie vor dramatischen, in Teilen sogar weiter verschärften internationalen Schuldenkrise, wird der Absturz gleich noch mysteriöser. Wer nun glaubt, der Mainstream würde sich über die lapidare Bernanke-Erklärung hinaus – gar investigativ – auf die Suche nach den Ursachen des Kursdesasters machen, der wurde enttäuscht – die „Analyse“ bestand im Wesentlichen aus Häme für diejenigen, die nicht auf den „guten Rat“ gehört hatten, die Finger vom Gold zu lassen. Ansonsten muss der Absturz des Goldpreises vor allem als Beleg dafür herhalten, dass die Krise im Wesentlichen überwunden sei und deshalb niemand mehr Edelmetalle benötige. Wie allerdings eine überwundene Schuldenkrise angesichts weiter anschwellender Schuldenpegel konkret aussehen soll, darüber herrscht Schweigen. Eine erhebliche Entlastung gibt es sicher durch das im Rahmen der Finanziellen Repression absurd heruntermanipulierte Zinsniveau. Zinsen die sich aufgrund der Geldentwertung nicht rechnen und die zweifelhafte Bonität vieler Schuldner aus dem Staaten- und Bankenbereich nicht annähernd widerspiegeln. Die Märkte haben den Testballon Bernankes offenbar als Aufforderung verstanden, sich der Realität anzunähern und massenhaft Staatsanleihen verkauft – Verkäufe, über die allerdings weniger prominent berichtet wird. Das haben sie mit den gestrigen Ratingabstufungen für die Deutsche Bank, Barclays und Credit Suisse gemein, die ebenfalls nur beiläufig erwähnt wurden. Erst die Börse brachte die betroffenen Institute heute mit einem fühlbaren Minus ins Rampenlicht.

Nach unserer Überzeugung wird Bernankes Experiment „End of Easing“ abgebrochen werden, noch bevor es begonnen hat. Die meisten angeschlagenen Staaten und Banken wären angesichts ihrer Schuldenstände mit einem echten Marktzins schlicht nicht überlebensfähig. Bernanke selbst weiß das am besten, was ihn freilich nicht an etwas psychologischer Kriegsführung hindert.

Zu den Märkten
Sowohl Silber als auch Gold erreichten zwischenzeitlich extrem überverkaufte Zustände. Silber (vgl. Abb.) ist nun an einer entscheidenden Unterstützungsmarke im Bereich von knapp 20 USD angekommen (rote und grüne Linien). Zudem entsprechen sich die beiden Abwärtsbewegungen („measured move“ in halblogarithmischer Darstellung, blaue Markierungen) fast auf den Cent genau. Wir halten es für ausgesprochen unwahrscheinlich, dass der Kurs aus seinem überverkauften Zustand heraus auch diese Marke nach unten durchbrechen wird. Eine Verschnaufpause an dieser Marke wäre Pflicht, eine Bodenbildung aber die eigentliche Kür für Silberinvestoren. Entscheiden wird sich der weitere Weg, nachdem die überverkauften Zustände abgebaut sind. Viele Daten – u.a. die oben erwähnte Positionierung der Commercials – sprechen dafür, dass es das mit dem Abverkauf erst einmal gewesen sein dürfte. Zumal die Edelmetalle auch von dem Wiederauflodern der Schuldenkrise kräftigen Rückenwind erhalten werden. Der gerade erfolgte Rücktritt des portugiesischen Finanzministers Vítor Gaspar ist nur ein Schlaglicht in dieser Richtung. In der Unternehmenswelt entspräche das dem Rücktritt des Finanzchefs einer schwer angeschlagenen Firma und bedeutet in aller Regel nichts Gutes. Spätestens nach der Bundestagswahl erwarten wir mehr unerfreuliche Nachrichten, die das Thema Edelmetalle bei vielen Investoren automatisch wieder auf die Tagesordnung zurückbringen werden. In einem Umfeld beschleunigt verwässerter Fiat-Money-Systeme sind G

old & Co. „alternativlos“.

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Jochen Stanzl in Echtzeit

Was macht eine persönliche Finanzmarktübersicht noch persönlicher? – Die Möglichkeit, sich mit Experten in Echtzeit auszutauschen! Guidants, die Investment- und Analyseplattform der BörseGo AG, bietet diese Möglichkeit ab sofort. Den Anfang macht Gold- und Rohstoffexperte Jochen Stanzl mit seinem Expertendesktop. Hier stellt er die Informationen bereit, die für seine Leser wichtig sind. In seinem Stream diskutiert er mit ihnen, teilt sein Wissen und Daten wie Kurscharts.

Nach und nach werden weitere Experten von GodmodeTrader.de und extern auf Guidants folgen.
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Musterdepot Aktien
Unser Verkaufslimit für Fastenal (WKN: 887 891; akt.: 35,21 EUR) wurde erreicht. Der Verkauf der 450 Stücke erfolgte zu 35,40 EUR (Gewinn: +6,1%).

Aufgrund unserer positiven Einschätzung für Edelmetalle wollen wir nach dem zwischenzeitlichen Sell-Off unsere Aktienpositionen in diesem Bereich antizyklisch verstärken:

Wir ordern weitere 3.000 Stück des Silberproduzenten Aurcana (WKN A1T 9L6, Kurs: 1,00 EUR) zu einem Limit von 1.02 EUR, gültig ab morgen in Frankfurt.

Ebenfalls verstärken wollen wir unsere Position in First Majestic Silver (WKN A0L HKJ, Kurs: 8,11 EUR). Wir ordern weitere 600 Stück bestens, gültig ab morgen in Frankfurt.

Wie im aktuellen Heft herausgearbeitet (Smart Investor 7/2013, S. 46 ff.), ist Smart Investor insbesondere für die Aktienbörsen in Europa und in den Schwellenländer recht kritisch eingestellt.
In Anbetracht dessen haben wir in den letzten Wochen bereits einige Titel aus diesen Regionen abgegeben.

Mit Aurelius, Morphosys und PNE haben wir nur noch drei Titel aus dem europäischen SmallCap-Bereich, die für Spezialsituationen stehen (sowie Metro aus dem LargeCap-Bereich).
Morphosys (WKN: 663 200) hat sich mit der jüngsten Kooperation mit dem Pharmariesen GlaxoSmithKline in eine neue Dimension geschossen, weshalb wir hier vorerst weiter dabei bleiben wollen.
Aurelius (WKN: A0J K2A) ist unser bester Depotwert überhaupt und kann aus unserer Sicht mit Fug und Recht als eine der bestgeführten Beteiligungsgesellschaften Deutschlands bezeichnet werden. Dennoch wollen wir in Anbetracht der angelaufenen Buchgewinne und des mittlerweile doch großen Gewichts im Depot diese Position verkleinern. Wir verkaufen daher zur morgigen Eröffnung 200 unserer insgesamt 400 Stück.
Festzuhalten ist, dass keiner unserer europäischen Titel dem zyklischen Sektor zugerechnet werden kann, welchen wir innerhalb Europas als am meisten gefährdet ansehen.

Musterdepot Fonds
Bei den Fonds sind wir mit dem Fidelity Thailand (WKN: 973 268) noch in Asien investiert. Da wir die Schwäche der Emerging Markets als systematisch ansehen, wollen wir diese Position ganz abstoßen. Wir verkaufen daher alle 300 Anteile zum morgigen Schlusskurs.

Da wir in Anbetracht einer sich vollziehenden Zinswende nach oben für Hochzinsanleihen (High Yield Bonds) skeptischer sind, werden wir auch die 100 Anteile am Julius Bär Global High Yield (WKN: 164 225) zum morgigen Schlusskurs verkaufen.

Wir erwerben 70 Anteile des Toqueville Gold Fonds (WKN: A1C 4YR; es handelt sich hierbei um die deutsche Tranche des amerikanischen Fonds; mehr dazu auch in Smart Investor 5/2013 auf S. 56; Kurs derzeit: 110 EUR), welcher in Edelmetallaktien anlegt, wohingegen der sich bereits im Depot befindende M&W Privat (WKN: A0L EXD) eher auf physische Metalle setzt.

Fazit
In den letzten Wochen und Monaten haben wir einen beispiellosen Ausverkauf in Edelmetallen erlebt. Das Sentiment ist miserabel, die Kurse sind im Keller. Dennoch erscheinen die Aussichten vor dem Hintergrund der ungelösten Schuldenkrise weiter hervorragend. Selbst falls der Markt noch nicht den endgültigen Boden gefunden haben sollte, erscheint uns das eine aussichtsreiche Situation zum Aufbau entsprechender Positionen.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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