SIW 27/2013: Wenn Zahlen auf Worte treffen

Augen zu und durch
Mit Bezug auf die weiter schwelende Geldsystemkrise üben sich weite Teile der Medien in aktivem Wegschauen. Was nicht zur ausgegebenen Parole der angeblichen Überwindung der Schuldenkrise passt, die wir selbstverständlich dem heroischen Wirken der Politik zu danken haben, das wird ignoriert. Eine Strategie, die sich bereits bei kleinen Kindern bewährt hat: Augen zu, Zunge raus, „Bäh!“. Leider aber nur da. Die Krise schwelt vor allem deshalb weiter, weil bislang keine ernsthaften Maßnahmen zu deren Lösung ergriffen wurden. Lediglich der griechische (Teil-)Staatsbankrott war ein Schritt in die richtige Richtung. Dagegen hat die Absenkung des Zinses im Rahmen der praktizierten Finanziellen Repression lediglich Zeit gekauft, weil so die Dynamik der Aufschuldung gebremst wurde. Auch der massenhafte Aufkauf von Staatsschulden durch die Notenbanken erzeugt lediglich den Eindruck, dass die Nachfrage für derartige Papiere mit dem ausufernden Angebot Schritt halten würde. Sie tut es nicht. An den Grundfesten des herrschenden Geldregimes aber, die solche staatlichen In-sich-Geschäfte mit frisch gedrucktem Geld überhaupt erst ermöglichen, wird nicht gerüttelt, noch wird darüber öffentlich nachgedacht.

Da die „Rettungsmaßnahmen“ im Wesentlichen den Gläubigerbanken der bankrotten Staaten zugutekommen, verwundert es nicht, dass in den Schuldenstaaten selbst – wie neue Forderungen aus Griechenland und die Regierungskrise in Portugal belegen – die Probleme erneut an die Oberfläche kochen. Mehr noch, die reale Wirtschaft ist nicht nur kein Profiteur des weltweiten Rettungszirkus, sie leidet zunehmend unter den Fehlallokationen der staatlichen Lenkung. Am sichtbarsten wird das vielleicht beim Welthandel, der nicht nur scharf abgebremst wurde, sondern regelrecht den Rückwärtsgang eingelegt hat. Eine Entwicklung unter der insbesondere die großen Exportnationen – allen voran China und Deutschland – leiden. So vermeldeten die Chinesen jetzt einen Rückgang der Exporte um 3,1% im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat. Das ist natürlich wieder einmal – wie alle schlechten Konjunkturmeldungen – völlig „überraschend“. Die Konsenserwartung war noch von einem Plus von 3,7% ausgegangen, das sind satte 6,8 Prozentpunkte mehr. Nun gibt es zwar einige berechtigte Vorbehalte gegen chinesische Wirtschaftsstatistiken, aber auch die deutsche Außenhandelsstatistik vermeldete mit einem Minus von 2,4% bei den Exporten im Übrigen schon für Mai „überraschend“ schlechte Zahlen. Das Bild runden die Industrieaufträge ab, die – Sie werden es erraten – ebenfalls „überraschend“ eingebrochen sind.

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Zahlen statt Worte
Aus diesen Episoden lernen wir vor allem, dass Zahlen, sofern sie im „guten Geiste“ ermittelt wurden, also im Bestreben wirklich objektiv zu messen, allemal glaubwürdiger sind als verbale „Gesundbeterei“. Nur wer sich von solchen Parolen tatsächlich einlullen ließ, für den sind die Zahlen überraschend. Für alle anderen bestätigen sie die angespannte weltwirtschaftliche Lage. Natürlich haben die Regierenden dieses Manko von Zahlen schon früh erkannt und zeigen sich deshalb stets bestrebt, die durch sie abgebildete Wirklichkeit mit ihren Wunschvorstellungen in Übereinstimmung zu bringen. Bei besonders kritischen Zahlenwerken konnte man in den letzten Jahren miterleben, wie daran herumgeschraubt wurde. Durch neue Berechnungs- und Abgrenzungsmethoden, verschwand so mancher Arbeitslose und manche Preiserhöhung vom amtlichen Statistikradar. Zufall ist das sicher nicht.

Wie Macht wirkt
Amtliche Statistiken – und die Verulkung des Bürgers mit seinen lediglich „gefühlten“ Erfahrungen (Stichwort: „gefühlte Inflation“) – sind schon eines der subtileren Felder, auf denen Macht wirkt. Je perfekter sie es auf solchen Schauplätzen vermag, desto seltener ist sie gezwungen, ihre hässliche und brachiale Variante auszuspielen – etwa den direkten Rechts- oder Vertragsbruch. Die höchste Stufe der Macht ist allerdings erst da erreicht, wo sie von den Beherrschten nicht einmal mehr wahrgenommen wird. In unserer Titelstory „Über Macht und Mächtige“ im aktuellen Smart Investor 7/2013 haben wir uns dem Thema ausführlich gewidmet. Lesen Sie doch einmal ein bisschen rein …

Zu den Märkten
Die schlechten Wirtschaftsdaten und das erneute Aufflackern der Schuldenkrise an der Euro-Peripherie stehen in auffälligem Kontrast zum Wiedererstarken des DAX, der gestern die Marke von 8.000 Punkten zurückerobern konnte. Dynamisch ist die Aufwärtsbewegung seit dem Zwischentief vom 24.6. allerdings nicht, was die Bewegung bislang als Reaktion auf die vorangegangenen Verluste kennzeichnet. Übergeordnet könnte sich im Index gerade sogar eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation herausbilden (grüne Markierungen mit Nackenlinie). Die ganze Unsicherheit der letzten Handelstage zeigt sich in dem rot eingekreisten Bereich: Innerhalb von drei Handelstagen wechselten sich dreistellige Kursgewinne und Kursverluste im täglichen Rhythmus ab. Selten dürfte der Preisfindungsmechanismus der Märkte so empfindlich gestört gewesen sein wie aktuell. Ein Umstand der sicher auch den ständigen (Verbal-)Interventionen der Notenbank-Chefs geschuldet ist. Im Moment scheint sich jedenfalls die Auffassung durchzusetzen, dass Bernankes Ankündigung, die ultraleichte Geldpolitik auf absehbare Zeit zu beenden, wohl keine entsprechenden Maßnahmen folgen werden. Denn wenn es zum Schwur im Finanzsystem kommt, wird die „Lösung“ der Notenbanken die gleiche wie immer sein – Zeit kaufen, durch mehr billiges Geld.

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Musterdepot Aktien
Unsere Order für weitere 3.000 Stück des Silberproduzenten Aurcana* (WKN A1T 9L6, Kurs: 0,97 EUR) wurde am 4.7.2013 zu 0,98 Euro pro Stück ausgeführt.

Ebenfalls zum Zuge kamen wir mit dem Kauf von weiteren 600 Stück der First Majestic Silver* (WKN A0L HKJ, Kurs: 8,79 EUR) zu einem Kurs von 8,54 Euro pro Stück.

Beim Verkauf von Aurelius (WKN: A0J K2A, akt. Kurs: 20,09 EUR) ist uns in der letzten Woche ein Fehler unterlaufen. Nach dem Split besaßen wir nicht mehr 400, sondern 1.200 Aktien. Davon haben wir die Hälfte – also 600 und nicht 200 Stück – zu einem Kurs von 18,60 EUR (Gewinn +55%) verkauft.

Musterdepot Fonds
Die 300 Anteile des Fidelity Thailand (WKN: 973 268, akt. Kurs 36,03) haben wir zu einem Kurs von 37,07 EUR verkauft (Gewinn +13,7%).

Auch unsere 100 Anteile am Julius Bär Global High Yield (WKN: 164 225) wurden veräußert. Kurs: 108,91 EUR (Gewinn +43,3%).

Die 70 Anteile des Toqueville Gold Fonds (WKN: A1C 4YR; deutsche Tranche) erwarben wir zu einem Kurs von 110,93 EUR (Depotanteil ca. 6%).

IfAAM Investmenttalk mit Frank Schäffler
Am 17. Juli 2013 findet im Gästehaus der Universität Hamburg der IfAAM Investmenttalk 2013 des Instituts für Austrian Asset Management statt. Neben dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler werden der Hamburger Vermögensverwalter Martin Mack (Mack & Weise) und Steffen Krug (IfAAM-Institut) gewohnt interessante Vorträge halten. Die Teilnahme ist kostenlos, es wird aber um eine Spende für den Wahlkampf von Frank Schäffler gebeten. Eine Bitte, die wir gerne unterstützen, denn Schäffler hat wiederholt Rückgrat im Interesse der Bürger bewiesen. Nähere Informationen gibt es hier. http://www.ifaam-institut.de/wp-content/uploads/2013/07/IfAAMInvestmenttalk2013.pdf

Bundestagswahl 2013 – Unterstützungsunterschriften
Gerade die kleinen Parteien haben es schwer, in allen Bundesländern bei der Bundestagswahl mit eigenen Landeslisten anzutreten. Falls auch Sie im Bundestag eine Stimme der Vernunft (Partei der Vernunft) oder echte Alternativen (Alternative für Deutschland) zur Euro-„Rettungspolitik“ von Regierung und Opposition vermissen, dann ist jetzt die Zeit zu handeln. Mit einer sogenannten Unterstützerunterschrift helfen Sie mit, dass die genannten Parteien mit eigenen Landeslisten zur Wahl antreten können. Dies ist keine Vorfestlegung für Ihr Wahlverhalten, aber Sie leisten damit einen Beitrag für echte Meinungsvielfalt im Parlament. Klicken Sie einfach auf die Links zu den Parteien und informieren Sie sich. Hinweis: Jeder Wahlberechtigte darf nur für eine Partei eine Unterstützungsunterschrift leisten, muss über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügen, mindestens 18 Jahre alt sein und seinen Hauptwohnsitz in dem jeweiligen Bundesland haben. Die Frist endet am 15. Juli 2013.

Fazit
Nicht nur die Wirtschaftslage trübt sich ein, auch die alten Brandherde der Euro-Krise flackern erneut auf. Dies ist insofern nicht überraschend, da allenfalls ein Bruchteil der vielen Hundert Milliarden an „Rettungs- und Unterstützungsgeldern“ in der realen Wirtschaft oder bei den ächzenden Schuldnern angekommen ist. Das meiste davon dürfte unter dem Siegel der strikten Geheimhaltung im Dickicht zwischen Staat, Notenbank und Geschäftsbanken verschwunden sein – es stärkte die Bilanzen der Letztgenannten und ölte die staatliche Transfermaschine.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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