SIW 31/2013: Veggie-Tage für den DAX?!

Wettbewerb der Volkserzieher

In knapp sieben Wochen ist es soweit – bei der Bundestagswahl am 22.9. ist der „Teilsouverän“ aufgerufen ein wenig Demokratie zu spielen. Wenn man sich die Vorschläge einiger Politiker ansieht, dann kommen einem jedoch Zweifel, ob hier wirklich Abgeordnete zur Wahl stehen, oder ob die Insassen der „24/7-Kita“ namens Bundesrepublik Deutschland lediglich ihre Lieblings-Erzieherinnen küren sollen. Zumindest scheint das letzte Bisschen an Gestaltungs- und Vertragsfreiheit einer Spitzen-Grünen wie Renate Künast schlaflose Nächte zu bereiten. „Veggie-Day“ heißt das Stichwort und die Frau treibt die Sorge um, ob der Staat den „mündigen Bürger“ bei der Auswahl seiner Mahlzeiten wirklich alleine lassen darf? Richtig ist: Der deutsche Fleischkonsum ist hoch, manche Nutztiere vegetieren unter schändlichen Bedingungen und gegen gesunde Ernährung kann man kaum Vernünftiges einwenden. Interessanterweise sind auch genau das die Themen, über die in der Presse nach der „Veggie-Day“-Forderung diskutiert wird. Sehr viel weniger wird dagegen über das Grundsätzliche gesprochen: Die Anmaßung von Volksvertretern, die bis auf die Teller der Bürger durchregieren wollen. Denn es geht nicht etwa um eine freundliche Empfehlung eines Gesundheitspolitikers, nein, es geht darum, dass Kantinen einmal pro Woche nur Fleischloses anbieten dürfen(!) sollten. Das ist Zwang. Es ist Ausdruck jener abstoßend autoritären Denke, die sich nicht nur unter den Zeitgeist-Jakobinerinnen vom Zuschnitt einer Frau Künast breitgemacht hat. Der liberale Blogger Armin Willburger brachte diese Tendenzen im Kurznachrichtendienst Twitter auf den Punkt: „Kantine ohne Fleisch ist wie Künast ohne ü.“ (Wahl-)Freiheit verliert sich bekanntlich in kleinen Dosen: In der Kantine etwa, oder in der Bahn, für die der grüne Nachwuchs jetzt die Abschaffung der „1. Klasse“ gefordert hat. Inakzeptabel sei es, dass sich nur „exklusive Leute exklusive Angebote“ leisten könnten. Ein „Argument“ das sich mühelos auch gegen Fahrzeug, Unterkunft und Klobürste in Stellung bringen lässt. Und was eigentlich sind „exklusive Leute“?! Mehr als nur schemenhaft zeichnet sich das „Ideal“ des neuen grünen Einheitsmenschen ab – sozial gerecht, klimafreundlich und bis zum Toilettengang bevormundet. Dabei ist der fleischlose Tag ohnehin keine grüne Erfindung, sondern ein Plagiat der traditionellen Fastenordnung der katholischen Kirche – also ausgerechnet jener konkurrierenden Glaubensgemeinschaft mit der man – abgesehen vom autoritären Gehabe und dem Interesse an Kindern – nur wenige Gemeinsamkeiten zu haben vorgibt.

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Zu den Märkten

Auch ohne Veggie-Day gibt es durchaus Hinweise, dass beim DAX jetzt erst einmal Schmalhans Küchenmeister sein wird. Zu nahe rückt die Bundestagswahl und der marktfeindliche Drall, den viele Themen und Diskussionen aufweisen, ist unübersehbar. Es darf dabei nicht vergessen werden, dass viele deutsche Unternehmen nicht nur Spitzentechnologie erzeugen, sondern diese auch fast zwangsläufig im oberen, dem geschmähten „exklusiven“ Preissegment anbieten. Der Fahrzeugbau etwa ist ein solcher Standpfeiler der deutschen Wirtschaft. Wie in keinem zweiten Land besetzen die Deutschen die Segmente der automobilen Ober- und gehobenen Mittelklasse. Nicht nur die Tendenzen zur Gleichmacherei (s.o.), auch die ständig verschärften gesetzlichen Vorgaben zielen direkt auf derartige Luxusprodukte. Dass unter dem hochfliegenden Ziel des „Klimaschutzes“ auch knallharte Industriepolitik betrieben wird, will man hierzulande eher nicht wahrhaben. Deutschland hat es zudem – im Gegensatz zum EU-Partner Frankreich und den meisten anderen Ländern – schlicht verlernt, sich auch für die Belange der eigenen Industrie stark zu machen. Wie berichtet, war es im Wesentlichen der Absatz in den Emerging Markets, der die Bilanzen der heimischen Autobauer diesmal noch versüßte. Angesichts der auch dort deutlicher werdenden Wachstumssorgen wird das aber vermutlich nicht lange so bleiben.

Dabei sollte man sich von Kursen in der Nähe der Allzeithochs und der hochsommerlichen Ruhe nicht einlullen lassen. Denn es könnte sich dabei auch um die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm handeln. Spätestens nach der Bundestagswahl wird die Geschichte der Euro-Krise weitergeschrieben. Die Auffassung, dass hier das letzte Kapitel bereits hinter uns läge, wird sich als grandioser Trugschluss, wenn nicht als absichtsvolle Wählertäuschung erweisen. Auch die Wähler/Bürger/Steuerzahler, die momentan noch mit mäßig originellen Versprechungen umworben werden, werden nach dem Wahltag in ihre angestammten Rollen reduziert – die Wähler und Bürger als lästiges Beiwerk und die Steuerzahler als jene Wirtstiere, aus deren Taschen die politische Klasse und ihre Klientel so prächtig lebt. Die schon jetzt absehbaren Steuererhöhungen, die in einigen besonders kollektivistisch orientierten Parteikonstellationen zu wahren Steuererhöhungsorgien ausarten dürften, schaffen jedenfalls kein Klima, in dem sich Investitionen aufdrängen – in den Aufgabenbereich des „Klimaschutzes“ fällt das Investitionsklima ohnehin nicht.

Auch technisch sieht die Lage weniger rosig aus, als es die Nähe zu den Allzeithochs vermuten lässt. Die gesamte Aufwärtsbewegung des DAX-Performanceindex seit Mitte 2011 hat die Form eines überdimensionalen aufwärtsgerichteten Keils. Derartige Keilformationen gelten als Hinweis auf kommende Kursrückgänge. Der Ausbruchsversuch nach oben (Mai 2013) muss mit der Rückkehr in den Keil jedenfalls als gescheitert gelten. Während der letzten Wochen kroch der Index wenig motiviert an der oberen Begrenzung des Keils entlang, um sich gestern deutlicher von dieser Marke zu entfernen. Brisant ist diese Charttechnik vor dem Hintergrund, dass viele Beobachter derzeit in Richtung neuer Höchstmarken schielen. Eine gewisse Sorglosigkeit macht sich breit. Die Notenbankchefs, allen voran Bernanke und Draghi, werden es schon richten. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Märkte einen Haken schlagen – genau weil dies kaum jemand auf dem Plan hat. Das große Chartbild sieht derzeit jedenfalls nicht nach einem erneuten kraftvollen Durchstarten aus, sondern eher nach einer Toppbildung.

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Musterdepot Aktien

Mit dem Kauf unserer ersten Position von 1.000 Stück Hargreaves Services PLC (WKN A0H MDY, akt.: 9,40 EUR; ca. 3% Depotanteil) sind wir bislang nicht zum Zuge gekommen. Der Handel in Frankfurt ist dünn. Unser Limit von 9,30 EUR lassen wir bis auf Widerruf im Markt. Mehr zu Hargreaves finden Sie im Heft auf S. 74.

In Anbetracht der geschilderten Situation halten wir es für angebracht, den Großteil eines Aktiendepots nicht mit deutschen Werten zu besetzen. Zudem erscheint es uns sinnvoll, mit einer kleinen Versicherung zu operieren. Wir legen daher ab dem morgigen Donnerstag ein Limit für den DAX-Put-Optionsschein mit der Kennnummer TB5 F6T. Der von HSBC Trinkaus & Burkhardt emittierte Schein hat als Basis 7.000 DAX-Punkte und läuft bis 17.9.2014, also etwas mehr als ein Jahr. Wir limitieren ab morgen für 1.000 Stück zu einem Kurs von 2,45 EUR (akt.: 2,59 EUR). Wir setzen also etwas weniger 1% des Depotvermögens auf diese Versicherung. Es handelt sich dabei um eine Versicherung und nicht um eine Spekulation. Wenn der DAX nicht deutlich in den kommenden Monaten nachgibt, wird diese Versicherungsprämie verfallen, möglicherweise bis hin zum Totalverlust.

Musterdepot Fonds

Die 400 Anteile des Alger American Asset Growth Fund (WKN: 986 333, akt. Kurs 28,49 EUR) haben wir vergangenen Donnerstag zu einem Kurs von 28,49 EUR erworben.

Veranstaltungshinweis
SRC Research, das führende bankenunabhängige Analysehaus für börsennotierte Immobiliengesellschaften und Finanzwerte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz lädt auch dieses Jahr zu seiner großen Jahres-Investorenkonferenz ein. Am Mittwoch, den 4. September von 9:30 – 17:30 Uhr, präsentieren sich neun namhafte Unternehmen auf Vorstandsebene vor professionellen Anlegern und Vertretern der Wirtschafts- und Finanzpresse in Frankfurt am Main.
Die Teilnahme an dieser Jubiläumsveranstaltung (10 Jahre) ist für professionelle Anleger kostenfrei. Nähere Informationen und Anmeldung unter: www.src-research.de/ffs

Fazit

Erneut haben uns fragwürdige Forderungen aus dem Bundestagswahlkampf erreicht. Wir werden in den kommenden Wochen noch einiges in dieser Richtung erleben. Für den mündigen Bürger sind die Tendenzen zur weltanschaulichen Bevormundung nicht nur beklemmend, sie sind mit einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung auch nicht ansatzweise vereinbar.

Für deutsche Aktien bleiben wir erst einmal vorsichtig gestimmt. Spätestens nach der Wahl wird nämlich damit begonnen werden müssen, die angerichtete Euro-Suppe auszulöffeln. Und wie das immer so bei politischen Fehlleistungen ist, gilt dann nicht mehr das Verursacher- sondern das Tragfähigkeitsprinzip. Vor dem Hintergrund, dass schon die aktuelle schwarz-gelbe Koalition, allgemein als wirtschaftsfreundlichste Regierungsvariante angesehen, kaum Rückendeckung für deutsche Wirtschaftsinteressen bot, werden bei jeder anderen Konstellation tendenziell noch mehr Eingriffe zu Lasten der relativ Erfolgreichen anstehen – solidarisch und gerecht!

Ralf Flierl, Ralph Malisch


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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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