SIW 34/2013: Syrien-Krieg wird offiziell

Schockstrategie

Die Nachrichten, die uns vom Giftgas-Massaker in Syrien erreichten, waren ohne Wenn und Aber schockierend. Jegliche Nachfrage – so suggerierte insbesondere der Boulevard – verbot sich angesichts der abstoßenden Wucht der Bilder von toten Kindern. Auf die Macht der Bilder ist Verlass und das wissen kriegsführende Parteien ganz besonders gut. Schon am ersten Tag und noch vor Aufnahme irgendwelcher Untersuchungen stand das Ergebnis fest: Assad ist schuldig und wer schuldig ist, verdient einen ordentlichen Denkzettel, besser noch – die chirurgische Entfernung aus dem Amt mittels Marschflugkörpern. Schlag auf Schlag erfahren wir von der bemerkenswert raschen Zusammenziehung der Truppen im Mittelmeer.

Da muss man schon fast dankbar sein, dass Zypern noch vor wenigen Monaten „gerettet“ wurde, denn heute dient die Insel britischen Verbänden bereits als Operationsbasis. Trotz der massiven Propaganda mag in der Bevölkerung bislang keine rechte Kriegsbegeisterung aufkommen. Nach jüngsten Umfragen lehnen nicht nur die Deutschen, sondern auch die Amerikaner selbst mehrheitlich den von der US-Regierung vorangetriebenen offenen Angriff auf Syrien ab. Auch außerhalb der NATO steht Friedensnobelpreisträger Obama mit seinen Plänen zur Maßregelung Assads relativ isoliert da. Russland und China machten bereits deutlich, dass sie derzeit kein Anti-Assad-Mandat der UNO mittragen werden – Alleingänge der USA und ihrer Verbündeten lehnen sie ebenfalls ab. Die Fiktion einer „Weltgemeinschaft“, die handeln müsse, so das bemühte Konstrukt in Teilen der nur als „kriegslüstern“ zu bezeichnenden Medien, kann jedenfalls nicht überzeugen. Wenn die bevölkerungsreichsten Länder wie China und Indien auf Abstand gehen und selbst die Mehrheit der Menschen innerhalb der NATO-Länder keinen Angriff auf Syrien will, wer eigentlich ist dann diese ominöse „Weltgemeinschaft“?!

Die Regierungen der USA, Großbritanniens oder Frankreichs, für die ein Waffengang auch eine willkommene Ablenkung von der Malaise zu Hause wäre?! Oder ist es gar die Regierung der teilsouveränen Bundesrepublik Deutschland, die in hündischer Ergebenheit eigentlich immer wedelt, wenn ihr Herrchen pfeift. Umso eiliger scheinen es jetzt die USA zu haben, den bislang verdeckten Zermürbungskrieg gegen Assad offiziell zu machen und erfolgreich Fakten zu schaffen. Befindet man sich nämlich erst einmal im Krieg, verstummt erfahrungsgemäß auch die Opposition. Bis dahin wird die Bevölkerung unter das Dauerfeuer von Propaganda und Desinformation genommen. Denn das, was offenbar längst beschlossen wurde – nämlich die Eskalation zu einem richtigen Krieg –, soll irgendwie moralisch und richtig erscheinen.

Auf eine Frage allerdings werden wir dabei aber wohl eher keine Antwort erhalten: Warum haben die syrischen Machthaber die unübersehbare „rote Linie“ eines Chemiewaffeneinsatzes überschritten, obwohl ihnen doch völlig klar sein musste, was ihnen dann blüht?! Ein Fall für die Historiker.

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Marktreaktionen
Es erscheint profan, im Angesicht dessen, was sich rund um Syrien aufbaut, über Märkte zu sprechen. Dennoch reagieren sie darauf – und das ziemlich direkt. Am Offensichtlichsten ist der Anstieg des Ölpreises – wie eigentlich immer, wenn es in der Region zu Spannungen kommt. Auch nur die Möglichkeit (vorübergehender) Versorgungsengpässe hat aufgrund des enormen Energiehungers erhebliches Negativpotenzial für die meisten Volkswirtschaften. Betroffen sind hier die alternden Ökonomien des Westens ebenso wie die aufstrebenden des Ostens. Der Ölpreis jedenfalls knüpft fast nahtlos an das Momentum an, das sich im Umfeld des ägyptischen Umsturzes schon aufgebaut hatte.

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„Kriegsbörsen“
An den Aktienmärkten blieb die Reaktion ebenfalls nicht aus. Dabei lassen sich zwei Phänomene identifizieren: Abwärts gerichtete Kurse und ansteigende Volatilität. Diese Reaktion ist stimmig wenn man sie mit früheren „Kriegsbörsen“ vergleicht: 1991 (Irak), 2003 (Irak) und 2011 (Libyen). Zwar sollte man sich vor monokausalen Erklärungen hüten, aber ein Krieg in der sensiblen Region hat Auswirkungen auf den heimischen Aktienmarkt. Das Muster, das sich herauszubilden scheint, geht dabei in etwa so. Im Vorfeld eines militärischen Eingreifens der USA kommt es zu heftigen verbalen Schlagabtäuschen, die die Börsen zum Teil extrem verunsichern und die Kurse weit nach unten treiben. Sobald die Angriffe aber erst einmal gestartet sind, kommt es an den Märkten – und das soll nicht zynisch klingen – fast zu einer Art Erleichterung.

Die Anspannung löst sich umso schneller, je rascher sich zeigt, dass die USA die Oberhand behalten. Die Kurse erreichen also um den eigentlichen Kriegsausbruch tendenziell lokale Tiefs. Ein Vergleich der drei Charts scheint noch etwas anderes anzudeuten. Je länger der zeitliche Vorlauf, desto mehr werden die Marktteilnehmer zermürbt und desto tiefer fallen auch die Kurse (1991). Und noch ein Phänomen ist sichtbar: Mit jeder Wiederholung wird der Effekt schwächer, wobei Libyen ohnehin einen Sonderfall darstellt. Die Märkte gewöhnen sich dabei nicht unbedingt an die Schrecknisse des Krieges, aber die Marktteilnehmer lernen aus jedem vergangenen Kriegsereignis und bilden entsprechende Erwartungen für künftige Kriege. Die Standarderwartung ist mittlerweile, dass die USA die Sache zügig für sich entscheiden, sobald sie losschlagen.

Aus dem Gesagten lässt sich der Schluss ziehen, dass es im Fall Syrien eine eher kurze Börsenreaktion geben wird. Weder sind Verhandlungsprozesse noch sind Ultimaten vorgesehen. Es geht um eine praktisch aus dem Stand ausführbare Strafaktion gegen Assad – vermutlich in der Hoffnung, dass die „Rebellen“ im Lande dann den Rest erledigen. Soweit die Standarderwartung. Allerdings ist diesmal kein UNO-Mandat vorhanden und die Koalition um die USA bleibt klein. Viel dürfte daher davon abhängen, wie die anderen Großmächte, die allesamt Interessen in der Region haben, reagieren. Das ist über den zu erwartenden Militärschlag hinaus das eigentliche Risikopotenzial der Situation.

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Musterdepot Aktien
Wir haben letzte Donnerstag 2.000 Stück des DAX-Put-Optionsscheins der HSBC Trinkaus & Burkhardt (WKN TB5 F6D, akt. Kurs: 2,80 EUR) zum Kurs von 2,30 EUR erworben. Aufgrund der akuten Kriegsgefahr im Nahen Osten sichern wir unser Depot weiter ab und erwerben noch einmal 1.000 Stück dieses Scheins mit einem Limit von 2,65 EUR, gültig ab morgen zur Eröffnung. Sollte der volatile Markt eine entsprechende Gegenbewegung vollführen, würde sich damit unsere Absicherung entsprechend erhöhen. Die Position ist als reine Absicherung gedacht und keine Spekulation. Wenn der DAX in den kommenden Monaten nicht deutlich nachgibt, wird diese Versicherungsprämie verfallen, möglicherweise bis hin zum Totalverlust.

Auch bei den Einzelpositionen wollen wir Risiko aus dem Depot nehmen:
Für unsere 750 Stück des US-Pharmaunternehmens Pfizer (WKN 852 009, akt. Kurs: 21.05 EUR) legen wir ein Stopp-Loss von 20,50 EUR auf Frankfurter Schlusskursbasis in den Markt. Sollte diese Marke zum Handelsschluss in Frankfurt durchschlagen werden, wird die Position am nächsten Tag zur Eröffnung bestens verkauft.

Auch die 300 Stammaktien der Metro AG (WKN 725 750, akt. Kurs: 27,50 EUR) stellen wir zur Disposition. Konsumfreude und Kriegsangst passen nicht zusammen. Unser Stopp-Loss liegt bei 27,00 EUR. Wird diese Marke zum Handelsschluss in Frankfurt durchschlagen, erfolgt auch hier der Verkauf zur Eröffnung am nächsten Tag bestens.

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Keine Änderungen

Veranstaltungshinweis
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Fazit

Die dramatische Zuspitzung des Syrien-Konflikts hat die Börsen erreicht. Wir gehen davon aus, dass es schon innerhalb der nächsten Tage zu einem Angriff der USA auf das Land kommt. Ob danach „zur Tagesordnung“ übergegangen werden kann, hängt von den Reaktionen Russlands und Chinas ab. Der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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