Löcher in der Matrix – Helden der Rückschau

„Milliardenverlust, weil keiner auf Bernanke hörte“ (welt.de, 8.10.2013)

Ein wenig naseweis kommt der Autor des Beitrags daher, als er feststellt: „Hätten sie mal zugehört, hätten sie vielleicht weniger Geld verloren.“ Es geht um die Verluste, die in den letzten Monaten mit dem Erwerb von Gold erlitten wurden. Neu ist allerdings, dass derlei Häme des Mainstreams nicht über unbelehrbaren privaten Anlegern ausgegossen wird. Nein: „Die Rede ist von den Herren des Geldes, den Chefs der Notenbanken.“ Also jenen Notenbankern, die nicht auf die Warnungen des Großen Vorsitzenden gehört hatten, oder muss es heißen: Die nicht gehorcht hatten?! Ein Affront, der mit Kursverlusten bestraft wird. So ein ganz neutraler Warner ist der Fed-Chef allerdings nicht, denn wer sich für Gold statt US-Dollar entschied, der verschmähte just jenes Geld, das Bernanke selbst am laufenden Band und über alle Maßen produziert – was natürlich genau der Grund ist, es zu verschmähen. Und worauf hätten die armen Notenbanker eigentlich hören sollen? Die „Warnung“ Bernankes bestand in dem dürren Satz vom Juli, dass niemand den Goldpreis verstehe und er das auch nicht tue. Ein Satz der sowohl in Bezug auf die weitere Preisentwicklung als auch auf die Person des Fed-Chefs einigen Interpretationsspielraum zulässt. Nicht einmal Bernanke selbst wollte sich jedenfalls so verstehen, dass aus diesem Satz irgendwelche praktischen Konsequenzen zu ziehen wären – er gebietet mit seinen Kollegen immerhin über den größten offiziellen Goldschatz der Welt. Nur der Autor weiß ganz genau, wie der Satz zu interpretieren war – zumindest in der Rückschau. Das allerdings ist eine Kunstform, die unter echten Marktteilnehmern verdientermaßen nur wenig Anerkennung findet.

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