Löcher in der Matrix – Gesellschaftlicher Konsens

„S.P.O.N. – Die Spur des Geldes: Plädoyer für einen (niedrigen) gesetzlichen Mindestlohn“ (spiegel.de, 16.10.2013)

Über die Hintertür der anstehenden Großen Koalition des kleinsten Nenners kommt er nun wohl auch in Deutschland – der flächendeckende Mindestlohn. Kommentator Wolfgang Münchau will uns das Thema wohl irgendwie schmackhaft machen und verweist auf die USA und Großbritannien, die „eher marktwirtschaftlicher orientiert als Deutschland“ seien – was nebenbei bemerkt auch nicht sonderlich schwer ist – und bei denen der Mindestlohn dennoch „kein Thema ideologischer Debatten“ sei. Um Ideologie geht es auch nicht, sondern um glasklare Ökonomie. Um die aber drückt sich Münchau mit seiner schwammigen Abschätzung der (Nicht-)Auswirkungen: „Klar, kein Problem, solange er [der Mindestlohn] nicht zu hoch ausfällt und solange man genügend Ausnahmen schafft.“ Genau das soll aber nach der „One Size fits All“-Ideologie gerade nicht geschehen und es ist schon jetzt absehbar, dass die Mindestlohn-Einheitsjacke just jene am stärksten kneifen wird, für die sie eigentlich angefertigt werden soll. Denn mit einem Satz trifft Münchau ins Schwarze: „Mindestlöhne sind Ausdruck der Übereinkunft einer Gesellschaft, dass man Arbeit unter einem bestimmten Lohnniveau nicht will.“ Obwohl diese „gesellschaftliche Übereinkunft“ zwar nur ein Fabelwesen aus seiner Schreibstube ist, gibt es in der Realität tatsächlich eine vergleichbare Wirkung – nur eben anders als erhofft: Trifft nämlich auf die gedachte gesellschaftliche Preisuntergrenze für Arbeit eine damit nicht vereinbare Preisobergrenze jedes Einzelnen bei der Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, dann wird die so bepreiste Arbeit tatsächlich nicht gewollt werden.
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