Löcher in der Matrix – Das Handy der anderen

„Lausch-Angriff auf Handy der Kanzlerin? So dreist spionieren uns die Amis aus“ (bild.de, 24.10.2013)

Von Stefan Preuß

Man muss jetzt nicht genüsslich die alten Zitate von Friedrich bis Pofalla, von Gröhe bis Merkel auskramen, um sich im Lichte der neuen Entwicklungen seine Gedanken zu machen, wie naiv regierungsverantwortliche Politiker eigentlich sein können. Dazu hätte es der Enthüllung um das Handy der Kanzlerin nicht bedurft. Doch es wird immer doller. Jetzt heißt es: „Ausspionieren, das gehe unter Freunden gar nicht.“Hallo? Unter Freunden? Wie naiv ist das denn?

Es soll hier nicht grundsätzlich um das Handy der anderen gehen, obschon es durchaus interessant ist, dass sich die Kanzlerin nicht so recht für das Thema interessieren mochte – bis ihr eigenes Handy betroffen war. Angst macht vielmehr die Nonchalance, mit der die Tatsache der Wirtschaftsspionage noch immer nicht thematisiert wird.

Es ist durch Dokumente dargelegt, dass die NSA Ölkonzerne wie Petrobras, diverse Versorger, Fluggesellschaften und Banken ausspioniert hat. Und da soll gerade bei „made in Germany“ nicht spioniert worden sein? Das ist der Part direkte Wirtschaftsspionage.

Und dann gibt es die ökonomisch motivierte Politikspionage. Der Dollar befindet sich gerade auf Abschiedstournee als unangefochtene Leitwährung. Es ist nicht sonderlich schwer zu erkennen, dass in Zukunft die Neigung anderer Staaten, das Defizit der USA zu finanzieren, abnehmen wird. Wirtschaftsspionage und wirtschaftlich motivierte Politik-Spionage unter dem Deckmäntelchen der Terrorbekämpfung zeigen: Für die USA gibt es im Business-Kampf keine Freunde, nur Gegner. America first. Es ist nicht anzunehmen, dass die Amerikaner an der Bündnistreue der Kanzlerin zweifelten. Vielmehr interessieren sie sich, was Deutschland zum Euro, zur EU und anderen wirtschaftspolitischen Dingen denkt und zu handeln gedenkt.

Unter Freunden,tz.tz,tz. Sieht vielmehr so aus, dass zu gegebener Zeit Friedrich, Pofalla, Gröhe und Merkel noch ganz schön oft ganz schön empört in Washington anzurufen haben.

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