Smart Investor 12/2013 – Unkonventionelle Energiegewinnung – Fracking: Große Chance oder große Illusion?

Energieautarkie oder Propaganda?
Was stimmt denn nun? Werden die USA bis Ende dieses Jahrzehnts ihre Öl- und Gasförderung so stark steigern, dass sie nicht nur von Importen unabhängig werden, sondern sogar Saudi-Arabien als weltgrößten Produzenten ablösen (wie von optimistischen Analysten und marktschreierischen Börsenbriefschreibern behauptet)? Oder wird hier wieder mal ein Propaganda-Märchen verbreitet, mit dem Ziel, den angeschlagenen US-Dollar zu stärken und Optimismus zu erzeugen? Beim Fracking, einer Technologie zur Ausbeutung unkonventioneller Erdgas- und Erdölvorkommen, stehen sich die Meinungen unversöhnlich gegenüber. Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengetragen.

Fracking – Technologischer Fortschritt und Umweltprobleme
Als „Fracking“ oder „Hydraulic Fracturing“ – von engl. „to fracture“, aufbrechen – wird eine in den späten 1940er Jahren entwickelte Technik zur Erweiterung von Rissen in unterirdischen Gesteinsformationen bezeichnet. Dabei wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in das Gestein injiziert. Fracking wird seit Jahren bei der Öl- und Gasförderung eingesetzt, um die Ausbeute zu erhöhen. Die Weiterentwicklung der Fracking-Technologie und der Einsatz innovativer Horizontalbohrtechniken ermöglichten es in Zeiten steigender Öl- und Gaspreise, auch „unkonventionelle“ Vorkommen von Öl und Gas in Schiefergestein zu erschließen.

„Konventioneller“ vs. „unkonventioneller“ Einsatz
Es ist ganz offensichtlich ein Unterschied, ob Fracking als Hilfsmittel bei der traditionellen Öl- und Gasförderung oder zum Aufbrechen von Schiefergestein verwendet wird. Der „konventionelle“ Einsatz wurde bislang kaum kritisiert. Ein großes Problem beim Fracking von Schiefer ist der enorme Wasserverbrauch, so Ian T. Dunlop in dem Buch „Der geplünderte Planet“ (oekom-Verlag). So werden in der Marcellus-Formation in den nördlichen Appalachen 15 Mio. Liter Flüssigkeit für einen Fracking-Vorgang benötigt gegenüber 0,4 Mio. Litern bei vergleichbarer Förderung von konventionellem Gas im selben Gebiet. Wegen des hohen Drucks gelangt klimaschädliches Methan in die Atmosphäre, wobei zwischen Industrie, Regierungen und Kritikern über die Menge des austretenden Gases gestritten wird. Anwohner beklagen Gesundheitsschäden durch die giftigen Chemikalien; in den USA kämpfen bereits zahlreiche Bürgerinitiativen gegen Fracking. Da Tausende von Löchern gebohrt werden, werden ganze Landschaften zerstört.

Die US-Amerikaner als die neuen Ölscheichs?
In Nordamerikas Schieferformationen lagern tatsächlich riesige Mengen Öl und Gas, wobei die Zahlen je nach Quelle stark differieren. Theoretisch hätten die USA durchaus die Chance, Saudi-Arabien als weltgrößten Förderer von Kohlenwasserstoffen abzulösen. Die entscheidende Frage: Wie viel von den Vorräten in den USA ist wirtschaftlich förderbar? Hier gab es zuletzt herbe Enttäuschungen. Hochfliegende Erwartungen wurden nach unten korrigiert.
Der Jahresbericht 2013 der U.S. Energy Information Administration (EIA) zeichnet ein gemischtes Bild: Die unkonventionelle Ölgewinnung in den USA ist in den letzten fünf Jahren eindrucksvoll gestiegen und liegt aktuell bei 20% der Gesamtförderung. Dadurch gelang es, den 1970 begonnenen Abwärtstrend umzukehren; die Förderung liegt heute um 16% über dem Tief des Jahres 2008. Die EIA erwartet, dass die unkonventionelle Ölförderung in den USA bereits 2017-2019 mit 2,3 Mio. Barrel pro Tag (bpd) ihren Höhepunkt erreicht und bis 2025 auf 0,7 Mio. bpd fallen wird. Die gesamte Ölförderung der USA soll von ihrem für die Jahre 2017-2019 erwarteten Hoch bei 7,5 Mio. bpd bis 2040 auf etwa 6,1 Mio. bpd schrumpfen (vgl. Abb. 1).


Abb. 1: EIA-Prognose der US-Ölproduktion
Aufgeschobener Niedergang: Nach Prognosen der U.S. Energy Information Administration (EIA) soll die US-Ölförderung gegen Ende dieses Jahrzehnts bei 7,5 Mio. Barrel pro Tag ihr Maximum erreichen, um danach langsam zurückzugehen. Chart: EIA

Das „Peak Oil“-Szenario ist intakt, der Niedergang wird auf der Zeitachse nach hinten verschoben. Die Förderung von Schiefergas mit Hilfe von Fracking zeigte in den letzten Jahren ein explosionsartiges Wachstum und liegt heute bereits bei 40% der US-Gasproduktion. Sie stagniert aber seit Anfang 2012, wohl auch wegen des niedrigen Gaspreises in den USA…

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der aktuellen Ausgabe des Smart Investor 12/2013