Löcher in der Matrix – Linke Anti-Europäer

„Mein Fehler“: Lanz über die Wagenknecht-Sendung“ (dwdl.de, 23.1.2014)

Nach der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ vom 17.1., bei der es zu heftigen Wortgefechten zwischen Gastgeber Lanz und der stellvertretenden Vorsitzenden der Partei „Die Linke“, Sahra Wagenknecht, kam, schlugen die Wellen hoch. So hoch, dass eine Zuschauerin, Maren Müller, sogar eine Online-Petition mit dem Titel „Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag!“ startete – eine Petition, der bislang rund 174.000 Bürger zugestimmt haben. Was weder Frau Müller noch die Petenten zu wissen scheinen: Beim Staatsfunk wird von oben bestimmt und von unten bezahlt, nicht umgekehrt. Die neue Fernsehsteuer ist damit zumindest eindeutig mit EU-Recht kompatibel.

Immerhin sah sich Lanz nach einer Woche genötigt, sich – so wird das bewertet – zu entschuldigen. Hart ging er mit sich ins Gericht:
O-Ton: “Wenn das energische Nachfragen zu rustikal und sogar persönlich war, dann bedaure ich das.“

Erhellend ist der fragliche Dialog. Aus relativ heiterem Himmel bricht Lanz das EU-Thema vom Zaun, wohl wissend wie Wagenknecht in der Sache tickt:

Lanz: „Jetzt muss ich einmal einhaken. Das heißt, sie unterstützen Europa uneingeschränkt? Das heißt das finden sie gut?“
Wagenknecht: „Ja, was ist Europa?“
Lanz: „Ja, was ist Europa für Sie? Sagen Sie es mir.“
Wagenknecht: „Ich unterstütze europäische Werte. Ich finde die Europäische Kultur großartig und …“ Lanz schneidet das Wort ab: „Die Europäische Union?“
Wagenknecht: „Ich finde die heutige Politik der Europäischen Union zutiefst falsch …“
Lanz: „Was ich von Ihnen versuche hier einmal rauszubekommen, ist ein klares Bekenntnis zu diesem [!] Europa.“
Wagenknecht: „Zum heutigen Europa mit 19 Mio. Arbeitslosen? Was soll ich mich dazu bekennen? …“

In diesem Stil ging es eine ganze Weile. Der sattsam bekannte Propagandatrick „Diese EU ist das einzig denkbare Europa“, verfing bei Wagenknecht allerdings nicht. Lanz mag auf seine Mission gut vorbereitet gewesen sein, rhetorisch und vermutlich auch intellektuell war er Wagenknecht in dieser Frage jedoch erkennbar nicht gewachsen. Es ist allerdings auch nicht leicht, eine dezidiert linke Politikern als „anti-europäisch“ in die rechte Ecke zu stellen. Dass eine dezidiert „linke Wirtschaftspolitik“ auch keine zukunftsweisende Lösung ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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