SIW 5/2014: Schuss vor den Bug

Verpatzter Jahresauftakt
Schon der Start ins neue Jahr war an den Aktienmärkten holprig. Der erste Handelstag brachte mit einem Minus von 1,6% die größte Kursbewegung seit Wochen – und die ging auch gleich nach unten. Im SIW 2/2014 hatten wir bereits die besonderen Auswirkungen des Jahreswechsels auf Trends diskutiert (Stichwort: „Windows Dressing“). Wenn die Trends unangefochten wären, dann hätte man nach diesen Verwerfungen einfach zur Tagesordnung übergehen können. Ging man aber nicht. Stattdessen kam es am vergangenen Freitag zu einem weiteren Rückschlag und der hatte es in sich: Minus 2,5% standen am Ende des Tages auf dem Zähler und damit ist der Januar wieder auf negativem Kursterrain. Die magische Marke für eine positive Januar-Bilanz liegt beim Vorjahresschluss von 9.552,16 Punkten. Mit dem heutigen erneuten Absturz ist diese Marke erst einmal in weite Ferne gerückt – zumal der Januar noch ganze zwei Handelstage hat. Wir wären also aller Voraussicht nach im ersten Börsenmonat des neuen Jahres per Saldo mit sinkenden Kursen konfrontiert, was in der weitesten Fassung des Januar-Effekts – „Wie der Januar, so das Jahr“ – keine guten Aussichten für das Börsenjahr 2014 erwarten lässt. Dies ist allerdings nur ein Mosaiksteinchen, das in das Gesamtbild einfließt. Die landauf, landab propagierte Alternativlosigkeit von Aktien sehen wir so jedenfalls nicht. Zur Sharewise Community

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Trends nur noch teilweise intakt
Jetzt ist also nicht Alternativlosigkeit sondern ein wachsames Auge auf die weitere Entwicklung gefordert. Nicht nur die beiden eingangs erwähnten Handelstage – sondern auch der heutige – haben erneut sehr eindringlich gezeigt, wie schnell und scheinbar widerstandslos sich die Abwärtsdynamik Bahn bricht. Heute wurde erneut der steile Aufwärtstrend verletzt. Wie es zur Stunde aussieht, schließen wir auch unter dieser Trendlinie (vgl. Abb., untere grüne Begrenzung des Aufwärtskanals), nachdem diese bereits am Montag im Verlauf des Handels kurzzeitig unterboten wurde. In der heutigen Sitzung war sogar gegenüber dem gestrigen Schlusskurs zunächst ein sogenanntes Aufwärts-Gap zu beobachten. Aufgrund der Lage dieser Kurslücke war allerdings von vornherein auszuschließen, dass es sich dabei um ein dynamisches Breakaway-Gap nach oben handeln würde. Vielmehr war es ein typisches sogenanntes Common-Gap, das noch im Sitzungsverlauf geschlossen wurde. Möglicherweise – und darauf deutet der weitere Kursverlauf hin – handelt es sich sogar um eine sogenannte Erschöpfungslücke. Die nächste bedeutende Aufwärtstrendlinie verläuft übrigens derzeit im Bereich zwischen 8.900 und 9.000 Punkten (vgl. Abb., blaue Linie). Zur Sharewise Community

Hat es Amerika besser?
In Amerika ist das Bild, gemessen am S&P500-Index, übrigens ganz ähnlich, wobei es sich hier allerdings um einen reinen Kursindex handelt, dem im Gegensatz zum DAX, der als Performance-Index ausgestaltet ist, kein Rückenwind durch die Berücksichtigung von Dividenden beschert wird. Dafür sollen die Amerikaner nun Rückenwind von ihrem Präsidenten erhalten, der in seiner gestrigen „State of the Union“-Ansprache zur Lage der Nation dem Wahlvolk „Action“ versprach. So soll der Mindestlohn erhöht werden, wodurch sich diese ökonomische Totgeburt einer weiteren Aufwertung durch den Zeitgeist erfreut. Traurig, dass man selbst im Land der ehedem „unbegrenzten Möglichkeiten“ nur noch mit kollektivistischen Ideen und natürlich mit noch viel, viel mehr „Sicherheit für die Bevölkerung“ punkten kann. Freiheit und Abenteuer werden diese Woche jedenfalls auch dort mit dem „Marlboro Man“ zu Grabe getragen – der 72jährige Eric Lawson erlag einem Lungenleiden. Dass der Amerikanische Traum zum Mindestlohnkorsett mutiert ist, wird von der herrschenden Politik routinemäßig einem Versagen der Märkte in die Schuhe geschoben. Die eigentlich Schuldigen in Politik und Notenbanken gerieren sich dagegen als volksnahe Retter, die das wilde Raubtier namens „Kapitalismus“ schon zur Strecke bringen werden – wenn sie es denn noch irgendwo fänden. Denn das wird auch in Amerika zunehmend schwieriger. Zur NSA-Affäre entrang sich der Präsident dagegen nur ein dürres Sätzchen. Aber das Sprechen ist ohnehin nicht die Stärke dieses US-Geheimdienstes. Dafür ist er ein umso besserer, ja geradezu einfühlsamer Zuhörer, der gerne „irgendwas mit Menschen“ machen. Apropos, das Guantanamo-Gefängnis soll nach dem Willen Obamas bald aufgelöst werden – zum wievielten Mal inzwischen eigentlich?! Man darf gespannt sein, wem die Ehre zufällt, die nach Jahren in rechtloser US-Lagerhaft möglicherweise erst richtig radikalisierten Insassen aufzunehmen. Amerika selbst wird es wohl eher nicht sein.

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Davos im Bann von 1914
Leider ist selten etwas Gutes zu erwarten, wenn Politiker „Action“ versprechen. In diesem Jahr jährt sich beispielsweise der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100sten Mal. Auch damals waren einige Politiker geradezu versessen auf „Action“, wofür die Völker Europas ein

en unvorstellbar hohen Preis bezahlen mussten. Interessanterweise spielte die „Urkatastrophe“ des finsteren 20. Jahrhunderts, aus der sich mühelos auch der Zweite Weltkrieg entwickeln lässt, beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine herausragende Rolle. Mehrere prominente Redner – darunter Nouriel Roubini, Jim Rogers und Marc Faber – zogen Parallelen zwischen 1914 und 2014 und schlossen den Ausbruch eines größeren Krieges „aus heiterem Himmel“ nicht aus. Ein sogenanntes „Schwarzer Schwan“-Ereignis könnte dafür ursächlich sein – eine Provokation etwa, die zu einer unkalkulierbaren Eskalation führt. An geopolitischen Spannungsfeldern herrscht im Moment jedenfalls kein Mangel: Das Säbelrasseln zwischen Japan und China, die beide enorme hausgemachte Wirtschaftsprobleme haben, ist momentan vielleicht am hörbarsten. Aber auch die Ukraine ist ein Land, in dem die Großmachtsinteressen hart aufeinanderprallen und derzeit noch von Stellvertretern im Straßenkampf ausgetragen werden müssen. Selbst der Themenkreis Syrien/Iran ist längst nicht vom Tisch. Die Lage in der benachbarten Türkei ist wirtschaftlich wie politisch gleichermaßen desolat und explosiv. Die Verbindung zwischen Wirtschaft und Politik wird inzwischen wieder wie folgt dekliniert: „Währungskrieg – Wirtschaftskrieg – Krieg“. Auf den Stufen 1 bis 2 befinden sich derzeit bereits die USA, China, Japan und Teile der EU. Auf zusätzliche „Action“ des US-Präsidenten können wir also gut verzichten. Selbst innerhalb der EU herrschen – dem Euro sei „Dank“ – inzwischen wieder Missgunst und offener Hass zwischen den Völkern. Schon im Wahlkampf zum eigentlich zahnlosen Europa-„Parlament“ werden wir daher deutlich schrillere Töne hören, als beim letzten Urnengang. Eine Wohlfühlumgebung für Aktionäre ist das alles nicht.

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Fazit
Das Jahr 2014 fängt in vielerlei Hinsicht nicht gut an. Die Börsen schaffen es einfach nicht, Tritt zu fassen. Inzwischen sind die steilsten Aufwärtstrends stark angekratzt bzw. gebrochen. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos wiesen zudem mehrere der führenden Beobachter auf die enormen Verspannungen in der Welt hin und zogen Parallelen zwischen dem Kriegsjahr 1914 und 2014.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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