Löcher in der Matrix – Liberaler Rechenkünstler

„FDP-Politiker will 114 Milliarden verschenken!“ (bild.de, 6.2.2014)

Die FDP, die sich in einem Anflug von Selbstironie noch immer „Freie“ Demokratische Partei nennt, galt einst als Hort der Liberalität und des wirtschaftlichen Sachverstandes. Damit hob sie sich zumindest optisch vom kollektivistischen Einheitsbrei der anderen etablierten Parteien ab. Zu Unrecht wie ihr Regierungshandeln in der vergangenen Legislaturperiode gezeigt hat. Dass es mit der Liberalität in der Partei nicht weit her ist, demonstrierte zuletzt wieder einmal FDP-Dinosaurier und „Ehren-Strippenzieher“ Hans-Dietrich Genscher, der dem Parteimitglied Frank Schäffler den Parteiaustritt nahelegte – aufgrund einer abweichenden Auffassung zur Euro-„Rettung“. Freiheitliche Diskussionskultur nach Patriarchenart. Immerhin wurde Schäffler nicht gleich exkommuniziert, was dann doch als ein Hauch von Liberalität gelten darf.

Nun aber ist auch noch der wirtschaftliche Sachverstand der „Liberalen“ unter die 5%-Hürde gerauscht. FDP-Europaabgeordneter „Jorgo“ Chatzimarkakis liefert dafür ein beredtes Beispiel: Zwar wurde ihm bereits im Jahr 2011 der Doktortitel aberkannt, seinen Forscherdrang konnte dieses kleine akademische Missgeschick jedoch nicht bremsen. Inzwischen glaubt er, nicht weniger als „die Wahrheit“ gefunden zu haben – und das offenbar in Eigenleistung. O-Ton: „Es ist an der Zeit, dass wir die Wahrheit über die Gewinner der Schuldenkrise sagen.“ Und weiter: „Deutschland habe an der Krise der Schuldenländer „durchaus verdient““. Das macht der gute Mann an den Geldern fest, die auf dem – wir meinen vorläufigen – Höhepunkt der Euro-Krise in den „sicheren Hafen“ Deutschland geschwappt sind und hier die Zinsen kräftig sinken ließen. Dadurch soll sich „Deutschland“ in einem Ausmaß von 114 Mrd. EUR bereichert haben. Wie Chatzimarkakis diese Summe errechnet haben will, ist hier nicht bekannt. Was mit dem Geld zu tun sei, ist zumindest ihm dagegen sonnenklar: Was läge schließlich näher, als es in Form eines Geschenks an die Krisenländer zurückzugeben? Aber was ist eigentlich dieses „Deutschland“? Offenbar versteht der FDP-Europaabgeordnete darunter alleine den Staatsapparat, dessen Zinslast trotz ausufernder Schuldenwirtschaft tatsächlich sank. Der deutsche Sparer, als der unmittelbar Geschädigte dieser Entwicklung – die nebenbei durch die künstliche Zinsdrückung seitens der EZB noch verstärkt wird – zählt offenbar nicht zu diesem „Deutschland der Gewinner“. Ebenso wenig wie der deutsche Steuerzahler, dem in der Zukunft die Rechnung für platzende Bürgschaften und schon heute absehbar real uneinbringliche Forderungen präsentiert werden wird.

Herr Chatzimarkakis kandidiert bei der nächsten Europawahl im Mai übrigens mit einer von ihm selbst gegründeten, neuen Partei – für Griechenland!

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