SIW 7/2014: Im Schatten des Schattens

Marius ist tot
Gewöhnlich werden Großsportereignisse ja gerne genutzt, um in deren Schatten die eine oder andere kleine Schweinerei durchzuwinken, von der das Volk so wenig wie möglich mitbekommen soll. Da nun dieses Jahr die Olympischen Winterspiele ausgerechnet in Sotschi stattfinden und man den finsteren Fürsten Putin in den westlichen Massenmedien nicht weiter aufwerten will, bedarf es allerlei Zerstreuung, um die Spiele selbst wiederum in den medialen Schatten zu stellen. Marius ist tot. Der ebenso süße wie kleine Giraffenbulle wurde gerade einmal anderthalbjährig „den Löwen zum Fraß vorgeworfen“. Dem „herzlosen“ Direktor des Kopenhagener Zoos trug der Vorfall unmittelbar ein „Verhör“ durch BILD-Redakteure ein – Wohlfühl-Hetze für die Guten und Gerechten. Treten wir einen Schritt zurück, dann stellen wir fest, dass wir offenbar manipuliert werden, obwohl das bei vielen gar nicht nötig wäre, da sie ohnehin in einer Traumwelt leben. Manipuliert? Alleine schon, dass die Giraffe einen Namen hat, während ihre Verwerter als namenlose und gefräßige Bestien durch den Blätterwald geistern, ist Manipulation. Traumwelt? Bei etlichen scheint das Bild über die Tierwelt im Wesentlichen von Walt-Disney-Zeichentrickfilmen geprägt zu sein, wie insbesondere auch viele Leserkommentare nahezulegen scheinen. Das naive Bild der Natur ist freundlich, sanft und schutzbedürftig. Zudem sind Giraffen – ebenso wie Elefanten und Panda-Bären – echte Sympathieträger. Und Sympathieträger isst man nicht – auch nicht als Löwe. „Der König der Löwen“ aus der gleichnamigen Disney-Produktion hätte beispielsweise nie und nimmer, nicht einmal ein bisschen geknabbert hätte er. Beim zugehörigen Musical-Poster posieren Simba, der süße Leu und namenlose Giraffen – wir sprachen bereits über Manipulation – gar Seite an Seite. Es ist leider so, dass sich viele real existierende Löwen mit einer veganen Lebensweise und der artübergreifenden Freundschaft im Tierreich noch einigermaßen schwer tun – oder wie das in Kreisen unserer Umerziehungsberechtigten dann heißt: „Die sind einfach noch nicht soweit.“

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Eigener Diätplan
Verlassen wir den bedauernswerten Marius und bewegen uns vorbei an den dunklen Spielen im blutigen Schnee von Sotschi – eine Formulierung mit der wir der Selbstverpflichtung des deutschen Journalismus zur Putin-Kritik für heute wohl genügt haben dürften – zu den Dingen, die sonst noch passiert sind: Die Spitzen der Großen Koalition berieten gestern beispielsweise über die wirklich wichtigen Dinge – die Erhöhung der Diäten. Und die folgt einem ganz eigenen Diätplan: In zwei Schritten von jeweils 415 EUR sollen die Diäten demnach im Juli 2014 und im Juli 2015 auf dann 9.082 EUR pro Monat steigen. Nach der Erhöhung von 3,7% im vergangenen Jahr sind das Aufschläge um 5% in 2014 bzw. 4,8% in 2015. Danach sollen sich die Diäten jährlich an der Entwicklung der Bruttolöhne orientieren. Ein solcher Automatismus ist vor allem deshalb praktisch, weil er geräuschlos ist. Die „nachweisfreie Kostenpauschale“ von 4.123 EUR pro Monat soll übrigens unverändert bleiben – vorerst einmal. Bei den üppigen Ruhebezügen müssen die Parlamentarier dagegen sogar leichte Abstriche hinnehmen. Im Ergebnis werden alleine die Diäten auch des letzten Hinterbänklers ab 2015 der Besoldungsstufe eines Bundesrichters entsprechen. Hinsichtlich wahrgenommener Verantwortung und sichtbarer Kompetenz sind das kaum vergleichbare Tätigkeiten, wie die Abstimmung über den ESM besonders deutlich gezeigt hatte. Solche „Abstimmungen“ lassen die Diäten ohnehin eher als eine Entschädigung für Selbstverleugnung und bedingungslose Unterordnung unter die Fraktionsführung erscheinen – der Abgeordnete als Statist vor demokratischer Fassade. Im Normalfall sind Bundesrichter schon aus einem anderen Holz geschnitzt, es sei denn, sie schieben unbequeme Entscheidungen der Einfachheit halber auf einen anderen Schreibtisch, wie es die Bundesverfassungsrichter mit der Klage gegen das Anleihekaufprogramm der EZB gerade taten – nach rund zweijähriger Bedenkzeit. Zur Sharewise Community

Bitcoin unter Attacke
Aber auch in Russland ließ man die Spiele nicht ungenutzt. Die russische Generalstaatsanwaltschaft erklärte die Verwendung von „Geheimwährungen“ für illegal. Vor der Benutzung von Bitcoin & Co. wird ausdrücklich gewarnt. Unter der Mitwirkung der Notenbank(!) würden nun strengere Regeln ausgearbeitet, hieß es. Die „Argumente“ der Behörden sind dort wie überall die gleichen: Kriminelle Geschäfte, Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Damit schwenkt nach China die nächste Großmacht auf eine harte Linie gegen die Kryptogelder ein. Ob es gelingen wird, diese Geld-Freiheitsbewegung zu brechen, ist derzeit offen. Erwartbar waren solche Maßnahmen allemal, da die Kryptogelder alles angreifen, was den Staatsapparaten lieb und teuer ist: Nicht nur das Geldmonopol der Notenbanken, das diesen eine beliebige Vermehrung und Manipulation der Geldmenge erlaubt, steht unter Beschuss. Auch das immer feiner gesponnene Netz der Transaktionsüberwachungen und Bürgerbespitzelung wird durch die Kryptos unterlaufen. Bitcoin & Co. stellen die Machtfrage und die Mächtigen nehmen den Fehdehandschuh auf. In unserer Titelgeschichte „Bitcoin vs. Gold“ des aktuellen Smart Investor 2/2014 haben wir uns intensiv mit den beiden Alternativen zum staatlichen Papiergeld beschäftigt. Die aktuellen Entwicklungen halten wir vor diesem Hintergrund daher auch nicht für überraschend. Zur Sharewise Community

Konzertierte Aktion?
Im Moment droht dem Bitcoin aber noch weiteres Ungemach: Die derzeit größte Bitcoin-Börse, Mt. Gox, teilte mit, dass sie bis auf weiteres keine Bitcoin-Auszahlungen vornehmen werde. Software-Probleme sollen die Ursache sein. Auch wenn das gelegentlich falsch kommuniziert wurde, handelt es sich dabei aber nicht um einen bis dahin unbekannten Fehler im Bitcoin-Algorithmus selbst. Gestern erfolgte zudem ein „massiver und koordinierter“ Angriff sogenannter Bots – das sind aggressive Computerprogramme – auf diverse Bitcoin-Börsen, wodurch der Handel dort ebenfalls teilweise stark beeinträchtigt wurde oder zum Erliegen kam. Schlechte Presse ist den Kryptogeldern, allen voran dem Bitcoin, derzeit also sicher – besonders vor dem Hintergrund einbrechender Kurse. Abschreiben sollte man das Thema dennoch nicht. Wir halten das von Staaten und Notenbanken praktizierte Abdrängen der ungeliebten Konkurrenten in die Schmuddelecke für das größere Problem der Kryptogelder. Mit den technischen Unzulänglichkeiten dürfte die Community dagegen wohl zurechtkommen. Dazu – soviel Eigenwerbung sei hier erlaubt – noch einmal der Hinweis auf unsere aktuelle Printausgabe.

Suche nach Alternativen
Die Bekämpfung des und die Turbulenzen um den Bitcoin ändern allerdings nichts daran, dass mehr und mehr Marktteilnehmer aufwachen und sich auf die Suche nach Alternativen zu den maroden Fiat-Money-Systemen machen. Für Bankguthaben wird inzwischen ja selbst von höchsten Stellen ebenso frech wie unverhohlen über eine Teilenteignung der Sparer „nachgedacht“ – was nur heißen kann, dass der Boden für solche Maßnahmen gerade bereitet wird. Wer die Signale jetzt nicht hört, dem ist nicht mehr zu helfen. Das Stichwort Gold ist ja bereits gefallen. Der über die Jahrtausende bewährte Wertspeicher hat trotz Schwankungen schon manche Bank und manches Währungsexperiment überdauert. Das wird mit Dollar, Yen und Euro nicht anders sein. Das dürfte auch die Ursache des tiefliegenden Hasses der Fiat-Money-Vertreter gegen das gelbe Metall sein. Es ruht still und schwer und je mehr sich die Notenbanken abstrampeln, um zu retten, was nicht mehr zu retten ist, desto höher steigt sein Kurs. Eine Erfahrung, die im letzten Jahr Argentinier, aber auch Japaner gemacht haben. Aber selbst im ach so stabilen US-Dollar konnte der Goldpreis jüngst seinen steilen, mehr als einjährigen Abwärtstrend brechen (Abb. 1). Nach dem zweimaligen Aufsetzen im Bereich von 1.180 USD/Feinunze liegt der Preis nun gut 100 USD höher. Selbst im Euro (Abb. 2) konnte der steile Abwärtstrend des letzten Jahres inzwischen überwunden werden. Mit Abwehrmaßnahmen – die Hinweise auf manipulierte Edelmetallpreise sind inzwischen Legion – ist allerdings auch hier zu rechnen. Dennoch, die wieder einsetzende Aufwertung des Goldes läuft derzeit noch weitgehend unterhalb des Radars ab, was positiv ist. Für die großen Medien ist immer noch Konjunkturoptimismus angesagt, womit sie den Nerv ihrer Leser aber kaum noch treffen. Bezeichnend ist eine Internet-Umfrage auf www.faz.net, ein Portal hinter dem ja bekanntlich immer ein kluger Kopf steckt. Die FAZ wollte wissen: „Deutschland in Konsumlaune – gönnen auch Sie sich etwas mehr?“ 43% der gut 9.000 Antwortenden meinten, dass sie sich „mehr Luxus gar nicht leisten“ könnten, 29% wollen trotz niedriger Zinsen so wie immer sparen – zusammen sind das 72% der Befragten. Der herbeigeredete Konsumboom will bei den Konsumenten nicht richtig ankommen (Löcher in der Matrix).

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Die Transaktionen für unsere Musterdepots finden Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Hinweis in eigener Sache
Auf der Metallwoche (www.metallwoche.de) veröffentlichte der bekannte Fernsehjournalist Frank Meyer ein Interview mit Smart Investor Chefredakteur Ralf Flierl. Es geht um „Fake-Geld und seine Auswirkungen“. Hören Sie doch einmal rein.

Fazit
Für den Bitcoin kommt es gerade knüppeldick. Technische Schwierigkeiten der führenden Bitoin-Börse Mt. Gox, Hackerangriffe auf andere Börsen und neue staatliche Restriktionen – diesmal aus Russland. Dagegen hellt sich bei den seit rund zwei Jahren arg gebeutelten Gold- und Goldminenanlegern derzeit der Himmel deutlich auf.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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