Löcher in der Matrix – Hände weg!

„Hände weg von Bitcoins“ (cash.ch, 12.2.2014)

Besorgt sind sie, die Analysten von JP Morgan – so besorgt, dass sie nun als erste Vertreter einer Großbank in Sachen Bitcoin aktiv wurden. Nach eingehender Analyse kam man zu einem vernichtenden Urteil: „Empfehlungsdaumen nach unten.“ Geliefert werden „handfeste“ Argumente. Vor allem, dass der Bitcoin starken Schwankungen unterliege. So stürzte er in Folge der jüngsten Turbulenzen auf unter 600 USD ab, um zum Veröffentlichungszeitpunkt der Studie bei 670 USD zu notieren. Das sei „weit weg von den Rekordhochs von Mitte Dezember, als der Bitcoin auf 1.240 Dollar kletterte.“ Diese Aussage ist ohne Zweifel richtig und nach dem heutigen Kurssturz liegt der Bitcoin sogar noch ein gutes Stück tiefer. Prozentual aber hat sich der Bitcoin – worauf JP Morgan nicht verweist – sehr viel weiter von seinen Rekordtiefs des vergangenen Jahres nach oben entfernt, als von den Rekordhochs nach unten.

Nun dürfte das Ansehen von Bankanalysten in der Bitcoin-Community ohnehin nicht sonderlich hoch sein, darum geht es aber auch nicht. Geschrieben und veröffentlicht werden solche Papiere für Otto Normalanleger, der sich gefälligst vom Kryptogeld fernhalten soll: „Während der Stratege für Unternehmen einen gewissen Sinn in der virtuellen Münze sieht, rät er Anlegern entschieden von einem Einstieg ab.“ Nachdem das Phänomen Bitcoin von den Großbanken bislang geflissentlich ignoriert wurde, scheint nun das aktuell abwärts gerichtete Momentum genutzt zu werden, um ein wenig nachzutreten. Da erinnert manches an die negativen Gold-Studien von Goldman Sachs, die im letzten Jahr genau dann publiziert wurden, als der Goldpreis besonders verletzlich war. Ihre Wirkung verfehlten sie aufgrund der wahrgenommenen Marktautorität der Investmentbank nicht. Negative Einschätzungen der Großbanken zu den ungeliebten Konkurrenten der Fiat-Money-Systeme gehören dort aber praktisch zum Standardrepertoire – das gilt sowohl für den Bitcoin als ungestümen Herausforderer, als auch für das Gold als unangefochtenen Platzhirsch. Letzteres scheint in den vergangenen Tagen sogar wieder besonders von den Turbulenzen im Krypto-Universum profitiert zu haben.

<- Vorheriges Loch -> Nächstes Loch