SIW 12/2014: Hausse im Biotechsektor mit ersten Übertreibungen

Bio schlägt alle
Über den Verlauf der vergangenen Jahre können sich die Anleger bekanntlich dank allgemein stark gestiegener Kurse nicht beschweren. Ganz besonders zufrieden dürften aber jene Investoren sein, die sich im US-Biotechsektor tummeln. Denn seit März 2009 ist etwa der NYSE Arca Biotechnology Index um gut 400% gestiegen und seit 2002 steht sogar ein Plus von fast 880% zu Buche. Einzelwerte aus dem Sektor haben natürlich oftmals eine noch bessere Bilanz vorzuweisen. So ist der Genforschungsspezialist Illumina (WKN 927079) seit 2003 um sagenhafte 17.647% explodiert.

Bei solchen Kurssteigerungen überrascht es nicht, dass neuerdings wieder vermehrt vor einer neuen Blase in dem Sektor gewarnt wird. Zumal durch die Anstiege natürlich auch die Bewertungen deutlich gestiegen sind. Die großen US-Biotechaktien weisen inzwischen wieder ein KGV von mehr als 20 auf und diese Kennziffer hat sich damit in den vergangenen 28 Monaten in etwa verdoppelt. Viele kleinere Branchenvertreter sind zudem nur wegen der Hoffnung auf einen Durchbruch bei der Suche nach neuen Medikamenten gestiegen. Nicht alle diese Hoffnungen werden aufgehen und deshalb wird es auch Enttäuschungen geben. Zur sharewise Community

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Branche ist erwachsen geworden
Allerdings sind die Kursgewinne der vergangenen Jahre nicht im luftleeren Raum entstanden. Vielmehr gab es große Verbesserungen im Bereich der Forschung und Entwicklung und es gibt derzeit eine Rekordzahl an Medikamenten und Technologien, die sich in der Entwicklungspipeline befinden. Am einfachsten lassen sich die Fortschritte mit ein paar Zahlen dokumentieren. So ist der Umsatz der Biotech-Unternehmen von 1993 bis 2013 von 7,7 Mrd. USD auf 100 Mrd. USD gestiegen. Auch der Reingewinn der Top-5-Biotech-Unternehmen hat sich in diesen 20 Jahren drastisch von 283 Mio. USD auf 11,721 Mrd. USD erhöht. Und das Ende der Fahnenstange dürfte damit noch längst nicht erreicht sein. Vielmehr rechnen die Branchenexperten der Erste-Sparinvest auch künftig mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 10-15% und einem Anstieg der Gewinne von sogar 20-25%. Hinzu kommt als kursstützender Faktor eine rege Fusionstätigkeit: Alleine in den USA gab es im Vorjahr M&A-Transaktionen in dem Sektor im Volumen von 39 Mrd. USD und 47 Börsengänge sprechen ebenfalls für ein großes Interesse der Anleger.

Die beiden letztgenannten Punkte können zwar auch als Signale für eine Überhitzung interpretiert werden. Aber verglichen mit der Hausse, die von Ende August 1998 bis März 2000 dauerte und den NYSE Arca Biotechnology Index in nur 19 Monaten um 660% nach oben trieb, hat sich so viel verändert, dass direkte Vergleiche der damaligen Aufschwungsphase mit heute nur bedingt zulässig sind. Denn damals waren Gewinne auf breiter Front noch längst nicht in Sicht. Stattdessen wurde viel Geld verbrannt und auch der Steigungswinkel der Charts war noch viel steiler als heute. Dennoch droht auch jetzt langsam aber sicher wieder die Ausbildung parabolischer Charts in dem Sektor und auch der NYSE Arca Biotechnology Index hat sich zuletzt etwas zu stark von seiner 200-Tage-Durchschnittslinie entfernt. Das könnte sich insbesondere dann rächen, falls es auch am Gesamtmarkt zur Abwechslung mal wieder zu einer etwas längeren und stärkeren Korrektur kommen sollte. Bei so einer Konstellation ist auch der Biotechsektor anfällig für Gewinnmitnahmen. Zur sharewise Community

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US-Krankenversicherer sind noch moderat bewertet
Den Gesundheitssektor sollte man deswegen aber nicht allgemein links liegen lassen. Dafür sind die Aussichten der Branche auch dank der weiter wachsenden und zudem alternden Weltbevölkerung (bis 2060 steigt der Anteil der Menschen, die älter als 65 Jahre sind vermutlich von in diesem Jahr 11% auf knapp 30%) in Verbund mit einem steigenden Wohlstandsniveau einfach zu gut. Nach Angaben desDatendienstleisters fürdas Gesundheitswesen IMS sollen die globalen Ausgaben für Arzneimittel bis 2017 von etwa 830 Mrd. USD im vergangenen Jahr auf gut 1.000 Mrd. USD steigen. Investments in ausgewählte Pharmaaktien sind deshalb stets eine Option, speziell dann, wenn neben der Bewertung auch noch die Dividendenrendite stimmt. Im Biotechbereich kann zur Risikominimierung entweder auf Zertifikate gesetzt werden wie etwa das nicht währungsgesicherte UBS Open End Zertifikat auf den NYSE Arca Biotechnology Index (WKN: 548311) oder währungsgesichert auf ein von der Société Générale ebenfalls auf den NYSE Arca Biotechnology Index emittiertes Open End Zertifikat (WKN: SG34LA).

Zur Vermeidung der mit Einzelinvestments verbundenen Risiken bietet sich ansonsten auch ein Biotech-Beteiligungskonstrukt wie die Aktie von BB Biotech (WKN: A0NFN3) an. Um die Risiken noch weiter zu begrenzen, sollte aber auch auf Stopp-Loss-Kurse rund 20% unter den Einstiegskursen vertraut werden und diese Reißleinen sollten bei steigenden Notierungen auch immer wieder nachgezogen werden. Eine Alternative stellen zudem US-Krankenversicherer wie Aetna (WKN: 602155) oder Wellpoint (WKN: A0DNLY) dar, die wir in der Smart Investor Printausgabe 3/2014 unter dem Titel „Obamacare gesundet das Depot“ auf den Seiten 10 und 11 zusammen mit anderen Profiteuren der US-Gesundheitsreform vorgestellt haben. Diese Werte haben zwar nicht so viel Phantasie wie im Idealfall Biotechtitel, dafür sind sie mit geschätzten KGVs von gut 11 vernünftig bewertet, obwohl sie seit der Erstbesprechung bereits jeweils rund 10% zugelegt haben.

Zu den Märkten
Trotz der kräftigen Kurserholung der letzten Tage bleibt die Lage unübersichtlich. Alle Ängste kristallisieren sich derzeit um die Situation in der Ukraine bzw. die Abspaltung der Krim. Die entscheidende Frage aus Sicht der Märkte ist, ob von nun an die eher deeskalierenden Kräfte den weiteren Verlauf bestimmen werden, oder ob – von welcher Seite auch immer – erneut gezündelt wird. Das ist im Moment auch insofern schwer einzuschätzen, weil das strategische Spiel um die Ukraine ein wechselseitiges ist: Die Handlungen der einen Seite provozieren Reaktionen, die wiederum Reaktionen auslösen. Eine Situation, in die schnell eine höchst unerfreuliche Dynamik kommen kann. Unabhängig davon ist die Lage in der Ukraine auch nicht der einzige Belastungsfaktor, wobei insbesondere die chinesische Kreditblase große Sorge bereitet.

Was hat nun der Markt daraus gemacht? Nachdem die unmittelbare Gefahr erheblicher Wirtschaftssanktionen bis hin zu einem bewaffneten Konflikt in der Ukraine über das Wochenende deutlich zurückgegangen ist, schossen die Märkte förmlich nach oben. Unmittelbar nach dem letzten SIW wurde die dort gezeigte Schulter-Kopf-Schulter-Formation nach unten vollendet und der Aufwärtstrend seit September 2011 gebrochen. Diese beiden extrem negativen Signale wurden dann aber durch die unmittelbare Rückeroberung der Nackenlinie der Schulter-Kopf-Schulter-Formation und der Aufwärtstrendlinie wieder geheilt und praktisch in ihr Gegenteil verkehrt. Sie sind damit positiv zu werten.

Musterdepot Aktien & Fonds
Die Transaktionen für unsere Musterdepots finden Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

„Smart Investor“-Reise nach Nova Scotia (Kanada)
Nochmals sei an dieser Stelle auf die Smart Investor Reise vom 5.6. bis 10.6.2014 nach Nova Scotia (Neuschottland) im Osten Kanadas hingewiesen. Sie können direkt vor Ort Grundstücke besichtigen und sich über das Leben in Kanada informieren. Übrigens wird Chefredakteur Ralf Flierl mit von der Partie sein. Einige Informationen und Bilder dazu finden Sie auch auf S. 23 im aktuellen Heft. Anfragen zur Teilnahme bitte per Email an Smart Investor, Betreff: „Kanada-Reise 2014“ unter info(at)smartinvestor.de

Hinweise in eigener Sache – Invest 2014 & Münchner Börsentag
Das Smart Investor-Team ist auch dieses Jahr wieder mit einem Stand auf der Invest in Stuttgart vertreten. Am 4. und 5. April treffen Sie uns dort in Halle 4 am Stand 4C15. Kostenlose Eintrittskarten konnten Leser des Smart Investor Weekly mit einem Aktionscode bestellen.

Auch auf dem Börsentag München am 29.3.2014 werden wir wieder mit einem eigenen Stand vertreten sein. Der Eintritt ist kostenlos.

Fazit
Angesichts der schwelenden Krise um die Ukraine wurden die Börsen von einem wahren Wechselbad der Gefühle erfasst. Im Moment überwiegt die Hoffnung auf eine friedliche Lösung – eine Hoffnung allerdings, die auch rasch wieder in Furcht umschlagen kann.

Ralf Flierl, Jürgen Büttner, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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