Löcher in der Matrix – „Putin-Versteher“

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

„Deutschlands wichtigste Putin-Versteher“ (bild.de, 28.3.2014)

Menschen, die nicht vorbehaltlos in den Chor der Anti-Russland- und Anti-Putin-Hetze einstimmen, haben sich bei bild.de inzwischen ein eigenes Etikett eingefangen – „Putin-Versteher“. Nicht nur „Euro-Hasser“ Bernd Lucke hat am eigenen Leibe verspürt, dass das Blatt nicht gerade zimperlich ist, wenn es darum geht, Meinungsabweichler mit Schmähtiteln zu belegen. Das geschieht natürlich besonders gerne dann, wenn die eigenen Argumente dünn sind. Nun also „Putin-Versteher“ und damit scheint jeder gemeint zu sein, der nicht unmittelbar zur Waffe greifen will, um den hinterlistigen russischen Bären wieder in seine Moskauer Höhle zurückzutreiben oder besser gleich zu erlegen. So wie die frühere ukrainische Ministerpräsidentin Timoschenko, die Putin am liebsten höchstpersönlich in den Kopf schießen würde – eine wirklich engagierte „Krim“-inelle!

„Putin-Versteher“ das klingt ein bisschen nach feigem Appeasement – und genau so soll es auch klingen. Unterschwellig werden den „Verstehern“ unlautere Motive unterstellt. Hier Altkanzler Schröder mit seiner Nähe zu Gazprom, dort die Wirtschafts- und Verbandsbosse, die mehr am eigenen Geschäft als an Fragen des Völkerrechts interessiert zu sein scheinen. Doch jetzt hat sich einer zu den „Verstehern“ gesellt, dessen Wort Gewicht hat. Altkanzler Helmut Schmidt hat zwar nicht immer Recht, aber oft regen seine Beiträge zum Nachdenken an. Genau das ist es aber, was die Dauer-Propaganda am allerwenigsten gebrauchen kann – denkende Menschen. Und da Schmidt weder einen Konzern leitet noch Putins Männer-Freund ist, muss sein Alter herhalten, um ihn zu entschuldigen. Diskriminierend – natürlich nur unterschwellig – ist ein zweiter Beitrag vom selben Tag:

„Hat Helmut Schmidt noch den Durchblick?“ (bild.de, 28.3.2014)

In der Polemik werden Schmidts Äußerungen als „bisweilen grober, Despoten-freundlicher Unfug“ abgetan. Der 95jährige blicke wohl manchmal nicht mehr ganz durch, durch den dichten Rauch seiner Menthol-Zigaretten. Ja, wenn das so ist …

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