Editorial Smart Investor 4/2014

RFAuf mein letztes Editorial zu den „Steueraffären“ gab es zahlreiches Echo. Sowohl die WirtschaftsWoche als auch das Handelsblatt zitierten meine Aussage, dass ich Steuerhinterziehung nicht für Diebstahl halte, und sprachen mir süffisant eine „feinsinnige Argumentation“ zu. Naja, der Gesetzgeber selbst sieht es immerhin genauso wie ich – ansonsten hieße es „Steuer-Diebstahl“. Eine Hinterziehung ist eben etwas anderes: während hierbei in einem „passiven Akt“ aus dem eigenen Vermögen zu wenig herausgerückt wird, wird beim Diebstahl in einem „aktiven Akt“ in das Vermögen eines anderen ohne dessen Zustimmung eingegriffen.

Steuerhinterziehung sei sehr wohl Diebstahl, schrieb mir unser Leser Jürgen Richter, nämlich an den „ehrlichen Steuerzahlern.“ Na gut, aus einem eher moralischen Blickwinkel könnte man das so sehen. Dann wäre der Tatbestand der Steuerverschwendung aber auch als Diebstahl zu sehen. Und die ständige Verschuldungsorgie unserer Staatsdiener wäre ebenso Diebstahl, nämlich gegenüber den heutigen Kindern, denen dadurch ein großes Stück Zukunft „gestohlen“ wird. Also wenn man es schon so weit fassen möchte, dann bitte konsequent. Das würde dann auch bedeuten, dass unsere Politiker hinter Gitter müssten.

Davon abgesehen erscheint mir der jüngst abgeschlossene Fall Hoeneß irgendwie suspekt. Da schenkt oder leiht ihm der Großaktionär von Adidas – also jene Firma, die später einen großen Deal mit dem FC Bayern München macht – 20 Mio. EUR. Aus diesen zaubert  Hoeneß, der als Fußballmanager sicherlich einen aufreibenden Job hatte, quasi nebenbei in wenigen Jahren 150 Mio. EUR, nur um in den Jahren danach wieder alles zu verlieren. Und das im hocheffizienten und meist trendlosen Devisenmarkt, in welchem sich selbst Vollzeit-Profis meist nur kleine Renditen herausschneiden können.

Dass das Gericht und die weisungsgebundene Staatsanwaltschaft nicht einmal zwei volle Tage Zeit hatte, die rund 60.000 Seiten Beweismaterial zu sichten, zeigt mir, dass irgendetwas an der Sache faul ist. Wahrscheinlich geht es um eine Angelegenheit viel größeren Kalibers, in welche der deutsche Fußballmeister 2014 da involviert ist. Vielleicht trat Hoeneß deshalb ohne Murren und in bester „Opfermanier“ den Bußgang an, damit andere Akteure gedeckt und der ganz große Skandal weiter vertuscht werden können.

Smart Investor ist auch dieses Jahr wieder auf der größten deutschen Finanzmesse „Invest“ am 4. und 5. April in Stuttgart mit einem Stand vertreten. Über die Website www.invest-messe.de/aktionscode können Sie sich Ihre kostenlose Eintrittskarte herunterladen (Aktionscode: smartinvest). Mein Team freut sich, Sie dort zu begrüßen.

Zudem möchte ich Sie auf die Mark Banco Anlegertagung mit dem Motto „Die Tricks der Falschspieler“ am 9. Mai (Anzeige auf S. 77) und die einen Tag später ebenfalls in München stattfindende Konferenz des Ludwig von Mises Institut Deutschland mit dem Thema „Ist das Papiergeldsystem noch zu retten?“ (Anzeige auf S. 61) hinweisen. Smart Investor ist jeweils Medienpartner.

Anfang Juni schließlich findet unsere Leserreise nach Nova Scotia in Kanada statt. Ich würde mich freuen, wenn Sie mit mir gemeinsam den Sprung über den Teich wagen.

Herzlichst



 

Ralf Flierl