Titelstory Smart Investor 4/2014 – Die Welt der Metalle

Die Welt der Metalle ist nicht nur in Bezug auf die stofflichen Eigenschaften heterogen. Auch die Bestimmungsgründe für die künftige Kursentwicklung sind vielschichtig. Dass bei den hierinteressierenden Metallgruppen – Edelmetalle, Industriemetalle und Seltene Erden bzw. Technologiemetalle – in dieser Hinsicht keine einheitlichen Faktoren vorliegen, ist keine Neuigkeit. Aber selbst innerhalb der genannten Gruppen gibt es feine, aber entscheidende Unterschiede.

Angebot …
Die Gemeinsamkeit zwischen praktisch allen Metallen ist die Mechanik von Angebots- und Nachfrageveränderungen, die für die beobachtbare ausgeprägte Zyklik verantwortlich ist. Aufgrund technischer Gegebenheiten ist die Förderung zumindest kurzfristig relativ preisunelastisch und asymmetrisch. Während die Drosselung des Ausstoßes bei einem niedrigen Preisniveau theoretisch nur ein Willensakt wäre, ist in der Praxis oft sogar das Gegenteil zu beobachten. Der gesunkene Deckungsbeitrag pro Einheit wird durch eine Erhöhung der Menge an produzierten Einheiten kompensiert. Dagegen stellt eine kurzfristige Steigerung der Produktion dann ein unüberwindbares Hindernis dar, wenn bereits an der Kapazitätsgrenze gefördert wird. Von der Absteckung des Claims bis zur Förderung eines neuen Erzvorkommens vergehen in der Regel mehrere Jahre. Die Knappheit von heute produziert so das Überangebot von morgen.

… und Nachfrage
Dagegen ist die Nachfrageseite wesentlich stärker in Bewegung. Über lange Zeit war die Entwicklung der Konjunktur in den Industrieländern die bestimmende Einflussgröße der realen Metallnachfrage für den industriellen Verbrauch. Dieser Effekt wurde über die letzten zwei Jahrzehnte jedoch durch den Aufstieg der Schwellenländer und deren kontinuierlichen Rohstoffhunger überlagert. Mit zunehmender Reife wird die Nachfrage jedoch auch dort zyklischer werden. Deutliche Hinweise in diese Richtung haben wir bereits in der stark rückläufigen Preisentwicklung nach dem Gipfelsturm des Jahres 2011 gesehen.

 Spekulative Übertreibungen
In den für Anleger interessanten Metallen werden die Größen des physischen Angebots und der industriellen Nachfrage jedoch häufig und deutlich von jenen Mengen übertroffen, die auf Basis spekulativer Erwägungen bewegt werden – und sei es auch nur an den Terminbörsen. Die Gegebenheiten der realen Welt bilden für diese Geschäfte dann lediglich die Impulsgeber, an denen sich die Spekulation entzündet und oft trendverstärkend agiert. Die ohnehin vorhandene Zyklik wird dadurch noch ausgeprägter. Allerdings lässt sich die im Jahr 2011 kulminierte Metallspekulation nicht ohne die ultraleichte Geldpolitik der Notenbanken denken. Wer die Verantwortung nur bei „den Spekulanten“ sucht, macht es sich zu einfach.

Das Ende der Rohstoffe?
Zu dieser grundsätzlichen Charakteristik des Preisgeschehens gesellten sich bei mehreren Metallen – typischerweise auf dem Höhepunkt des Preisbooms – vermehrt Befürchtungen einer Peak-Problematik, also eines historischen Fördermaximums, mit anschließend kontinuierlich sinkenden Fördermengen. Gerade Kupfer und Gold wurden hier thematisiert. Bei Gold erscheint das Problem allerdings nicht so dramatisch, da die Förderung im Vergleich zu den schon vorhandenen Mengen gering ist (vgl. Interview auf S. 16). Richtig ist aber, dass die Metallförderung im langen Trend – von spektakulären Einzelfunden abgesehen – immer aufwändiger wurde. Entlegenere Fördergebiete, weniger sichere Rechtsräume, höherer Energieaufwand und geringere Erzgehalte führen perspektivisch zu steigenden Kosten. Dennoch sollte man mit solchen Peak-Thesen vorsichtig sein. Zwar ist ein solches Fördermaximum logisch absolut nachvollziehbar, meist hapert es aber mit der zeitlichen Prognose. Die Effekte, die sich aus der Preisentwicklung auf Substitution und Recycling ergeben, sind schwer abzuschätzen und stehen einer bloßen Fortschreibung entgegen. Damit bleibt aber der praktische Nutzen der Binsenweisheit von der Endlichkeit der Rohstoffe eher gering. Im Nachfolgenden wollen wir die Situation bei einigen ausgewählten Metallen beleuchten.

Neugierig geworden?
Dann lesen Sie weiter in unserer Titelgeschichte „Goldene Versuchung – Sind Metalle jetzt ein Kauf?“ im neuen Smart Investor 4/2014. Dort finden Sie unter anderem unserer Einschätzung zu Edelmetallen („
Edelmetalle: Edel, hilfreich und gut?“, ab S. 8), zu Industriemetallen („Düstere Diagnose, ab S. 12) und zu Technologiemetallen und Seltenen Erden („Nach dem Kater„, ab S. 14). Ferner finden Sie ab S. 16 ein Interview mit Eugen Weinberg, Leiter des Rohstoff-Research-Tems der Commerzbank. Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.