Editorial Smart Investor 5/2014

Smart Investor 5!14 24-4 morgens.inddEigentlich war es abzusehen, dass die Lage in der Ost-Ukraine eskalieren würde. Denn immerhin fand in Kiew ein Putsch statt, der von westlichen Institutionen wie der NATO oder europäischen Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) inszeniert und orchestriert wurde – alles belegt z.B. durch gehackte E-Mails (im Falle Klitschko) oder die Aussagen dieser unsäglichen USVizeaußenministerin Victoria „Fuck the EU“ Nuland, wonach die Unterwanderung und der Putsch in der Ukraine den Westen in den letzten Jahren 5 Mrd. USD gekostet hätten (abgehörtes Telefonat).

Die neu eingesetzte und – wohlgemerkt – nicht vom Volk gewählte Regierung in Kiew besteht zum Teil aus zwielichtigen Gestalten, die vorher durch rechtsradikale oder gar antisemitische Umtriebe aufgefallen sind (bei uns hier wäre alleine das schon ein K.O.-Kriterium), die dem Land in Windeseile einen ungerechten Sparkurs verordnen wollen (Rentenkürzung) oder die Ölreserven der Ukraine einfach mal so an amerikanische Gesellschaften verscherbelt haben, z.B. über einen 10 Mrd. USD umfassenden Kontrakt mit der US-Firma Chevron. Ex-Ministerpräsidentin und „Heiligenschein-Trägerin“ Julia Timoschenko tat noch ihr Übriges, indem sie in einem belauschten Gespräch sagte, dass man die russischstämmigen Ukrainer „ausradieren“ („nuke“) solle.

Ist es bei Kenntnis dieser Umstände wirklich so unverständlich, dass sich die Bewohner der Krim oder eben nur der mehrheitlich russisch geprägten ostukrainischen Bezirke gegen diesen Putsch wehren bzw. Referenden zur Eingliederung in Russland anstreben? Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht das offensichtlich anders und zeigt Wladimir Putin die rote Karte. Sie erweist sich – wie schon in der NSA-Affäre – damit abermals als Schoßhündin von Barack Obama.

Interessanterweise outeten sich unsere früheren Bundeskanzler allesamt als „Putin-Versteher“. Aber klar, Helmut Kohl ist schon als senil zu bezeichnen, Helmut Schmidt blickt aufgrund des Rauchs seiner vielen Zigaretten sowieso nicht mehr durch und Gerhard Schröder ist als Putin-Buddy ohnehin indiskutabel. Bliebe noch Willy Brandt. Der ist zwar schon tot, aber mit Sicherheit würde er sich im Grabe rumdrehen, wenn er davon erführe, wie Angela Merkel die über Jahrzehnte mühsam aufgebauten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Russland mit einem Handstrich kaputt macht.

In unserer diesmaligen Titelgeschichte ab S. 28 stellen wir einen Vergleich des Jahres 1914 mit 2014 an. Wir fragen uns dabei, ob es irgendwelche Ähnlichkeiten zwischen den Vorkommnissen vor 100 Jahren in Sarajewo und kürzlich in Kiew gibt. Die Behandlung eines solch politischen Themas im Smart Investor scheint uns angebracht, zumal die Handelsbeziehungen der EU mit Russland sehr eng sind und die Folgen damit weitreichend sein können. Ähnlich desolat wie im Ukraine-Konflikt agiert unsere Kanzlerin übrigens in Sachen Energiewende. Mehr dazu ab S. 36.

Bei der Mark Banco Anlegertagung mit dem Motto „Die Tricks der Falschspieler“ am 9. Mai in München (Anzeige auf S. 55) sind noch einige Plätze frei sowie auch auf unserer Leserreise nach Nova Scotia in Kanada. Ich würde mich freuen, Sie bei der einen oder anderen Gelegenheit zu treffen.

 

Mit den besten Wünschen

Ralf Flierl