Fonds – Analyse

Gastbeitrag von Jürgen Dumschat, AECON Fondsmarketing GmbH

Bewegte Vergangenheit
Kaum ein Fonds hat eine derart bewegte Vergangenheit, und um es gleich vorwegzunehmen: Auch in Zukunft wird sich einiges ändern. Ende 1999 als globaler Aktienfonds gestartet, wurde dem Fonds 2004 das ursprüngliche German-Masters-Dachfondskonzept verpasst. Ein Expertenteam, dem u.a. Dr. Hendrik Leber und Heinrich Morgen angehörten, bestimmte einmal jährlich über die Allokation, die stets aus zehn bei deutschen Fondboutiquen aufgelegten Aktienfonds bestand. Der bei der StarCapital AG aufgelegte Fonds wurde 2009 vom damaligen StarCapital Vorstand Lars Kolbe übernommen, der die Beratung des Fonds nach seinem Ausscheiden fortsetzte. Doch ein reiner Aktien-Dachfonds erschien Lars Kolbe längst nicht mehr zeitgemäß, und so gab es Anfang 2013 einen kompletten Neustart als flexibler Misch-Dachfonds, der allerdings seine Chancen in entsprechenden Marktphasen durchaus auch weiterhin mit voller Konzentration im Segment der Aktienfonds sucht. Aber künftig kann in einer Finanz- (oder sonstigen) Krise eben auch auf Anleihe-, Misch- oder Alternative Fonds ausgewichen werden, um dem German Masters Select künftig die heftigen Drawdowns der Aktienmärkte zu ersparen. Was zunächst blieb, war die namenskongruente Beschränkung auf deutsche Fondsboutiquen. Doch auch damit könnte bald Schluss sein, denn warum wohl sollte man sich auf deutsche Anbieter beschränken, wenn es in einigen Segmenten internationale Anbieter mit besserer Expertise gibt – so Lars Kolbe im Analysegespräch. Vielleicht wird also aus dem German Masters Select schon bald ein Global Masters Select, so die sich aufdrängende Vermutung.

Wertentwicklung
Seit der Neuausrichtung des Fonds Anfang 2013 wurde ein Plus von 14% (Stand 15.05.2014) erwirtschaftet. Der Maximum Drawdown nach der Tapering-Ankündigung durch Ben Bernanke belief sich auf erträgliche 6,98%, die bereits Mitte September letzten Jahres wieder aufgeholt werden konnten. Bei geringerer Schwankung ließ Lars Kolbe damit renommierte VV-Fonds wie den FvS Multiple Opportunities oder den Carmignac Investissement hinter sich, obwohl der Dachfonds (trotz der Rückvergütung der Bestandsprovisionen) zunächst etwas höhere Kosten verdienen muss. Doch Kolbe beherrscht sein Geschäft. Nach Banklehre und Wirtschaftsstudium war er mehr als 10 Jahre in Diensten von Feri Trust, wo er mit seinem Team zuletzt die Fondsanalyse verantwortete.

Nischenkonzept
Was den Fonds auszeichnet ist sein – bislang kaum beachtetes – Nischenkonzept. Dachfonds für vermögensverwaltende Fonds gibt es inzwischen eine ganze Reihe, doch mehrheitlich tummeln sich diese im defensiven Segment. Die grundsätzlich offensive Ausrichtung gepaart mit der Möglichkeit, über entsprechende Allokationsanpassungen in den Risk-off-Modus umzuschalten, macht den Fonds attraktiv. Niedrige Zinsen erfordern eigentlich mehr Risiko, um attraktive Ergebnisse zu erzielen. Das Gros der Anleger akzeptiert dieses Risiko jedoch nur bedingt. Der German Masters Select ist eine gute Wahl, um diesem Dilemma zu entgehen, denn dass es Lars Kolbe auch weiterhin gelingen wird, die richtigen Zielfonds zu selektieren, darf getrost unterstellt werden. Nachdem Kolbe beabsichtigt, Management- und Vertriebsressourcen mit ausgewählten Kollegen zu bündeln, erwarten wir zudem auf mittlere Sicht eine deutliche Volumensteigerung des Fonds.

FONDS-SNAPSHOT
WKN: 926432
Fondsmanager: Lars Kolbe
Volumen: 8,8 Mio. EUR
Auflegungsdatum: 28.12.1999
Typ: Flexibler Misch-Dachfonds

Über Jürgen Dumschat:

Jürgen Dumschat

Jürgen Dumschat, Jahrgang 1955, ist gelernter Bankkaufmann und Marketing- Fachwirt. Seit 1988 ist die Investmentbranche sein Betätigungsfeld, und von Anfang an hat er sich auf vermögens verwaltende Fonds spezialisiert. Mit seinem Pool, der AECON Fondsmarketing GmbH, betreut er Finanz dienst leister auf hohem Niveau. Als Sprecher des IVIF (Interessen verbund vermögensverwaltender Investment-Fonds) und Organisator der alljährlichen Hidden Champions Tour hat er sich als Protagonist des Segments „Vermögensverwaltende Fonds“ bundesweit einen Namen gemacht. In seinem Bestreben, Fonds aus Kundensicht zu beurteilen, entwickelte er die „Torment Ratio“, die ermittelt, ob das Schmerzensgeld (Performance) in Relation zu den Leiden des Anlegers („maximum drawdown“ und „maximum underwater-period“) ausreichend dimensioniert ist.