Löcher in der Matrix – Bloß nicht dahin gehen, wo es wehtut

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„Deutsche Politiker stellen Fußball-WM in Russland in Frage“ (www.spiegel.de, 23.7.2015)

„Großbritannien liefert weiter Waffen an Russland“ (www.spiegel.de, 23.7.2014)

Manchmal fragt man sich ja, warum sich Staaten es antun, Großereignisse wie Olympische Spiele oder eine Fußball-Weltmeisterschaft auszurichten? Weil Straßen, U-Bahnlinien und Stadien kann man ja auch ohne bauen. Und, Hand aufs Herz: Sie haben es geschafft, Sie sind Präsident oder Regierungschef eines Landes, Ihnen geht es gut – wollen Sie sich dann wirklich freiwillig zu Abendessen mit Joseph Blatter mitsamt Entourage verabreden? Es muss also andere Gründe geben.

Spiegel Online hat die Zusammenhänge in dankenswerter Weise offengelegt (siehe Screenshot) und die Sache ist offenbar im kleinen Handbuch für den gewieften Staatsmann im Kapitel „Ablenkungsmanöver“ zu finden. Länder, die eher in Konkurrenz zu als in Partnerschaft mit den USA stehen, müssen ja aus diesen oder jenen Gründen immer wieder mal mit Boykottdrohungen rechnen. Auch und gerade, wenn noch nichts bewiesen ist.

Und da ist es natürlich gut, wenn man eine WM ausrichtet, weil sich dann die Drohungen gegen etwas richten, was letztlich schnurzpiepegal ist, denn wo das Runde ins Eckige bugsiert wird oder nicht, interessiert den Fan nicht die Bohne. So lassen sich spürbare Wirtschaftssanktionen, das Einfrieren von Geldern und vor allem ein Waffenembargo verhindern. Im Fußball-Jargon würde man sagen: Niemand muss dorthin gehen, wo es wehtut.

So gesehen bietet die FIFA eine perfekte Ware an, die gerne als Boykott-Projektionsfläche gebucht wird: Damit ist Fußball doch mehr als 22 Männer, die einem einzigen Ball nachjagen, plus Schiri, der viele dumme Fehler macht und einem Sieger, der schon vorher feststeht, nämlich Deutschland. Hinterbänkler aller Länder, vereinigt Euch im WM-Boykottaufruf ! … damit die Rohstoffe weiter fließen und die Waffen weiter geliefert werden können.

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