SIW 33/2014: Explosive Gemengelage

Krisengewinner
Deutschland profitiert vom Euro. Nie war dieser Satz richtiger als in der Zeit der Eurokrise. Während zu Beginn der Währungsunion massiv Kapital auf der Suche nach Rendite in die Euro-Peripherie abgeflossen war, kam es erst in der Krise – auf der Suche nach Sicherheit – zurück. Das führte an den Immobilienmärkten der heimischen Ballungsräume zu einem veritablen Boom. Auch begünstigt der aus deutscher Sicht zu tief bewertete „One size fits all“-Euro massiv die Exportwirtschaft Deutschlands. Dass hier die glühendsten Anhänger des Währungsexperiments sitzen, ist schon angesichts der sprudelnden Gewinne nur allzu verständlich. Theoretisch würden massive Kapitalzuflüsse in ein Land ja zu einer Aufwertung führen. Da die Quelle der Geldströme in diesem Fall aber überwiegend nicht das Ausland, sondern das Euro-Inland selbst war, gab es überhaupt keine Erhöhung der Nachfrage nach Euros. Ähnlich dem Blutkreislauf einer unterkühlten Person, der sich nur noch auf die Versorgung der lebenswichtigen Organe konzentriert, „zentralisierte“ die Eurozone. Die Blutarmut der Peripherie wurde durch Maßnahmen und gewähren lassen (Stichwort: TARGET-II-Salden) unter anderem seitens der EZB „behandelt“. Zur sharewise Community

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SI-Anzeige - Symposion 2014 - E-Mail Banner-01

Ort: FH IMC Krems, Am Campus Krems, Trakt G1, A-3500 Krems

Termin: Freitag, 17.10.2014 12:30 – 22:00 Uhr

Wie verrückt muss man sein, um in Europa noch ein Unternehmen zu führen? Nicht nur Regulierungswahn und Steuerdruck belasten das Unternehmertum, sondern auch künstlich vergrößerte Ungewissheit. Die Märkte sind zunehmend verzerrt. Womit müssen, womit können Unternehmer noch rechnen? Haben kleine und mittlere Unternehmen in Europa überhaupt noch eine Zukunft, zumal massive Verzerrungen und Interventionen zur Konzentration drängen? Welche Werte vermögen der Blasenökonomie standzuhalten? Dieses hochkarätige Symposion an einer der wenigen unternehmerischen Hochschulen des Landes verbindet Theorie und Praxis, um einmal ohne Denkverbote und politische Anbiederung die Bedeutung, Gefahren, Probleme und Perspektiven des Unternehmertums in einem immer schwierigeren Umfeld zu reflektieren. Möge es ein kräftiges Lebenszeichen des bedrängten Unternehmertums sein!

Smart Investor-Leser erhalten 30% Rabatt mit dem Smart Investor-Aktionscode: „Smart-Investor“ für das Symposion 2014 „Unternehmer auf verzerrten Märkten – Vom Diener des Konsumenten zur Melkkuh des Staates“ in Krems (bei Wien).

Mehr Informationen & Anmeldung unter: Symposion2014.com
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Verschiebebahnhof
Gleichzeitig aber und das wirkte wiederum kontraktiv, versuchte man fiskalisch eine Sanierung der Staatshaushalte dieser Länder, die allerdings als weitgehend gescheitert gelten muss. Die griechische Staatsschuld stieg beispielsweise trotz rekordtiefer Zinsen auf ein neues Hoch. Wenn man den deutschen Boom der letzten Jahre als Reflex auf die Krise und als Ergebnis der Krisenbewältigungsversuche begreift, dann ist auch klar, warum dieser Boom stets künstlich war und daher auch nicht nachhaltig sein konnte. Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass er durch Darlehen und Bürgschaften in dreistelliger Milliardenhöhe teuer erkauft wurde. Die Kosten in Form von Abschreibungen auf die Darlehen und der Inanspruchnahme aus den Bürgschaften sind ja noch nicht sichtbar geworden. Der reale Wert der Zahlungsversprechen von Bankrotteuren tendiert aber gegen Null. Zudem haben es betroffene Banken geschafft, im Rahmen der Krise einen guten Teil dieser potenziell wertlosen Forderungen an die Staaten durchzureichen. Damit ist ein weiterer Effekt verbunden: Die überfällige Bereinigung des vorangegangen Kreditbooms in Form von Schuldner- und Gläubigerausfällen wurde so erneut in die Zukunft vertagt und das Problem wurde weiter vergrößert. Das sind die überwältigenden Abwärtskräfte, die vor allem durch eine ultralockere Geldpolitik zurückgestaut werden. Zur sharewise Community

Konjunkturerwartungen abgetaucht
In der Titelgeschichte des aktuellen Smart Investor 8/2014  beschäftigen wir uns eingehender mit dieser Gratwanderung zwischen den massiv gegeneinander stehenden Kräften: „Crack-up-Boom oder Crash?“ Mit dem aktuellen ZEW-Index des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung ziehen aber nun für jedermann sichtbar dunkle Wolken am deutschen Konjunkturhimmel auf. Um satte 18,5 Punkte auf nur noch 8,6 Punkte sackte der Index ab – der achte(!) Rückgang in Folge. Auch der Index der Verbraucherpreise zeigt sich mit einem Wert von + 0,8% im Vorjahresvergleich abgekühlt – der tiefste Wert seit mehr als vier Jahren. Es ist die enorme Verflechtung der deutschen Wirtschaft, die gerade zum Bumerang wird. War der Niedergang der Euro-Peripheriestaaten gerade noch zu verschmerzen, dann sieht das beim Haupthandelspartner Frankreich schon anders aus. Dort wurde eine ernsthafte Haushaltskonsolidierung gar nicht erst versucht. Statt dessen praktizierte die Regierung Hollande eine Mischung aus Steuerpopulismus und Vulgär-Keynesianismus. Der größte „Erfolg“ war die Vertreibung von ein paar Reichen, die das Land ein Stück näher an den Vollsozialismus herangeführt hat. Im Vergleich zu den japanischen „Abenomics“ – einer nach dem Ministerpräsidenten Shinzō Abe benannte Politik der Hyperstimulierung der Wirtschaft – sind die französischen „Hollandenomics“ allerdings noch von dieser Welt. Die jüngsten Wirtschaftszahlen des Inselstaates sind ohne Wenn und Aber verheerend. Bis auf die Preise weisen alle Kurven steil nach unten.

Im Visier der Krise
Wesentlichster Auslöser der massiv eingetrübten deutschen Konjunkturerwartungen sind die wachsenden Spannungen auf der Welt – allen voran Ukraine/Russland, aber auch Irak, Israel/Gaza, etc. Für ein Land, dessen Wirtschaft „in der Welt zuhause“ ist, ist das eine mittlere Katastrophe. Russland ist nicht nur Gaslieferant, sondern schon aufgrund der räumlichen Nähe und des komplementären Produktspektrums einer der wichtigsten deutschen Handels- und Investitionspartner. Das Hantieren mit der Sanktionswaffe kann aus deutscher Sicht sehr schnell zum berühmten Schuss in das eigene Knie führen. Was ein Ausfall der deutschen Wirtschaftslokomotive für das Euro-Projekt und die EU bedeuten würde, scheint auch in Brüssel nicht allen Beteiligten bewusst zu sein. Treibende Kraft im Konflikt mit Russland sind aber ohnehin die USA. Dort hat sich in den letzten Monaten ein scharfmacherisches Maulheldentum entwickelt, das von Präsident Obama noch mehr Härte fordert. Der Mut steigt mit dem Abstand zum Geschehen. Wir werden insbesondere diesen geopolitischen Aspekten in der nächsten Printausgabe des Smart Investor 9/2014 intensiv nachspüren.

 

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 2014-08-13 DAX

Zu den Märkten
Im Tagesverlauf des vergangenen Freitags fiel der DAX unter die runde, aber wenig bedeutungsvolle Marke von 9.000 Punkten. Die Abwärtsbewegung stoppte erst bei knapp über 8.900 Punkten – ein Wert, bei dem der Markt auch schon einmal Mitte März nach oben drehte (vgl. Abb., blaue horizontale Unterstützungslinie). Man sollte solche statischen Marken in einer dynamischen Abwärtsbewegung allerdings auch nicht überbewerten. Oft genug entpuppen sie sich als reine Zwischenstationen, denen dann ein weiterer dynamischer Abverkauf folgt. Die am Freitag beobachtbare Kurserholung hatte durchaus Short-Squeeze-Charakter. Über ein Wochenende kann viel passieren und da dürfte auch manch eingefleischter „Shortie“ vorsichtshalber erst einmal seine Gewinne mitgenommen haben und die Positionen glattstellen. Nach dem Trendbruch dürften sich erneut Short-Chancen auftun, wenn die Aufwärtsreaktion an Dynamik verliert. Die Aufwärtsreaktion ist allerdings vor dem Hintergrund des überverkauften Zustands zu erwarten. Daher ist für den Aufbau von Short-Positionen nach dem kurzfristigen Drehpunkt bei 8.900 Punkten erst einmal keine Eile geboten. Im unteren Teil der Abbildung ist übrigens die relative Kursentwicklung des DAX Performance-Index zum STOXX Europe 600 Performance-Index (blaue Linie) eingezeichnet. Hier ist in den letzten Wochen eine deutliche Schwächeneigung deutscher Aktien zu verzeichnen, die dann auch zum Bruch des relativen Aufwärtstrends (rote Trendlinie) geführt hatte. Schon seit Jahresanfang ist trotz des zwischenzeitlich erreichten absoluten Allzeithochs eine relative Schwächeneigung des DAX zu verzeichnen – sichtbar an den Divergenzen zwischen absoluter und relativer Kursentwicklung (grüne Linien). Deutschland ist gerade dabei, sich zu einem der Hauptverlierer des aktuellen geopolitischen Szenarios zu entwickeln.

 

SI 14-08 Smart Investor 8/2014:
Mit folgenden Schwerpunktthemen:

Crack-up-Boom oder Crash? Das Für und Wider zweier gegensätzlicher Perspektiven ab S. 28 und S. 46.

Value-Investing: Mit ruhiger Hand langfristig den Markt schlagen. Ab. S. 6

BIZ: Die geheimnisvolle Super-Bank ab S. 24.

… und vieles mehr.

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Musterdepot Aktien & Fonds

Die Transaktionen für unsere Musterdepots finden Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Fazit
Nach dem Panik-Modus der vergangenen Woche haben sich die Märkte wieder etwas stabilisiert. Im besonders betroffenen deutschen Markt spielt sich das Kursgeschehen jetzt allerdings unterhalb des bisherigen Aufwärtstrends ab, was weiter zu höchster Vorsicht mahnt. Bei einer jederzeit möglichen weiteren Eskalation der geopolitischen Lage – besonders in der Ukraine – ist mit erneuten Kursverlusten zu rechnen.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

 

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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