SIW 38/2014: Sich wandelnde Landschaften

„Erdbebchen“
Landtagswahlen haben für die Republik insgesamt meist nur eine untergeordnete Bedeutung. Aber sie sagen zwischen den Bundestagswahlen doch etwas über die Stimmung im Lande aus. Entgegen den stets wiederholten Beteuerungen von der beliebtesten „Mutti“ aller Zeiten und dem zufriedensten Volk seit Erfindung der Demokratie brodelt es – ein wenig. Bereits nach der Sachsen-Wahl war es höchst wahrscheinlich, dass die Alternative für Deutschland (AfD) ein eindrucksvolles Ergebnis einfahren werde. Natürlich schnappt man jetzt in manchen Redaktionsstuben nach Luft, denn das massive Aufkommen einer „Protestpartei“ erscheint bei so viel gemessener und verbreiteter Zustimmung zur aktuellen Politik doch einigermaßen erklärungsbedürftig. Dass es die Etablierten gegenüber den Polit-Frischlingen an der ansonsten angemahnten „Willkommenskultur“ vermissen lassen, erscheint nicht ganz zeitgemäß. Nur weil es an den reichlich mit „Staatsknete“ – also mit Steuerzahlergeld – gefüllten Futtertrögen nun ein wenig enger wird, darf schließlich nicht übersehen werden, welch enorme Bereicherung von den Neuen ausgeht: Von einem echten Ideenstreit können Demokratie und Wähler schließlich nur profitieren, zumal die Regierung, wie uns versichert wird, ohnehin die besseren Argumente für sich hat. Nur die wenigen Vielen, die alten Denkmustern verhaftet sind, greifen heute noch auf das Standardrepertoire der Wählerbeschimpfung zurück: Man, so wird der Öffentlichkeit – und vor allem sich selbst – versichert, habe sich erstens nichts vorzuwerfen und sei auf irgendeine verschrobene Art auch ein Wahlgewinner. Deshalb: Weiter so!

 

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Überschaubarer Aufwand für die Unternehmen, optimale Informationen für die Anleger, das ist das Credo des Mittelstandssegments m:access der Börse München.

Einen wesentlichen Baustein der Anleger-Information bilden dabei die von der Börse München organisierten Analystenkonferenzen, auf denen sich die mittlerweile über fünfzig in m:access gelisteten Unternehmen einmal jährlich präsentieren. Am 9. Oktober ist es wieder soweit: In den Räumen des Le Méridien Parkhotels in Frankfurt stellen sich unter anderem die Kulmbacher Brauerei AG, die SHS Viveon AG, die Hyrican Informationssysteme AG und die Ökoworld AG den interessierten Fragen von Analysten, Investoren und Journalisten.

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Weiter so?
Dieses „Weiter so!“ scheint der Lindner-FDP nun aber endgültig zum Verhängnis zu werden. Profillosigkeit mit feschem Vorturner ist nicht gerade das, was die Wähler derzeit goutieren. Die Partei hat schlicht ihre historische Chance verpasst, sich als Kraft des politischen Liberalismus zu etablieren und sich beispielsweise nicht in den Euro-Rettungssozialismus einbinden zu lassen. Der streitbare frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler, mit dem wir in Smart Investor 10/2014 ein ausführliches Interview führen, wurde beim Versuch einen „Liberalen Aufbruch“ zu etablieren auf wenig liberale Weise von seinen eigenen Parteigranden ausmanövriert. Genscher & Co. zielten seinerzeit zwar auf Schäffler, versenkten aber gleich die ganze FDP – zumindest als jene streng liberale und marktwirtschaftliche Alternative, die die AfD auch nicht sein mag. Die letzte Chance der FDP dürfte – fernab von Regierung und immer mehr Parlamenten – in einer programmatischen Runderneuerung liegen. Das bloße Etikett „liberal“ genügt auf Dauer jedenfalls nicht.

 

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Objektiv und unparteilich?
Da hat es Claus Kleber vom ZDF heute-journal deutlich besser. Er – Nomen ist Omen – klebt seit 2003 in „seinem“ von den Bürgern zwangsfinanzierten Nachrichtenstudio und liefert, was von ihm erwartet wird. AfD-Parteibücher scheinen in den Leitungsgremien des Staatsfunks jedenfalls eher nicht vertreten zu sein, weshalb es auch bei der „peinlichen Befragung“ von AfD-Chef, Prof. Bernd Lucke, nicht ganz so objektiv und unparteilich zuging, wie es zumindest der offiziellen Aufgabenstellung entspräche. Allein, Kleber war Lucke, der sich rhetorisch ziemlich gemausert hat, nicht ganz gewachsen und die Sache geriet zum Rohrkrepierer, über den sich „das Netz“ anschließend ausführlich mokierte. Solche Episoden sind symptomatisch für die Erfolgswurzeln der AfD: Eine wachsende Zahl von Bürgern hat es nicht nur satt, von den Etablierten und deren Medien bevormundet zu werden und die Welt in deren Sinn erklärt zu bekommen, sie will auch die von den Mächtigen postulierten Alternativlosigkeiten nebst anhängender Denk- und Diskursverbote nicht länger hinnehmen. Zumindest das ist eine gute Nachricht, denn Demokratie braucht wache Bürger.

 

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 2014-09-17 EUR

 

Sicherer Kriegshafen
Die Märkte haben die „Erdbebchen“ im deutschen Osten freilich nicht berührt. Dazu waren die Wahlen nicht nur zu unbedeutend, sondern dazu war deren Ausgang – entgegen den meisten Analysen – auch zu wenig überraschend. Wer nicht gerade der eigenen Propaganda auf den Leim gegangen war, konnte nicht viel anderes erwarten. Die beherrschenden Themen bleiben uns erhalten: Allen voran die Schuldenkrise, die Notenbankpolitik und die flankierenden Maßnahmen der Finanziellen Repression. Dazu gesellen sich weitere ungebetene Gäste in Form von wachsenden geopolitischen Spannungen. All das ist nicht unbedingt Tagesthema, im Hintergrund aber wirkt es fort und hat bestimmenden Einfluss. Aus der geopolitischen Perspektive bevorzugen wir im Moment jene Märkte, die nicht ganz so nah am Geschehen sind wie etwa Russland und Polen, aber auch Deutschland. Nicht nur entscheidender Mitspieler, sondern ein lachender Dritter des Konflikts um die Ukraine könnten die USA sein, die von der Sanktionspolitik gegen Russland – im Gegensatz zur EU – kaum betroffen sind. Ein Blick auf den Kurs des Euro (vgl. Abb. 1) zeigt, wie sehr die EU-Einheitswährung in den letzten Monaten gelitten hat. Dagegen konnte die Währung der mit Abstand größten Militärmacht der Erde, der US-Dollar, vom Wiederaufleben des Kalten Krieges deutlich profitieren. Nicht einmal der Waffenstillstand in der Ostukraine half dem Euro wieder nennenswert auf die Füße. Zwar reichte es für eine Stabilisierung auf gedrücktem Niveau, andererseits verläuft genau in diesem Bereich eine aufwärtsgerichtete Trendlinie (dicke rote Linie), die bis in das Jahr 2001 zurückreicht. Für einen erfolgreichen Test dieser Trendlinie war die nachfolgende Aufwärtsreaktion des Euro sehr verhalten.

 2014-09-17 NAS100

 

Technik ist Trumpf!
Nicht nur die US-Währung profitierte in den letzten Monaten deutlich, auch US-Aktien waren auf der Sonnenseite. Derzeit scheint es die Marktteilnehmer – von kurzen Schrecksekunden abgesehen – nicht zu stören, dass im Zuge der Kurssteigerungen auch die Bewertungen ein – wie das heute heißt – ambitioniertes Niveau erreicht haben. Auf gut Deutsch: US-Aktien sind teuer geworden. Besonders deutlich sieht man dies an den Stars der Hightech-Börse NASDAQ, wo auch viele Unternehmen gehandelt werden, die den besseren Teil ihrer Existenz noch vor sich haben – zumindest sehen das viele Marktteilnehmer so. Konsequenter Weise konnte der NASDAQ100-Index die Standardwerte des S&P500-Index in den letzten Monaten deutlich outperformen, wie die Entwicklung des Relativcharts zwischen beiden Indizes eindrucksvoll zeigt (vgl. Abb. 2, blaue Linie im unteren Teilchart). Vieles ist dabei nicht mehr mit normalem Maß zu messen. Solange es aber läuft, wird Teures noch teurer – ein geradezu klassisches Momentumspiel. Dabei erhalten besonders jene Wachstumswerte, die heute kaum oder noch gar keine Gewinne schreiben, Rückenwind vom extrem günstigen Zinsumfeld. Das Spiel kann noch eine gute Weile so weitergehen, da es ja der erklärte Wille der (Notenbank-)Politik ist, die Zinsen möglichst lange unten zu halten. Im Prinzip bleiben mit der – im historischen Kontext – weiter ultraleichten Geldpolitik die Weichen Richtung Crack-up-Boom gestellt. Zur sharewise Community

 2014-09-17 Gold

 

Gold bleibt out
Dass langfristig kein Weg an der Fiat-Money-Alternative Gold vorbeiführt, ist unsere feste Überzeugung. Dennoch hat sich der technische Ausblick hier weiter eingetrübt. Der seit dem Jahr 2002 gültige Aufwärtstrend (Abb. 3, rote Linie) wurde nun gebrochen. Das ist zwar noch nicht nachhaltig, aber um daraus ein positiv zu wertendes Fehlsignal zu machen, müsste der Markt nun rasch wieder nach oben schnellen. Auslöser für eine solche Bewegung sind aktuell aber nicht in Sicht. Behalten die Bären aber mit dem Rückenwind dieses Trendbruchs das Heft in der Hand, dann könnte auch noch der bedeutende Bereich von 1.180/1.200 USD/Feinunze erreicht und unterschritten werden. Der Treppenwitz der Geschichte besteht darin, dass ausgerechnet jetzt, nachdem Goldman Sachs die über viele Monate eisern verteidigte Prognose von 1.050 USD/Feinunze Ende Juli auf 1.200 USD/Feinunze erhöht hat, der Preis tatsächlich ins Trudeln gerät. An dieser Stelle dürfen wir noch einmal auf unserer Ausführungen im letzten SIW 37/2014 verweisen. In Relation zu Aktien kündigte sich die aktuelle absolute Schwäche bereits an. Handlungsbedarf für eine Umschichtung von Aktien in Gold gibt es weiter nicht. Zur sharewise Community

Musterdepot Aktien & Fonds
Die Transaktionen für unsere Musterdepots finden Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Veranstaltungshinweis
Am 4. Oktober 2014 findet im Kongress- und Tagungszentrum FILDERHALLE in Leinfelden-Echterdingen der Kongress „Das geheime Wissen der Goldanleger“ statt. Referieren werden namhafte Edelmetallexperten wie Marc Faber, Bruno Bandulet, Peter Boehringer, Dimitri Speck und Thorsten Schulte. Durch das Programm führt Smart-Investor-Chefredakteur Ralf Flierl. Nähere Informationen finden Sie hier.

Fazit
Die politische Landschaft der Bundesrepublik verändert sich. Wir könnten uns vorstellen, dass die AfD – allem Wunschdenken der Etablierten zum Trotze – keine Eintagsfliege wie die Piratenpartei sein wird. An den Märkten geht es – besonders in den USA weiter bergauf – besonders im Hightech-Bereich klettern die Aktien trotz allfälliger Schrecksekunden weiter an der berühmten Mauer der Angst empor.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

 

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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