Aktien Update – SGL Carbon SE

Die SGL Carbon SE (WKN 723530, akt. Kurs 14,65 EUR) stellt sich im Moment neu auf. Das Sanierungsprogramm wird Mitteilungen zufolge erfolgreich umgesetzt, die Zeichnungsfrist der Kapitalerhöhung endet heute, die Geschäftssparten werden neu strukturiert, und schließlich dokumentiert der Vorstand mit Käufen von Aktienpaketen in Höhe von 1 Mio. EUR seine Zuversicht.

Die Notbremsung war mehr als notwendig, denn nach dem Umsatzrückgang von 10% im vergangenen Jahr auf 1,477 Mrd. EUR ging es im ersten Halbjahr 2014 um weitere 12% bergab. Zwar konnten die Verluste dennoch eingedämmt werden, nach sechs Monateg steht aber bereits ein Minus von 87 Cent pro Aktie zu Buche. Da ist es gut, wenn man sich auf Ankerinvestoren verlassen kann. SKion GmbH (das ist die Investmentgesellschaft von Susanne Klatten), BMW und Volkswagen, die zusammen 55% der Anteile halten, gehen die Kapitalerhöhung voll mit.

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SI-Kommentar:

In den vergangenen zwei Jahren hat sich der Kurs der Aktie ziemlich genau gedrittelt, angesichts der Ergebnisse muss man nicht lange nach Gründen suchen. Betrachtet man die bisherigen drei Segmente, wird aber deutlich, dass die Bereiche Carbon Fibers, also jener Teil, der zum Beispiel als Zulieferer für den BMW i3 fungiert, sowie der Bereich Graphite Specialities, der in der Hauptsache Anoden für Lithium-Batterien anbietet, profitabel gewachsen sind. Währenddessen hat der Bereich Graphitelektroden für die Stahlherstellung die Verluste ausgeweitet.

Logisch, dass die neu justierte Geschäftsausrichtung verstärkt auf die Zukunftstechnologien setzt. Grundsätzlich ist anzumerken, dass die industrielle Anwendung der Karbon-Technologie, sei es bei Windrädern, Dichtungen oder im Luftverkehr, wesentlich langsamer voranschreitet, als angenommen. Das ändert aber nichts an den Produktvorteilen bei bestimmten Anwendungen. Mit einsetzenden Skaleneffekten sind wachsende Marktanteile zu erwarten.

Man könnte SGL als ziemlich aussichtsreichen Turn-around-Kandidaten ansehen, schon weil mit BMW der führende Premiumhersteller und mit VW der mutmaßlich größte Autohersteller der Welt (Nutzfahrzeuge eingerechnet) engagiert sind. Da aber die Eintrübung gerade für die Autokonjunktur abzusehen ist, bleiben Unsicherheiten. SGL ist damit ein guter Kandidat für die Watchlist und dürfte spätestens, wenn die konjukturellen Unwägbarkeiten im Automobilsektor ausgeräumt sind, eine interessante Alternative darstellen.

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier wird zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

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