Smart Investor 10/2014 – Buchbesprechung

BB GeldapokalypseDie US-Wirtschaft ist „strukturell kaputt“. Die Billionen von neuem Geld, die von der US-Notenbank Fed erzeugt wurden, flossen in die Finanzmärkte. Statt Arbeitsplätze zu schaffen, wurden Spekulationsblasen aufgepumpt. Das Volumen der von Banken gehaltenen Finanzderivate beträgt mit über 650 Billionen USD mittlerweile das Neunfache des weltweiten Bruttosozialprodukts. Gesetze, die diesen Bereich einst regulierten, wurden Ende des letzten Jahrtausends abgeschafft. Ein Crash, schlimmer noch als 2008, ist unvermeidbar. Bleibt nur die Frage, durch welches Ereignis diese Lawine losgetreten wird. Der US-Dollar am Abgrund – darüber schreibt James Rickards, ein Hedgefonds-Manager, ehemaliger CIA-Mitarbeiter und Spezialist für „Währungskriege“ (so der Titel seines letzten Buches).

Der Autor – an der Wall Street und bei den Geheimdiensten gleichermaßen zu Hause – schildert auch die geopolitische Dimension dieses Problems. Die Welt flüchtet schon seit 2002 aus dem Dollar. Länder wie China, Russland und Iran, aber auch der US-Verbündete wie Saudi-Arabien versuchen zunehmend, bei grenzüberschreitenden Geschäften die amerikanische Währung zu meiden. Die Bedeutung des Dollar als Weltreservewährung schrumpft – für die USA ein Zeichen größter Gefahr.

Da die Fed bereits überschuldet ist, kann sie beim nächsten Crash den Dollar und das internationale Geldsystem nicht retten. Der IWF muss dann einspringen mit seinen Sonderziehungsrechten (einem internationalen Währungskorb), die dann den Dollar als „Weltwährung“ ablösen. Diese Weltwährung sollte mit Gold hinterlegt sein. Das zumindest schreibt James Rickards und hat damit recht – ein Szenario allerdings, das erst eintreten dürfte, wenn das Vertrauen in Papiergeld völlig dahin ist.

Ein herausragend gutes, darüber hinaus spannend geschriebenes Buch, das für einschlägig Interessierte auch als Weihnachtsgeschenk geeignet ist.

Rainer Kromarek

„Die Geldapokalypse: Der Kollaps des internationalen Geldsystems (mit einem neuen Vorwort für die deutsche Ausgabe)“, James Rickards, ab 10.10.2014 beim FinanzBuch Verlag, 400 Seiten, 24,99 EUR