SIW 43/2014: Zurück zur Tagesordnung?

Taktgeber der Geldplanwirtschaft
Am grundsätzlichen Spannungsfeld für die Märkte im Allgemeinen und Kapitalanleger im Besonderen hat sich wenig verändert. Den Abtriebskräften der weltweiten Schuldenkrise stehen die Geldschöpfungsorgien der Notenbanken gegenüber. Diese haben in der Vergangenheit keinen Zweifel daran gelassen, das Notwendige zu tun, um einen Systemzusammenbruch – also einen Zusammenbruch ihres Geldsystems – zu verhindern. Angesichts der erreichten Schuldenstände gibt es trotz rekordtiefer Zinsen erhebliche Gefährdungslagen. Obwohl es als ausgeschlossen gelten darf, dass die betroffenen Volkswirtschaften aus den Schuldenlasten herauswachsen, sind sinkende Wachstumsraten eine Bedrohung. Vielleicht ist das eine Erklärung für die heftige Abwärtsreaktion der Börsen auf die letzten Konjunkturdaten, die wesentlich schlechter ausfielen, als das erwartet worden war. Auch die immer wieder ins Feld geführten Deflationsgefahren hätten erhebliche negative Implikationen. In einer Deflation käme es bekanntlich sogar noch zu einer realen Aufwertung dieser Schuldenberge, was die Problemlage weiter verschärfen würde. Zur sharewise Community

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„Minsky-Moment“
Für die Märkte – so die Erfahrung der letzten Jahre – ist die Welt solange halbwegs in Ordnung, solange sich die Notenbanken mit frischem Geld gegen die Abtriebskräfte stemmen. Die gestrigen Hinweise auf Überlegungen innerhalb der EZB künftig auch Unternehmensanleihen durch die Notenbank ankaufen zu lassen, wurden entsprechend positiv aufgenommen. Die EZB würde sich damit noch tiefer in das Wirtschaftsgeschehen hineinfressen und das Modell Marktwirtschaft noch weiter unterhöhlen und zurückdrängen. Der Fluch der „guten Tat“, wenn man in den Taten der EZB überhaupt etwas Gutes zu erkennen vermag. Zumindest aber entwickelt sich der dort betriebene Interventionismus theoriegerecht an einem Pfad immer größerer und tiefergehender Markteingriffe entlang. In der kurzsichtigen Begeisterung wird noch ein Aspekt übersehen: Alle „Hilfsmaßnahmen“ haben in der Tendenz dazu geführt, längst kaputt gegangene Schuldner-Gläubiger-Beziehungen künstlich zu erhalten. Weil Staaten, Banken und Großunternehmen nicht Pleite gehen dürfen, wächst nicht nur der Schuldenberg, sondern auch der Anteil der faulen Kredite immer weiter. Damit wird die Lösung von heute zum Problem von morgen. Steen Jakobsen, Chef-Ökonom der Saxobank, wies gestern darauf hin, dass irgendwann ein kritischer Punkt, der sogenannte „Minsky-Moment“ (benannt nach dem US-Wirtschaftswissenschaftler Hyman P. Minsky) erreicht werde. Dann brächen die Asset-Preise schlagartig ein. Ursächlich dafür ist der Zusammenbruch jener Ponzi-Finanzierung, auf der „moderne“ Staaten heute überwiegend beruhen. So sicher es ist, dass diese substanzlose Aufschuldung zu einem Ende kommen wird, so schwierig ist die Frage zu beantworten, wann das geschehen wird. Da die Notenbanken bis zum Schluss mit ihren elektronischen Geldpressen und allerlei kreativen Maßnahmen Öl ins Feuer gießen werden, führt der Weg in den Zusammenbruch über die Scheinblüte des Crack-up-Booms. Zur sharewise Community

Suche nach Alternativen
Bundeskanzlerin Merkel hatte bereits in der Anfangsphase der Krise das Unwort „alternativlos“ geprägt. Aber auch Anleger haben im Umfeld der anhaltenden Finanziellen Repression immer weniger Alternativen. Stark gestiegene Preise und zuletzt große Schwankungen, nehmen dem Aktienmarkt einiges an Attraktivität. Dennoch führt an Sachanlagen kein Weg vorbei. In Smart Investor 11/2014, der zum Wochenende erscheint, haben wir uns intensiv mit dem Thema Immobilien und Immobilienaktien auseinandergesetzt – mit manch überraschender Einsicht.

 

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Zu den Märkten
Exakt einen Tag nach unserem letzten Smart Investor Weekly markierte der DAX sein vorläufiges Tief. Der Sell-Off, auf den wir letzte Woche noch gewartet hatten, war damit vollzogen – bereits am gleichen Tag drehte der Markt nach oben. Aktuell liegt der Index damit sogar wieder über der markanten Linie von 8.900 Punkten. Ist der Spuk damit also schon vorbei? Kurzfristig trauen wir dem DAX nun durchaus etwas Momentum zu. Mit dem Erreichen unserer Zielzone bewegte sich der Index eindeutig in überverkauftes Terrain. Gerade die schwächsten Titel des vorangegangen Rückgangs zeigten sich daher in den letzten Tagen sehr fest, so z.B. Thyssen, Infineon, K+S oder Adidas. Ob die Baisse mittelfristig nach wie vor intakt ist, versuchen wir auch im neuen Smart Investor 11/2014 intensiv zu erforschen. Unter anderem zeigen wir die interessanten Prognosen des Zyklenforschers Wilfried Kölz. In jüngerer Vergangenheit war Kölz mit seinem Prognosemodell häufig erstaunlich richtig gelegen.

Was lange fällt muss irgendwann steigen?
Ein gutes Beispiel für die aktuellen Bewegungen im DAX liefert die Adidas-Aktie. Zwar war das Papier – im Gegensatz zum breiten Markt – bereits seit dem Jahreswechsel relativ schwach. Mit der Gewinnwarnung Ende Juli kam jedoch richtige Abwärtsdynamik in die Aktie. Fundamentale und technische Schwäche kombiniert sind selten ein gutes Zeichen, das Tief aus dem August wurde im Oktober sogar nochmals unterschritten. In der aktuellen Gegenreaktion ist der Titel nun einer der stärkeren. Erkennbar ist im Chart ein sogenanntes Gap, d.h. der Kurs eröffnete an einem Tag deutlich über dem Schlusskurs des Vortages. Eine ähnliche Situation gab es Ende Juli mit umgekehrten Vorzeichen. Der Abwärtstrend ist intakt, nach dem Gap am Montag dieser Woche könnte jedoch eine Gegenbewegung bis zum Erreichen der Trendlinie möglich sein (im Chart rot eingezeichnet). Dass es Fundamental bei Adidas alles andere als rosig aussieht, steht auf einem völlig anderen Blatt. Woran es operativ am meisten hapert, analysieren wir im neuen Smart Investor 11/2014. Jüngst machten Meldungen zu einem bevorstehenden Verkauf der US-Tochter Reebok die Runde. Auch wenn die Herzogenauracher hier erwartungsgemäß Millionen versenkt haben werden, scheint der Markt diese Option positiv zu werten (nach dem Motto: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende). Zeitgleich mit den Gerüchten zu Reebok gab es auch das Gap im Chart, die Hoffnung der Anleger scheint den Kurs aufs Erste zu beflügeln.

 

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Musterdepot Aktien & Fonds
Die Transaktionen für unsere Musterdepots finden Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Fazit
Sollten sich die jüngsten Gerüchte bestätigen, steht die EZB offenbar vor neuen einschneidenden Interventionen in das Wirtschaftsgeschehen. Mit Marktwirtschaft hat das alles nichts zu tun, was die Zauberlehrlinge Draghi & Co. da anrichten, mit Verzweiflung umso mehr.

Ralf Flierl, Christoph Karl, Ralph Malisch

 

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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