Smart Investor 12/2014 – Zu guter Letzt

Von Andy Warhol stammt die gesellschaftskritische Prophezeiung, dass in multimedialen Hype-Zeiten jeder im Leben mal berühmt sein wird – für 15 Minuten. Das gilt auch für Banken, in diesem Fall für die genossenschaftlich organisierte Skatbank. Diese, obschon mit skurrilem Namen gesegnet, weithin unbekannt, war in aller Munde, weil sie als erstes Institut einen Negativzins in der Bundesrepublik eingeführt hat: -0,2% auf Einlagen über 500.000 EUR.

Gut, das trifft jetzt noch nicht Otto Normalsparer – der Anfang aber ist gemacht. Bei britischen Buchmachern kann man zwar nicht wetten, welche größere Bank als erste nachziehen wird – dass nachgezogen wird, darf aber als sicher gelten. Die Entwicklung ist natürlich nicht zufällig, vielmehr besitzt sie eine Logik. Und sie ist gewünscht.

Offensichtlich ist es so, dass die üblichen Verdächtigen, also die Schuldenstaaten rund um den Globus, es selbst bei mickrigen Zinsen nicht schaffen, sich zu entschulden. Der Refinanzierungsdruck lässt also nicht nach. Nach der Auktion ist vor der Auktion, sozusagen. Wenn nun in Bälde Banken bei der EZB spürbare Parkgebühren für ihre Liquidität zu entrichten haben und Versicherungen oder Pensionskassen dies ihrerseits bei den Banken, wird das zu Fluchtreaktionen führen. Vor allem, wenn der Strafzins steigt. -0,2% stellen ja nur den Einstieg und nicht das letzte Wort dar. Je mehr Geld geschaffen wird, umso höher dürfte der Negativzins steigen.

ZGL Bank-negativzinsen Kopie

Während der Kleinsparer sein überschaubares Vermögen zur Not unter dem Kopfkissen verstecken kann – sein Strafzins ist dann „nur“ die Inflation –, wird jeder Treasurer mindestens versuchen, die Besteuerung, und um nichts anderes handelt es sich im Prinzip bei Negativzinsen der EZB, zu umgehen. Da trifft es sich ganz gut, dass das Anlageuniversum von Versicherungen, Versorgungswerken und Pensionskassen in der Bundesrepublik aufsichtsrechtlich beschränkt ist. Strafzinsen wirken somit als bestes Verkaufsargument für welches Angebot? Genau: Staatsanleihen. Je mehr buntes Papiergeld gedruckt wird, umso weniger sind die Banken darauf scharf. Es gab schon schlechtere Treppenwitze.

Noch ein Treppenwitz: Wenn man so will, bewirkt die immense Geldschöpfung aus dem Nichts die Annäherung des westlichen Kapitalismus an die Gepflogenheiten des Islamic Banking. In diesem Gedankengebäude ist nämlich das Erheben von Zinsen untersagt.

Alles in allem scheint es eine gute Zeit für eine neue Geschäftsidee zu sein: Sparstrümpfe, modisch gestrickt oder aus Funktionsstoff, in verschiedenen Größen, nett in einem Online-Shop angeboten, könnten der Renner werden. www.was-vom-festgeld-uebrig-blieb.de wäre eine zugegeben etwas lange Domain, aber immerhin treffend und memorabel. Am Ende der Entwicklung dürfen die Kreditnehmer von morgen träumen, als Kunde nicht nur keinen Zinssatz zu zahlen, sondern sogar ein Agio einzustreichen. Die Domain dazu: www.was-vom-geschaeftsmodell-bank-uebrig-blieb.com.